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Burgau

05.04.2019

Neue Ausstellung im Schloss: Als in Burgau ein Hauch von Luxus einkehrte

Pünktchenkleid, Gummibaum und Kaffee, der kein Luxusgut mehr ist: Die Ausstellung „Burgau im Wirtschaftswunder“ im Museum im Burgauer Schloss verdeutlicht, wie sich die Markgrafenstadt in den 50er Jahren verändert hat. Im Bild: Stadtarchivarin Martina Wenni-Auinger und Michael Miller.
Bild: Peter Wieser

Eine Ausstellung im Schloss zeigt, wie sich die Markgrafenstadt während der 50er Jahre verändert hat. Dabei gibt es für die Besucher einiges zu erleben.

Die neue Ausstellung im Burgauer Schloss knüpft geradezu nahtlos an die vergangene an. „Kriegsende und Neubeginn in Burgau 1945“ zeigte im vergangenen Jahr, wie sich die Markgrafenstadt mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen und der Ankunft der Heimatvertriebenen nach dem Krieg veränderte. Was folgte danach? „Es wurde unheimlich viel in die Stadt investiert“, antwortet Stadtarchivarin und Museumsleiterin Martina Wenni-Auinger auf die Frage.

Die Ausstellung „Burgau im Wirtschaftswunder“ gibt nun einen Einblick in die enorme Entwicklung der Markgrafenstadt in den 50er Jahren und wie sie vom Aufbauwillen der Burgauer nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs geprägt wurde. Am Sonntag, 7. April, um 16 Uhr, wird sie eröffnet.

Das Auto begann, das Leben in der Stadt zu bestimmen

In den 50er Jahren entstanden, bedingt durch die Wohnungsnot, neue Wohngebiete, genauso wie neue Wirtschaftszweige, die die Heimatvertriebenen zuvor in die Markgrafenstadt mitgebracht hatten. Wenngleich vieles mit harter Arbeit verbunden war, kehrte sehr schnell ein gewisser Wohlstand ein: Für viele erfüllte sich damit der Traum vom eigenen Haus und einer völlig neuartigen Einrichtung, die vom Nierentisch bis hin zur pastellfarbenen Einbauküche reichte. Im Wohnzimmer stand der Philipps-Fernseher neben dem Telefunken-Plattenspieler samt Plattensammlung und, für die damalige Zeit typisch, durfte auch der Gummibaum nicht fehlen. Schicke Stoffe, die man sich nun kaufen konnte, lösten ein „aus Altem Neues machen“ ab und man konnte sich anstatt des alten Miele-Fahrrads den ersten VW Käfer oder die erste Isetta leisten.

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Überhaupt spielte das Auto und die damit verbundene Mobilität eine ganz besondere Rolle. „Es nahm immer mehr Platz ein und die Stadt musste sich nach dem Auto richten“, weiß Martina Wenni-Auinger. Bilder des Burgauer Fotografen und Künstlers Theodor Becker, der die Veränderungen des Burgauer Lebens festgehalten hat, verdeutlichen, wie das Auto als fester Bestandteil das Leben in der Stadt dominierte – mit wildem Parken um den Marienbrunnen oder im Hintergrund stehend beim Baden am Autobahnsee. Ein Teil der Ausstellung ist Theodor Becker gewidmet, indem sie einen Blick quer durch seine Arbeiten vermittelt.

Auch Schneiderin Waltraud Wistuba ist mit von der Partie

Auch das will die Ausstellung verdeutlichen: den Wandel und die Veränderungen vom Individuellen zur Massenproduktion mit zeitsparenden Fertigprodukten in passenden Verpackungen. Erbsen aus der leicht zu öffnenden Dose, die es bei „Gubi – dem Geschäft für die Hausfrau“ an der Burgauer Stadtstraße zu kaufen gab, lösten das aufwendige Herauspulen aus den Schoten ab. Plötzlich konnte man sich auch Kaffee leisten und er war kein Luxusgut mehr. Zu diesem Thema wird Michael Miller am Sonntag, 6. Mai, mit einem um 1870 entwickeltem Kugelröster Kaffee rösten und zum Verkosten anbieten. In den 50er Jahren starben solche Röstmaschinen aus. Nicht bekannt sei, wie lange in Burgau noch Kaffee frisch geröstet wurde und es wäre interessant, wenn sich Personen fänden, die damals noch solchen gekauft hatten, sagt Michael Miller.

Zu dem Rahmenprogramm zählt auch ein Vortrag am Sonntag, 14. April, um 14.30 Uhr, in dem Waltraud Wistuba, Inhaberin des Modeateliers Wistuba in Rettenbach, einen Einblick über die Mode der 50er Jahre gibt. Am Ostersonntag, 21. April, findet im Schloss ein Ostereiersuchen statt und am Sonntag, 28. April, werden die Oldtimer-Freunde Kemnat-Mindeltal im Schlosshof Fahrzeuge aus den 50er Jahren präsentieren.

Die Ausstellung „Burgau im Wirtschaftswunder“ ist dann bis zum 5. Mai, jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr, zu besichtigen. Sämtliche Exponate stammen aus der Markgrafenstadt, sind Leihgaben oder wurden dem Museum der Stadt Burgau überlassen.

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