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Saisonabbruch im Fußball? Keine Frage der Gerechtigkeit

Saisonabbruch im Fußball? Keine Frage der Gerechtigkeit
Kommentar Von Jan Kubica
07.04.2020

Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, wie es nach der Corona-Pandemie im Fußball weiter gehen könnte. Ein ganzes System steht derzeit auf wackligen Beinen. Ein überlegenswerter Weg aus der Misere setzt eine dramatische Umwälzung voraus.

Not macht erfinderisch. Fußballer und Fans, Stammtischredner und Verbandssprecher bilden da keine Ausnahme. Und da niemand die derzeit drängendste Frage, wann der Ball denn endlich wieder rollt, auch nur ansatzweise beantworten kann, konzentriert sich das Zeitgespräch eben auf die zweitwichtigste Frage: Wie geht es weiter, sobald es weiter geht?

Wer nun glaubt, die Wie-Frage im Fußball schnell beantworten zu können, irrt. An der Antwort nämlich hängt bis in kleinste Verästelungen des Amateursports ein ganzes System weiterführender Prozesse, das teilweise deutlich über berechtigte Ängste und Nöte in anderen Sportarten hinausragt. Wie steht’s um Verträge mit Spielern und Trainern? Wie lange lassen sich ungenutzte Fußballplätze und Vereinsheime pflegen und betreiben? Wie erkläre ich einem Sponsor, der selbst in Schwierigkeiten steckt, dass seine Zuwendungen überlebenswichtig für den Verein sind? Drohen Gemeinschaften auseinanderzufallen? Was geschieht an sozialen Bruchstellen, die der Fußball bisher mit Müh und Not zusammenhielt? All das sind Fragen, die nichts mit 1:0 zu tun haben. Und deshalb ist es so schwer, sie innerhalb der fußball-üblichen Denkmodelle zu beantworten.

Mit dem Begriff der Gerechtigkeit kommen wir an dieser Stelle nicht weiter, denn jedes bislang angerissene Modell stößt hier ruck zuck an Grenzen. Vergleichsweise einfach zu realisieren, aber schwer zu vermitteln dürfte aus diesem Blickwinkel das Modell sein, bisher erreichte Ergebnisse zu streichen, die zu zwei Dritteln absolvierte Saison also als „nicht gespielt“ zu werten. Genauso unfair ist, den Tabellenstand von, ja, wann eigentlich?, als Abschlusstabelle zu deklarieren. Soll wirklich der Herbstmeister aufsteigen? Oder der Tabellenletzte von Anfang März absteigen? Wie steht es schließlich um die Idee, die derzeit erreichten Tabellenstände einzufrieren und ein ganzes Jahr lang nicht zu spielen, die Saison 2019/20 also im März 2021 fortzusetzen und das kommende Spieljahr entsprechend ausfallen zu lassen? Das wäre womöglich tatsächlich gerecht, gilt aber rechtlich als nicht machbar und würde höchstwahrscheinlich ein großflächiges Vereinssterben verursachen.

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Ernsthaft überlegenswert scheint allein der systematische Ansatz, die laufende Runde im Herbst zu beenden und ab Jahresbeginn 2021 die Schablone „Fußballjahr ist gleich Kalenderjahr“ zu verwenden. Machbar wäre das gewiss. Will man freilich die gegenseitige Durchlässigkeit von der untersten bis zur obersten Spielebene behalten, setzt die Umsetzung mindestens eine für ganz Deutschland geltende, angesichts der weit über die Landesgrenzen hinaus wirkmächtigen Corona-Pandemie vermutlich sogar eine gesamteuropäische Entscheidung voraus. Unmöglich also? Der Erfahrung nach, ja. Aber es heißt auch: Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.

Lesen Sie auch den Bericht: Amateurfußballer suchen nach der Exit-Strategie

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