Newsticker

Personenschützer mit Corona infiziert: Heiko Maas in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Strom schwarz abgezapft: Bewährung für 29-Jährigen

27.10.2009

Strom schwarz abgezapft: Bewährung für 29-Jährigen

Günzburg Sie ist ein kostbares und lebensnotwendiges Gut. So kostbar und wichtig, dass Einige es sogar stehlen. Die Rede ist von Energie, von elektrischem Strom. Weil er auf Kosten seines Vermieters eine Leitung im Keller des Mietshauses "schwarz" angezapft hatte, verurteilte das Amtsgericht Günzburg einen 29-Jährigen nun zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten - auf Bewährung, denn der Angeklagte zeigte Reue.

Das Jahr 2007 sei kein Gutes gewesen. Arbeitslosigkeit und notorische Geldknappheit machten dem 29-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis nach eigenen Angaben schwer zu schaffen.

Das Geld reichte einfach nicht

"Ich hatte nichts - die Behörden waren sich nicht einig, welches Arbeitslosengeld ich bekommen sollte", schilderte der junge Mann seine damalige prekäre Situation. Er habe schließlich sogar damit begonnen, seinen bescheidenen Besitz zu verkaufen. Doch das Geld habe nicht einmal für das Nötigste gereicht. Der Stromlieferant kappte letzten Endes die Leitungen. An einem hing der Mann jedoch bis zum Schluss: an seinen Fischen. Für sie habe er es schließlich auch gemacht, als er im Keller des Hauses den Geldbeutel des Vermieters indirekt anzapfte.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ein paar simple Bohrungen, einige Meter Kabel - fertig war die schwarze Stromleitung. Versorgt war die Umwälzpumpe für die Fische im Aquarium, warm waren die Herdplatten. Mindestens zehnmal zapfte der Mieter die Kellersteckdose auf diese Weise illegal an. Dann kam ihm der Hausbesitzer auf die Schliche. 300 Euro an zusätzlichen Stromgebühren waren scheinbar keine unauffälligen "Peanuts" für den Vermieter.

Die zusätzliche Krux für den verzweifelten 29-Jährigen: Wegen eines anderen Deliktes stand er zum Zeitpunkt des Strom-Diebstahls bereits unter Bewährung. Und wegen wiederum anderer Taten saß er im darauf folgenden Jahr 2008 für sechs Monate hinter Gittern. Dort, meinte er, habe er seine Straftaten zu bereuen begonnen: "Im Gefängnis habe ich mir vorgenommen: Ich will keine Scherereien mehr, ich will ein neues Leben beginnen."

Dass er dies seit seiner Entlassung aus der Haft offensichtlich ernst nimmt, wertete Richter Gisbert Schöler als deutlichen Pluspunkt für den Angeklagten. Der Mann habe inzwischen eine Arbeit gesucht und gefunden, er habe sich nebenbei selbstständig gemacht - alles in allem sei dies eine günstige Sozialprognose, wie auch Rechtsanwalt Walter Deistler betonte.

Trotzdem - der Angeklagte hätte sein "Energieproblem" anders, ganz und gar legal lösen können, sagte Richter Schöler. Über das Amtsgericht etwa sei eine Einigung mit dem Stromlieferanten oder zumindest eine Verfügung durchaus möglich gewesen. Doch daran hatte der 29-Jährige nach eigener Aussage nie gedacht. Vier Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung, die Rückzahlung der Stromkosten sowie eine Geldstrafe von 400 Euro zugunsten eines gemeinnützigen Vereins.

Seine Strafe akzeptierte der Angeklagte sofort, nachdem er sich nochmals für die schwarze Stromleitung entschuldigt hatte.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren