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Leipheim

08.02.2018

Ungewohnt edel, aber gewohnt geschwätzig

Die Geschichte der Hospitalstiftung steht im Mittelpunkt, wenn die Leipheimer Gästeführerin Marianne Winkler in die Rolle der Vogtsfrau und Schlossherrin zu Lypheim schlüpft und aus dem herrschaftlichen Nähkästchen plaudert.
Bild: Melanie Winkler

Zum 650-jährigen Jubiläum der Hospitalstiftung gibt es eine historische Stadtführung. Für Marianne Winkler ist diese Rolle eine besondere Herausforderung.

Bauer Martin ist ja eher ein rustikaler Typ. Seine Frau Liesl, ein recht geschwätziges Weib. Jetzt schlüpft die Leipheimer Gästeführerin Marianne Winkler in eine ganz neue und für sie herausfordernde Rolle: Als Vogtsfrau und Schlossherrin zu Lypheim erzählt sie die Geschichte der Hospitalstiftung. Das Spital zum Heiligen Geist gehört seit 650 Jahren zur Stadt Leipheim. Mit den neuen Sonderführungen, die im Juni beginnen, wird dieses Jubiläum gefeiert.

Es dauert Monate, bis eine neue Figur für historische Stadtführungen Form annimmt. Seit Dezember wälzt Marianne Winkler die Ordner. „Das wird eine komplett neue Führung, ich ackere mich noch einmal durch die ganze Leipheimer Stadtgeschichte durch.“ Schon jetzt habe sie 24 Seiten vollgeschrieben mit Informationen zusammengefasst. Jetzt muss sie aussortieren. Was interessiert die Besucher? Welche Eckdaten sind wichtig? Wie kann die Führung durch nette Anekdoten aufgelockert werden?

„Nur das Wesentliche erzählen, aber alles wissen“

„Die Schwierigkeit ist, dass ich alle Informationen im Hinterkopf behalten muss.“ Denn oft kommen Nachfragen der Besucher und die erwarten auch die passende Antwort ihrer Gästeführerin. „Nur das Wesentliche erzählen, aber alles wissen“, dieses Ziel hat sich Marianne Winkler gesetzt. Doch wie kann sie sich all die Informationen merken? „Aufschreiben hilft“, sagt die Leipheimerin. „So bleiben die Eckdaten im Kopf.“ Eine weitere Herausforderung ist das Wesen ihrer neuen Figur. „Das Rüpelhafte des Bauer Martin ist ja ein bisschen in mir drin“, sagt sie verschmitzt. Als Vogtsherrin tritt sie sehr edel auf und plaudert in einem roten Kleid gewandet aus dem herrschaftlichen Nähkästchen. Da ist schauspielerisches Talent gefragt – geübt wird die Rolle im heimischen Wohnzimmer.

Dass es überhaupt eine edle Vogtsfrau geworden ist, die Marianne Winkler für ihre Rolle ausgesucht hat, ist Zufall. Die Stadtverwaltung war auf die Gästeführerin zugekommen und hatte angefragt, ob sie nicht eine historische Stadtführung zur Hospitalstiftung anbieten könnte. Natürlich kann sie. Zunächst war die Idee, eine Krankenschwester zur Zeit des Zweiten Weltkriegs zu mimen – von ihr gibt es etliche Aufzeichnungen. „Aber ich wollte in meiner Zeit bleiben.“ Also im 16. Jahrhundert. Noch hat sich Marianne Winkler nicht durch die komplette Geschichte der Hospitalstiftung durchgearbeitet. Gerade ist sie im Jahr 1980 angekommen.

Ein alter Stadtplan ist ihre Quelle

Die meisten Informationen hat sie von Archivar Rudi Schmitt erhalten. Er hat ihr ordentlich sortiert die Geschichte der Hospitalstiftung in einem prall gefüllten Ordner zusammen gefasst – garniert mit alten Bildern und Stadtplänen. Eigentlich ist die Stiftung schon älter als 650 Jahre. Gegründet wurde sie im Jahr 1315 von den Güssen. Dort fanden Alte, Kranke und Arme Hilfe. Erst im Jahr 1368 wurde sie städtisch. Sie besteht noch heute, allerdings ist die Stiftung nicht mehr aktiv. Zu ihrem Besitz zählen aber noch einige kleine Äcker, Felder und Wälder. Was es alles über die Hospitalstiftung zu erzählen gibt, will Marianne Winkler noch nicht verraten. Es hat ja auch noch Zeit. Bis Ende Mai muss die Führung stehen. „So lange werde ich aber auch brauchen.“ Die letzten Informationen müssen zusammen getragen werden – Hilfe bekommt sie von Archivar Rudi Schmitt, aber auch von den Mitarbeitern der Stadt Leipheim. „Zum Endspurt werden noch viele offene Fragen anfallen, die nicht in meinen Quellen nachzulesen sind. Da muss Stadtbaumeister Jürgen Mößle ran halten. von ihm braucht sie zum Beispiel noch einen sehr alten Stadtplan, in dem noch die alten Hausnummern stehen. Und dann muss noch die Strecke der Stadtführung ausgearbeitet werden. Sie darf nicht zu lang und nicht zu kurz werden. Immer wieder muss Marianne Winkler jetzt die Wege ablaufen und sehen, welche Orte sich für die Führung eignen.

Insgesamt sind es nun sieben Rollen, in die die Gästeführerin schlüpft. Verwechslungen sind ausgeschlossen, sagt sie. Undenkbar ist für sie, dass sie als geschwätzige Bauerin Liesl plötzlich den Text der Weisen Kräuterfrau Mariana von sich gibt. „Wenn ich in eine Rolle schlüpfe, dann bin ich diese Figur.“ Warum, das kann sie selbst nicht so genau erklären. „Ich habe ein schauspielerisches Talent.“ Nach der Winterpause beginnt im April wieder die Führungssaison. Mit dabei ist diesmal wieder ein alter Bekannter: der Nachtwächter zu Lypheim. „Letztes Jahr musste ich mit diesen Führungen pausieren, weil die Stadtmauer saniert worden ist und damit die Wege nicht begehbar waren.“ Doch heuer wird es wieder wie gewohnt gruslig und abenteuerlich zugehen, wenn der Nachwächter die Besucher durch das abendliche Leipheim führt. Die Vogtsfrau und Schlossherrin zu Lypheim wird sich am 28. Juni bei der ersten öffentlichen Führung die Ehre geben.

Anmeldung für alle Führungen bei Marianne Winkler unter der Telefonnummer 08221/72200 oder per Mail an guessenstadt-leipheim@freenet.de.

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