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Wahl im Kreis Günzburg

06.03.2020

Visionen der Landratskandidaten auf einem Bierdeckel

Auf einen Bierdeckel sollten die Kandidaten schreiben, wie sie sich den Landkreis Günzburg 2030 vorstellen. Sie durften den Bierfilz selbst wählen.
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Auf einen Bierdeckel sollten die Kandidaten schreiben, wie sie sich den Landkreis Günzburg 2030 vorstellen. Sie durften den Bierfilz selbst wählen.
Bild: Christian Kirstges

Plus Unsere Zeitung hat die Kandidaten für das Amt des Günzburger Landrats gebeten, auf einen Bierfilz zu schreiben, wie sie sich den Landkreis 2030 vorstellen.

Max Deisenhofer hat auf dieser einen Seite des Münz-Bierdeckels wirklich jeden Weißraum genutzt, der seinem Kugelschreiber geboten wurde. Sieben Punkte hat der Landratskandidat der Grünen aufgeschrieben, wie die Heimat, könnte er sich was wünschen, in zehn Jahren aussehen soll. Als wichtigen Punkt – und deshalb wohl in Großbuchstaben geschrieben – erwähnt er einen klimaneutral agierenden Landkreis.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit besseren Anschlüssen, die Mittelschwabenbahn im Stundentakt und eine Integration mit benachbarten Verkehrsverbünden sieht er ebenso als lohnenswerte Ziele wie ein stabiles Handynetz und schnelles Internet „bis an jede Milchkanne“. Damit nimmt er eine Gegenposition zu Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) ein, die vor einem guten Jahr sagte, „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“.

Nur die Hälfte der Möglichkeiten genutzt

Wie Deisenhofer haben Rudolf Ristl (Die Linke) und Gerd Mannes (AfD) die Hälfte der ihnen gebotenen Möglichkeiten genutzt. Denn wenn es eine Vorderseite gibt, dann gibt es eine Rückseite. Und es wurden keinerlei Vorgaben gemacht, alles auf nur einer Seite unterzubringen. Ristl hat das geschafft. Klimaneutralität ist auch für ihn ein Ziel, das bis 2030 im Kreis Günzburg verwirklicht werden soll.

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„Perfekte menschliche Bedingungen in der Pflege und im Gesundheitssystem für alle“ ist der Wunsch des Politikers neben fünf anderen Visionen für 2030, die er auf einen Bierfilz der Piratenpartei mit grüner Farbe geschrieben hat. Rudolf Ristl gehört zwar der Piratenpartei an, zieht aber für Die Linke in den Landratswahlkampf, was dem Kandidaten die Mühe erspart hat, genügend Unterstützungsunterschriften zusammenzubekommen.

Auf dem Bierdeckel wird es friedlich

Wie Ristl hat sich Gerd Mannes entschieden, einen Bierdeckel auszuwählen, der Werbeträger für die eigene Partei sein soll. Das bloße Logo hat der AfD aber nicht gereicht. Der Spruch „Franz Josef Strauß würde AfD wählen!“, ist inzwischen schon eine alte Schlagermelodie der Rechtsaußen-Partei, die nach wie vor Potenzial besitzt, im CSU-Lager Ärger und vereinzelt auch Empörung auszulösen.

Auf dem Bierdeckel selbst wird es friedlich im Jahr 2030: Es geht um die Sicherung hochwertiger Arbeitsplätze und sozialer Einrichtungen im Gesundheits- und Erziehungsbereich, um eine vorbildliche digitale Infrastruktur und um den öffentlichen Personennahverkehr, der den Individualverkehr ergänzt. Wichtig ist Mannes, dass die Bürger in all das eingebunden sind und nicht über deren Köpfe hinweg entschieden wird. Dass dies nicht die Realität sei, macht er beispielsweise an der Energiewende fest. Man zerschlage eine funktionierende Industrie, obwohl man noch nicht einmal wisse, ob die Energieproduktion im regenerativen Bereich überhaupt ausreiche. „Das ist in höchstem Maße unverantwortlich“, sagt er.

"Wasserstoffzentrum" soll 2024 in Betrieb gehen

An der Energieform Wasserstoff hält die SPD-Kandidatin Luise Bader fest. Hans Reichhart (CSU) hatte während der GZ-Podiumsdiskussion zur Landratswahl vor wenigen Wochen gesagt, dass die Günzburger Region für Forschungsvorhaben in diesem Bereich nicht so geeignet sei – und sich andere Gegenden in Bayern daranmachten. Das ficht Bader nicht an: Wenn es nach ihr geht, dann geht das „Wasserstoffzentrum“ im Landkreis Günzburg im Jahr 2024 in Betrieb.

Moderne Kliniken mit ausreichendem Pflegepersonal, genügend und flexibel agierende Kita-Einrichtungen, die eine Brücke bilden, um Beruf und Familie vereinbaren zu können, sind weitere Markenzeichen des Landkreises Günzburg 2030. Außerdem denkt Bader an die noch in diesem Jahr zu gründende Kreiswohnbaugesellschaft, die dann ihr zehnjähriges Bestehen feiern wird und 500 Wohnungen im Bestand hat, die sie zu günstigen Konditionen vergibt.

Blau als Lieblingsfarbe und ein roter Tupfer

Das Blau ihres Deckels ist etwas dunkler als das auf der AfD-Version. Blau ist auch Baders Lieblingsfarbe, was den „roten Tupfer“ aber keinesfalls ausschließt, sondern einen Hinweis darauf gibt, was Baders politischer „Stall“ ist. Der Originaldeckel der Radbrauerei enthält das SPD-Quadrat freilich nicht.

Hans Reichhart, noch vor wenigen Wochen CSU-Bau- und Verkehrsminister in Bayern, hat sich mit seinen zwei kleinen Kindern für eine kleine Klebearbeit hingesetzt – und auf der Vorderseite seines Deckels dargestellt, wie es aussehen soll 2030 im Landkreis Günzburg: Abwechslungsreiche Freizeitmöglichkeiten gehören genauso zu diesem harmonischen Gesamtbild wie eine gute medizinische Versorgung, moderne Kommunikationsmöglichkeiten, ein attraktiver ÖPNV und viel Natur.

Ein "tolles Vereinsleben" ist wichtig

„Lebens- und liebenswert“ ist er, der Landkreis. So lautet die Überschrift über dem bayerischen Staatswappen auf der Rückseite. Was Reichhart darunter versteht, hat er geschrieben: Menschlich, nachhaltig, innovativ, sicher und digital muss es zugehen. Dazu gehört für den Bewerber der CSU auch ein „tolles Vereinsleben“.

Fazit: Fünf Kandidaten, die mit ihrem Bierdeckel-Aufschrieb auch über sich etwas aussagen.

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