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Gundremmingen

19.08.2018

Warum liegen hier Mastenteile herum?

In Sichtweite zum Atomkraftwerk in Gundremmingen liegen Teile von Strommasten. Eine Firma war hier im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers tätig.
Bild: Christian Kirstges

In der Nähe des Atomkraftwerks Gundremmingen ist gearbeitet worden und wird es teilweise noch. Dahinter stecken verschiedene Vorhaben.

Ihre Trinkwasserversorgungs- und die Fernwärmeleitung hat die Gemeinde Gundremmingen vom künftigen Gewerbegebiet am Auwald in einen ihr gehörenden Feldweg daneben verlegt. So will sie die Hoheit darüber behalten, wenn das Grundstück bebaut ist. Die Fernwärmeversorgung wurde auch bereits verändert, um unabhängig vom Atomkraftwerk zu sein, wenn der Betrieb endet.

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Denn früher wurde von dort 25 bis 30 Grad warmes Wasser geliefert, das in Haushalten und öffentlichen Gebäuden mit Wärmepumpen weiter erwärmt wurde. Nun wird von der Gemeinde acht bis 13 Grad kaltes Grundwasser zur Verfügung gestellt, das dann noch weiter erwärmt werden muss. Der Tiefbrunnen gehört zwar noch zum Atomkraftwerk, irgendwann soll er aber wohl erworben werden, sagt Bürgermeister Tobias Bühler unserer Zeitung. Für andere in diesem Gebiet laufende Arbeiten sei aber nicht die Gemeinde zuständig.

Auffällig sind derzeit zum einen Arbeiten am Umspannwerk der Lechwerke (LEW), zum anderen sind es die Mastenteile ganz in der Nähe. LEW-Sprecher Ingo Butters erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, die für die Netze zuständige Tochtergesellschaft LVN bereite im Auftrag eines Unternehmens den Abbau des gut 600 Meter langen 110-Kilovolt-, also des Hochspannung-Freileitungsabschnitts, zwischen der Staatsstraße 2025 und dem Umspannwerk Gundremmingen vor. Die bestehende Freileitung werde durch eine etwa 800 Meter lange Erdkabelstrecke ersetzt.

Warum liegen hier Mastenteile herum?

Die Stromversorgung bleibe zuverlässig gewährleistet

Dafür wurde an der Staatsstraße 2025 bereits ein Kabelendmast errichtet, wo die von Südwesten kommende Freileitung in die Erdkabel übergeht. Die Leerrohre für die Stromkabel wurden ebenfalls bereits verlegt. „Die Stromkabel selbst werden voraussichtlich im Oktober in die Kabelschutzrohre eingebracht. Im Anschluss kann die Erdkabelstrecke in Betrieb genommen und die Freileitung mit ihren Masten abgebaut werden.“ Hintergrund ist eine geplante Gewerbeansiedlung.

Einen Namen nennt Butters nicht, aber bekanntlich will das Dillinger Holzunternehmen Scheiffele und Schmiederer das komplette neue Gewerbegebiet nutzen. Die Kosten für die Verkabelung trage die Firma, da sie die Arbeiten beauftragt habe. „Zurzeit wird das Areal von der Freileitung mittig überspannt, auch zwei Masten stehen auf dem Gebiet. Die zuverlässige Stromversorgung ist während der Arbeiten gewährleistet, Stromkunden merken davon nichts.“

Für das andere Projekt ist Amprion zuständig

Das Umspannwerk Gundremmingen ist in das regionale Stromverteilnetz eingebunden. In der Anlage wird Strom aus der 380-kV-Höchstspannungsebene auf die 110-kV-Verteilnetzebene umgespannt. Über Mittelspannungsleitungen sind nahe gelegene Gemeinden angebunden. Das benachbarte Kernkraftwerk Gundremmingen speist in das europäische 380-kV-Übertragungsnetz ein. Mit dem Kraftwerk hätten die Arbeiten nichts zu tun, betont Butters.

Dass ganz in der Nähe neue Mastenteile liegen, hat ebenfalls einen anderen Hintergrund. Hier ist der Übertragungsnetzbetreiber Amprion verantwortlich. Es geht um Mastverstärkungen und Seilarbeiten an sechs 380- beziehungsweise 220- kV-Freileitungsmasten. Diese seien wegen geänderter Anforderungen einer Norm nötig, erklärt Amprion-Sprecherin Solveig Wright gegenüber unserer Zeitung. „Die Sicherheitsnormen für die Anforderungen an Masten werden ausdifferenziert und die Masten entsprechend angepasst. Einzelne Teile des Mastes können dabei ausgetauscht werden. Im vorliegenden Fall werden insgesamt neun Masten verstärkt.“ Im Herbst werden dazu noch die Fundamente verstärkt.

So funktioniert das Stromnetz in Deutschland

Das deutsche Stromnetz ist unterteilt in Übertragungsnetze (Höchstspannung) und Verteilnetze (Hochspannung, Mittelspannung und Niederspannung). Die oft als „Stromautobahnen“ bezeichneten Übertragungsnetze nehmen, so erläutert LEW, den in den Großkraftwerken produzierten Strom auf und transportieren diesen mit einer Höchstspannung von 380 beziehungsweise 220 Kilovolt (kV) über lange Entfernungen zu den Verbrauchsschwerpunkten.

Auf Ebene der Verteilnetze wird der Strom in Hoch-, Mittel- und Niederspannung übertragen. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wird Strom zunehmend auch auf der Verteilnetzebene in das Übertragungsnetz zurückgespeist. Unterschieden wird dabei:

Hochspannung (110 kV) im regionalen Verteilnetz: Hochspannungsnetze übernehmen die regionale Verteilung von Strom. Sie verbinden die wichtigen Netzknotenpunkte in einer Region, beispielsweise die Ballungszentren oder die sehr großen Industriebetriebe.

Mittelspannung (10 kV beziehungsweise 20 kV) im regionalen Verteilnetz: Mittelspannungsnetze verbinden die kleineren Ortschaften. Auf dieser Spannungsebene erfolgt die Versorgung von Industrie- und größeren Gewerbebetrieben.

Niederspannung (230 beziehungsweise 400 Volt) im lokalen Verteilnetz: Niederspannungsnetze sind für die Feinverteilung von Strom zuständig. Private Haushalte, kleinere Industriebetriebe, Gewerbe und Verwaltung beziehen hierüber ihren Strom. Die Niederspannung entspricht damit dem „Strom aus der Steckdose“. Umspannwerke beziehungsweise die Ortsnetzstationen und Trafohäuschen bilden die Verbindung zwischen den Spannungsebenen. Sie machen Strom für die jeweilige Spannungsebene „kompatibel“, indem sie die Spannung hoch- beziehungsweise heruntersetzen.

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