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Leipheim/Riedheim

23.10.2017

Was die Bibel groß macht

Aus dieser Bibel, die sonst auf dem Altar in der Kirche St. Veith in Leipheim liegt, wird zwischen dem 24. und 31. Oktober vorgelesen. Die beiden Initiatoren, Pfarrer Gerhard Oßwald (links) und Pfarrer Johannes Rauch freuen sich auf 300 Freiwillige, die jeweils 30 Minuten lesen. Noch sind nicht alle Termine besetzt.
Bild: Sandra Kraus

Eine Woche lang wird fast rund um die Uhr in den Kirchen in Leipheim und Riedheim aus dem Buch der Bücher vorgelesen. Und jeder kann aktiv mitwirken.

Was ist an der Bibel so besonders?

Gerhard Oßwald (evangelischer Pfarrer): Die Bibel ist von Menschen unter Mitwirkung des Heiligen Geists geschrieben worden. Das Alte Testament in Hebräisch, das Neue Testament in Griechisch. Sie ist ein Zeugnis vom Wort Gottes. Jesus der Mensch geworden ist, ist das Wort. Ein großer Unterschied zum Koran, der heiligen Schrift des Islams. Dort ist der Urkoran im Himmel bei Allah und der Engel Gabriel hat in den Jahren 610 bis 632 dem Prophet Mohammed diese himmlischen Wort Abschnitt für Abschnitt gesagt. Johannes Rauch (katholischer Pfarrer): Die Bibel ist Gottes Wort in Menschenwort. Gott möchte verstanden werden. Und tatsächlich wurde die Bibel zum meistübersetzten Buch.

Und für welche Bibelübersetzung haben sie sich zum Lese-Marathon entschieden?

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Oßwald: Die Lutherbibel 2017 wird vorgelesen werden in den 30-minütigen Abschnitten, für die sich die Vorleser beim evangelischen Pfarramt telefonisch oder per Mail anmelden können. Diese Bibel ist auch der maßgebliche Bibeltext der evangelischen Kirche in Deutschland. Rauch: „Natürlich gehört im Reformationsjahr die Lutherbibel zum Lesemarathon. Sonst hält sich die katholische Kirche in der Liturgie weiterhin an die 1980 erstellte und jetzt überarbeitete Einheitsübersetzung, die einheitlich in den deutschsprachigen Bistümern verwendet wird. Evangelische Theologen haben damals mitgewirkt.

Im Lutherjahr gibt es viele Veranstaltungen. Wie kam es, dass es einen ersten Leipheimer Bibel-Lese-Marathon gibt?

Oßwald: Weil das Übersetzen der Bibel durch Martin Luther in alltägliches Deutsch, das Hans und Lene verstehen konnten, sein größter Verdienst ist. Die deutschen Worte und die Möglichkeit ihrer Verbreitung durch den Buchdruck führten gleichzeitig die hochdeutsche Sprache ein. Unsere Werte und unsere Kunst sind seit Jahrhunderten von der Bibel so geprägt, dass sie aus dem Regal raus und gelesen werden muss. Gleichzeitig verbindet die Bibel unsere beiden Konfessionen, denn leider ist mit Luther auch die Kirchenspaltung verbunden. Mit dem Lese-Marathon machen wir die Bibel groß und ehren gleichzeitig Luther. Rauch: Vorlesen hat etwas von Lautmachen, ein Sprachrohr für eine Sache sein. Gleichzeitig hat der Bibel-Lese-Marathon auch die Facette von „sich ansprechen lassen“, wenn ich zu ganz ungewohnten Zeiten in der Kirche sitze, zuhöre und plötzlich trifft es mich, dieses eine Wort, das mich entzündet. Vielleicht frühmorgens um fünf Uhr vor der Arbeit oder gegen Mitternacht.

Wie ist das Vorlesen organisiert?

Rauch: „Die Erfahrung zeigt, dass man rund 155 Stunden zum Vorlesen braucht. Jeder der vorlesen kann, ist eingeladen einen oder mehrere der 30 Minuten Abschnitte zu übernehmen. In der Pauluskirche, dem Riedheimer Gemeindehaus und der Veitskirche ist immer jemand da und der Vorleser kann sich auch gerne hinsetzen, hat ein Glas Wasser und eine Leselampe. Es geht nicht darum der beste Vorleser zu sein. Oßwald: Die Vorleser scheinen es mit der zögerlichen Anmeldung spannend machen zu wollen, aber es wäre besser für unsere Nerven, wenn sie sich schon bald für ihre Wunschzeit anmelden. Offen bleibt bis zum Schluss, ob wir tatsächlich auch fertig werden mit der Bibel, wenn am Reformationstag um 10 Uhr der Gottesdienst stattfindet.

Haben Sie eine Bibel-Lieblingsstelle?

Rauch: Ja, mein Primiz-Spruch aus dem Buch Jesaja (43,1). Da geht es darum sich nicht zu fürchten, da Gott einen beim Namen gerufen hat und man ihm gehört. Denn es gibt im Leben schon manches, das einen erschreckt, mich dann aber mit dieser Gewissheit im Rücken doch nicht untergehen lässt. Oßwald: „Da gibt es mehrere. Aus dem Johannesevangelium (7,17), wo Jesus sagt, dass man es merken werde, ob es Wahrheit ist oder dummes Zeug, wenn man die Worte Gottes höre und danach handle. Oder aus dem Lukasevangelium (16,26), wo Jesus die Frage aufwirft, was dem Menschen der ganze Reichtum und Erfolg nutze, wenn die Seele daran Schaden nehme. Interview: Sandra Kraus

Teilnahme Wer mitmachen möchte, ruft die Homepage www.evangelisch-in-leipheim.de/bibel-lese-marathon auf oder wählt die Nummer 08221/7675. Der Start ist am Dienstag um 18 Uhr in der Leipheimer Pauluskirche. Am Reformationstag kommt mit dem Festgottesdienst in St. Veit das Ende der Lesung.

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