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Landkreis Günzburg

23.04.2019

Was ein Burgauer Jäger alles erlebt hat

Jürgen Heinrich hat 20 Jahre als Nachsuchenführer nach verletztem Wild gesucht. Jetzt hat der 82-Jährige über seine Erlebnisse ein Buch geschrieben.
Bild: Peter Wieser

Jürgen Heinrich berichtet in einem Buch über seine Erlebnisse beim Auffinden von verletztem Wild. Er übt dabei auch Kritik.

Was bedeutet Nachsuche? Jürgen Heinrich erklärt: „Die Nachsuche ist das Auffinden von allem Wild, das zu Schaden gekommen ist.“ Der Burgauer ist seit mehr als 45 Jahren Jäger und war mehr als 20 Jahre Nachsuchenführer. Jetzt, mit 82 Jahren, hat er ein Buch darüber geschrieben, wie er den Zugang dazu fand und was er dabei erlebt hat. „Erstens kommt es anders, zweitens als der Jäger denkt“, so lautet der Titel.

Warum schreibt man mit 82 Jahren ein Buch und gerade über das Aufsuchen von verletztem Wild? Nachdem er vor einem Jahr „Biene“, seine steirische Rauhaarbrackenhündin, verloren hat, habe er Geschichten aus seinen mehr als 850 Einsätzen niedergeschrieben, erzählt Jürgen Heinrich. Erlebnisse aus einem der schönsten, aber auch einem der beschwerlichsten Bereiche der Jägerei, wie er sagt. Gleichzeitig wolle er die Jägerschaft ansprechen, verantwortungsvoll zu handeln, fügt der Autor hinzu. Der Jäger müsse sich stets im Klaren sein, dass bei der Jagd jemand zu Schaden kommen könne, sei es der Hund, ein Verkehrsteilnehmer oder das Wild, wenn dieses unerwartet die Straße kreuze. Mitte der 80er-Jahre habe das Schwarzwild in der Region enorm zugenommen.

Mehr Wildunfälle

Gleichzeitig sei die Zahl der Wildunfälle angestiegen. Auch das beschreibt Jürgen Heinrich in seinem Buch. Was ihm jedoch nicht gefalle, sei, wenn berichtet werde, dass am Fahrzeug Totalschaden entstanden und das Reh mit dem Schrecken davongekommen sei. „Ist es nicht“, stellt der Burgauer klar. „Es hat etwas abbekommen, ist ins Dickicht geflüchtet und leidet.“ Lag das Wild nicht direkt neben dem Fahrzeug, kam Jürgen Heinrich zum Einsatz, um es aufzufinden – ehrenamtlich und in einem Gebiet, das von Augsburg über Memmingen bis Ulm reichte. Man habe ihn gekannt, zu Tages- und Nachtzeiten seien die Anrufe von den Forstämtern oder den Jagdpächtern gekommen. Hinzu komme: „Die Sauen fühlten sich wohl und wurden immer gescheiter“, bemerkt Jürgen Heinrich. Die Hegeschaft sei mit ihnen anfangs nicht klargekommen. Fehlende Erfahrung mit Schwarzwild habe vermehrt zu Krankschüssen beigetragen. Auch dieses Wild galt es zu finden, bevor es möglicherweise qualvoll verendete.

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In seinen Geschichten erzählt Heinrich nicht nur von stunden-, oft kilometerlangen Suchen, die nicht selten an der Grenze zu einem anderen Jagdrevier erfolglos endeten. Er übt auch Kritik: am Unverständnis, wenn nach mangelnder Treffsicherheit das Wild nicht aufgefunden werden konnte, bis zur oft fehlenden Bereitschaft, nach einem Wildunfall eine sofortige Nachsuche zu veranlassen.

Eine Nachsuche ist nicht kalkulierbar

Wie wird man eigentlich Nachsuchenführer? Auch das wird erklärt. Jürgen Heinrich lacht: „Man muss den Willen und den Hund dazu haben, aber auch bereit dazu sein, sich das anzutun.“ Eine Nachsuche sei nicht kalkulierbar, man wisse nie, was einen erwarte.

Auf 124 Seiten will Jürgen Heinrich mit seinem Buch vor allem die Jungjäger ansprechen, die auf einer Erfahrungssuche sind und von denen sich der eine oder andere ebenfalls für die Nachsuche begeistern könnte. Aber auch alle interessierten anderen Jäger sind die Zielgruppe. Das Buch ist im Eigenverlag erschienen und erhältlich bei der Buchhandlung Pfob in Burgau zum Preis von 19,95 Euro.

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