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Leipheim

26.02.2018

Wenn Schüler plötzlich selbst zu Lehrern werden

Die siebenjährige Leonita (rechts) und ihr Klassenkamerad Maik, 7, lesen konzentriert vor. Ihr „Lehrer“ aus der fünften Klasse, Ricardo, 11, hört aufmerksam zu und verbessert die Jüngeren, falls nötig.
Bild: Maria Gruber

An der Grund- und Mittelschule in Leipheim lernt Paula Print ein besonderes Lese-Projekt kennen.

Die Zeitungsente Paula Print ist heute in der Grund- und Mittelschule Leipheim unterwegs. Sie watschelt gut gelaunt durch die Gänge der Schule und trifft sich mit der Schulleiterin Stefanie Schmid. „Ich habe gehört, dass es hier ein tolles Projekt gibt“, sagt die Zeitungsente. „Genau. Hier bei uns helfen Schüler aus der fünften Klasse kleineren Schülern aus der zweiten Klasse beim Lesen. Das Projekt nennt sich „Kinder helfen Kindern“, erklärt Stefanie Schmid. „Wie läuft das genau ab?“, will Paula wissen. „Du kannst es dir gleich selbst ansehen“, lädt Schulleiterin Stefanie Schmid die Zeitungsente ein.

Gemeinsam laufen sie zum Klassenzimmer der 2a. Drinnen warten schon 20 Schüler geduldig auf ihre „Lehrer“ aus der fünften Klasse. Als diese kurze Zeit später eintreffen, beobachtet Paula aufmerksam, wie Lehrerin Angelika Thome, die Klassenlehrerin der 2a, jedem Fünftklässler entweder einen oder zwei Schützlinge zuweist. Heute lesen die Kinder etwas von den Olchis. Brav verteilen sich die Grüppchen draußen im Gang und an den Treppen im Schulhaus und beginnen zu lesen. „Wie helfen die älteren Schüler den jüngeren denn genau?“, will Paula von Rektorin Stefanie Schmid wissen. „Alle haben etwas davon. Die Älteren korrigieren die Kleinen beim Lesen. Aber auch die Fünftklässler verbessern ihre Fähigkeiten“, erklärt die Schulleiterin.

Schüler korrigieren sich gegenseitig

Paula schaut sich um und sieht, dass zwei Gruppen Tablet-PCs bekommen haben anstatt Bücher, wie die anderen Kinder. Die Klassenlehrerin Angelika Thome geht mit der Zeitungsente zu einer Gruppe und stellt sich daneben. „Das sind Kinder, die Deutsch als zweite Fremdsprache haben. Sie können unsere Sprache noch nicht so gut und lernen durch eine App die richtige Aussprache und korrigieren sich gegenseitig“, erklärt Angelika Thome. Ein Schüler spricht gerade nach, was die Stimme aus dem Tablet vorgesagt hat: „Der Dienstag. Dienstag ist mein Lieblingstag in der Schule.“ Paula watschelt weiter durch die Gänge und beobachtet die Gruppen. „Die Augen der Kinder funkeln ja richtig, alle scheinen Spaß zu haben“, meint sie. Rektorin Stefanie Schmid bestätigt ihren Eindruck. „Die Fünftklässler sind stolz darauf, anderen etwas beizubringen und es stärkt ihr Selbstbewusstsein. Alle nehmen die Verantwortung, die sie haben, ernst“, lobt die Schulleiterin. Außerdem würden die Großen auch auf ihre eigenen Fehler aufmerksam gemacht. „Das nennt sich lernen durch lehren“, erklärt die Rektorin. Die Zeitungsente entdeckt eine Dreiergruppe: Maik, sieben Jahre alt, und Leonita, ebenfalls sieben Jahre alt, werden von Ricardo, er ist elf Jahre alt, betreut. Paula setzt sich neben Riccardo, schaut in sein Blatt und liest mit.

Leonita und Maik haben beide schon eine Textstelle aus den Olchis vorgelesen. Jetzt darf Ricardo den beiden Jüngeren einen etwas schwereren Text vorlesen. Als auch diese Aufgabe erledigt ist, stellt Ricardo seinen Schützlingen Fragen zum Text. „So wird das Textverständnis aller Schüler verbessert“, erklärt Patricia Kramer, die Klassenlehrerin der fünften Klasse, der Zeitungsente. Plötzlich ertönt Musik. Paula erschrickt und fragt verdutzt: „Was ist denn jetzt los?“. Schulleiterin Stefanie Schmid kann sie beruhigen. „Das ist die Aufräummelodie. Jetzt gibt es noch eine Lobrunde“, klärt sie Paula auf. Alle Kinder gehen schnurstracks wieder zurück ins Klassenzimmer. Der siebenjährige Maik ist so nett und nimmt Paula auf seinen Schoß, damit sie sich die Lobrunde aus nächster Nähe anhören kann. Es gibt zuerst ein großes Lob von den Lehrerinnen an alle Schüler, dass es wieder einmal so gut geklappt hat und alle toll mitgemacht haben. Dann gibt es eine kleine Neuerung. Normalerweise fangen die Älteren mit dem Lob an, aber heute sind die Zweitklässler dran. Alle sind sehr zufrieden mit ihren „Lehrern“.

Viel Lob für die jüngeren Schüler

Und auch Leonita und Maik sprechen ihrem Lehrer Ricardo ein Lob aus: „Das hast du gut gemacht“, sind sie sich einig. „Feedback ist sehr wichtig und wirksam für das Lernen“, fügt Schulleiterin Stefanie Schmid hinzu. „Die Schüler freut es bestimmt, wenn sie von ihren Schützlingen hören, dass sie es gut gemacht haben“, vermutet Paula. Stefanie Schmid nickt zustimmend. Die Rektorin beobachte, dass die Kinder untereinander eine persönliche Beziehung zueinander aufbauen und sich wirklich umeinander kümmern.

Am Ende haben die Klassenlehrerinnen Angelika Thome und Patricia Kramer noch Neuigkeiten für die Schüler. Sie wollen für das nächste Mal ein Märchenprojekt starten. Außerdem gehen die Gruppen nächste Woche gemeinsam in die Schulbücherei. Einige Schüler bekommen das allerdings nicht mehr mit, denn sie sind so begeistert von Paula Print, dass sie in der Klasse herumgeht, damit jeder sie einmal anfassen kann. Die Zeitungsente stört das nicht und genießt die Aufmerksamkeit sichtlich. „Quack! Ich komme auf jeden Fall wieder“, denkt sie sich.

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