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Schnuttenbach

02.11.2018

Wenn beim Pilot und der Stewardess gebohnert wird

Keine vergnüglichen Stunden für Pilot Marcel und Stewardess Natalie, sondern vielmehr für das Publikum: Premiere in Schnuttenbach.
Bild: Peter Wieser

Beim neuen Theaterstück der Heubodenbühne Schnuttenbach gab es eine besondere Premiere.

Wo gibt es denn so etwas? Da werden die Fluggäste vom Flugkapitän und seiner Stewardess gleich mit Sekt begrüßt. Auf diese Art erhebt man sich eben nur in Schnuttenbach in die Lüfte. Der Flughafen ist die Heubodenbühne und die Passagiere sind das Publikum. Damit dieses bei der Theaterpremiere am Mittwoch auf den Flug auch richtig vorbereitet gewesen ist, hat das Bodenpersonal sogar mit einem Buffet vorgesorgt. Und dass die Zeit vom Einchecken bis zum Abflug nicht zu lange dauerte, das ist Sache der Band Tonjagd gewesen. Also sozusagen ein Flug erster Klasse bei „Der Teufel liest auch Kleinanzeigen“, einer Komödie in drei Akten von Bernd Spehling.

Doch zurück zu Lufthansa-Pilot Marcel Freiherr von Hohenstein (Erwin Seibold) und seiner reizenden Stewardess Natalie (Sarah Krupka). Weil die Fluglotsen streiken, sind die beiden nicht im Flieger nach Mallorca, sondern geradewegs zu ihm nach Hause unterwegs, um sich die Zeit zu versüßen. Seine Frau, Gracia Freifrau von Hohenstein (Petra Hänsch), verweilt ohnehin gerade woanders. Doch die Turbulenzen sind mit Nachbar Alfons (Max Schmid) und seinen stets missverständlich formulierten Kleinanzeigen geradezu vorprogrammiert.

Als er einmal seine Kaninchen verkaufen wollte, soll ein ganzer Swinger-Club aus Augsburg vor seiner Tür gestanden haben. Dieses Mal sucht er „Gleichgesinnte zum gemeinsamen Bohnern“, weil er mit seinem neuen Bohnergerät einfach nicht zurechtkommt. Da ihm aber seine Frau Charlotte (Sabrina Mayer) das Annoncieren verboten hat, hat er kurzerhand die Adresse von Marcel angegeben. Kurzum: Anstatt mit Natalie schöne, romantische Stunden zu erleben, klingelt eine dubiose Gestalt nach der anderen an Marcels Haustür.

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Elf Darsteller und spontane Dialoge

Magnus Hintermoser (Gottfried Süß), größter Großbauer im gesamten Bereich Donau-, Iller-, Kammeltal und Hafenhofen, der seinen Kuhstall ausgebohnert haben will, findet sich im Schlafzimmer wieder und Beate Schnarkenheimer (Tanja Dischinger) will einen Bohnerroboter namens CX 300 S von der Firma Hinterberg und Feigenhorst an den Mann bringen.

„Harri Eins“ (Florian Lehle), noch ein echter Handwerker, repariert drauf los, dass sämtliche Lichter ausgehen. Klaus Bernhard (Tobi Hartmann), im rot-rosa Hemd und knallengster Hose und genannt „der Klaus Bärbel“, hat vom Bohnern eine ganz andere Vorstellung. Zuviel für Putzfrau Pauline (Jessi Kaps), bei der die Informationen das Stammhirn immer etwas spärlich erreichen. Sie macht sich eher Gedanken, wo der Bartl eigentlich seinen Most holt. Als Pilotengattin Gracia unerwartet nach Hause kommt und auch noch eine „weiß eingewickelte Frau“ vorfindet, nämlich Agathe, dritte Schwester des Mahatma-Ordens zur inneren Reinigung (Katha Mayr), und die offensichtlich ebenfalls mitbohnern will, muss der völlig überforderte Marcel eine Erklärung finden.

Mit gleich elf Darstellern, die nicht an munteren, spontanen Dialogen sparen, wartet die Heubodenbühne dabei auf. An das „Hohe Deutsch“ – in Freiherren- und Freifrauenkreisen oder bei der Lufthansa spricht man ja schließlich auch kein Schwäbisch – hat man sich schnell gewöhnt. Und das kollektive „Jaaaah“ des Publikums ist eine klare Antwort auf die Frage von Regisseur Otto Schmid, ob das Stück denn gefallen hat. Für die Maske sind Felicitas Schmid, Olga Majewski und Franziska Neumann zuständig, für die Technik Volkmar Kirchhoff, und Andrea Vogg ist die Souffleuse. Nur eines ist schade für spontane Besucher: Alle sieben weiteren Vorstellungen sind ausverkauft. Dafür werden die Darsteller im Herbst 2019 mit dem gleichen Stück erneut auf der Bühne stehen. Die Termine werden noch bekanntgegeben – dann, wenn „der Teufel mal wieder Kleinanzeigen liest“.

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