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Corona-Krise

08.07.2020

Wie viel Geld fehlt der Stadt Ichenhausen am Ende des Jahres?

Die Stadt Ichenhausen wird coronabedingt am Ende des Jahres deutlich weniger Geld in der Kasse haben als in den Jahren zuvor.
Bild: Andreas Brücken

Plus Noch steht Ichenhausen finanziell gut da. Der Kämmerer sieht keinen Anlass, alles herunterzufahren. Wo er Einbußen fürchtet und was er dem Stadtrat ans Herz legt.

Konkrete Zahlen kann Ichenhausens Stadtkämmerer Michael Fritz frühestens im September nennen. Eines weiß er jedoch jetzt schon sicher: Die städtischen Finanzen werden sich aufgrund der Corona-Krise deutlich nach unten bewegen. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats gab er einen vagen Ausblick auf Ichenhausens Zukunft. Die Kommune stehe derzeit noch ganz gut da, sie müsse nicht mit einem Nachtragshaushalt nachsteuern. Er wolle nicht schwarzmalen und auch die Krise nicht zum Anlass nehmen, alles herunterzufahren, aber: „Wir müssen jetzt handeln wie eine Familie, die unerwartet Nachwuchs bekommen hat. Das heißt, wir müssen schauen, wo wir sparen können und uns auf die Pflicht konzentrieren.“

Dass der Einbruch der Wirtschaft bundesweit infolge von Corona massiv sein wird, ist allen längst bewusst. Doch wie wirkt es sich auf Ichenhausen aus? Wie viel Geld fehlt der Kommune am Ende des Jahres? So weit könne er (noch) nicht vorausschauen, betonte der Kämmerer. Keiner wisse, wie lange die Pandemie andauere, ob eine zweite Welle folge. Frühestens im Herbst sei ein Trend erkennbar, dann müssten auch die Steuern geschätzt werden. „Dann werden wir sehen, wohin die Reise geht.“

Kämmerer Michael Fritz: Krise trifft Ichenhausen 2021 noch härter

Er rechne damit, dass vor allem das kommende Jahr 2021 die Gemeinde hart treffen wird. Den größten Einfluss habe Corona natürlich im Bereich der Einnahmen. Eigentlich sollte die Stadt jeden Monat eine Million Euro einnehmen, um die laufenden Ausgaben zu decken.

Und Ausgaben stehen in nächster Zeit genügend an. Eingeplant sind im Doppelhaushalt 2019/20 Investitionen in Höhe von knapp 19 Millionen Euro, im Investitionsplan bis 2022 ist gar die Rede von 33 Millionen Euro. Die größte Einzelinvestition ist am Feuerwehrgerätehaus vorgesehen. Drei Millionen Euro sollen in den Neubau einer Fahrzeughalle, den Umbau des bestehenden Gebäudes und der Außenanlagen fließen. Die Planungen dafür laufen laut Fritz schon, ob heuer noch der Spatenstich erfolgen könne, kann der Kämmerer nicht sagen.

Ichenhausen investiert trotz Corona sechs Millionen Euro in Kindertagesstätten

Sechs Millionen Euro sollen in die Kindertagesstätten fließen, mehr als eineinhalb Millionen Euro soll in ein Dorfgemeinschaftshaus in Oxenbronn gesteckt werden. Hinzu kommen noch viele Maßnahmen im Bereich Kanalsanierung und Straßenausbau. Gerade bei Letzterem gab der Kämmerer zu bedenken, dass die Stadt keine Straßenausbaubeiträge mehr erheben könne und sich der finanzielle Anteil der Kommune damit deutlich erhöhe.

Wie soll all das überhaupt finanziert werden? Fritz wusste die Räte damit zu beruhigen, dass die Stadt neben 13 Millionen an Investitionszuschüssen des Freistaats noch mit Rücklagen planen kann. „Wir verfügen zum Glück über gute Rücklagen“, so der Kämmerer. Eingeplant sei auch eine Kreditaufnahme in Höhe von über zwei Millionen Euro.

Ichenhausen muss mit Einbrüchen bei der Gewerbesteuer rechnen

Bei den Einnahmen muss die Kommune künftig deutliche Abstriche machen. Landesweit wird mit einem Rückgang der Gewerbesteuer von 20 Prozent gerechnet. Von einer solch hohen Zahl geht Kämmerer Fritz für Ichenhausen nicht aus. „Wir werden einen gewissen Einbruch haben, aber nicht mehr als 400000 bis 500000 Euro.“ In den vergangenen Jahren hat die Stadt Ichenhausen am Ende des Jahres konstant über vier Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen zu Buche stehen gehabt. Diese Zahlen werde man bei Weitem nicht mehr erreichen, für 2021 wird die Prognose noch schwieriger.

Bei der Einkommenssteuerbeteiligung „wird es uns auch schwer treffen“, glaubt Fritz und kalkuliert mit Einbußen um die acht Prozent, was am Ende 700000 Euro weniger bedeuten könnte. Diese Zahlen seien aber mit Vorsicht zu genießen, für verlässliche Aussagen sei es einfach noch zu früh.

Bürgermeister Robert Strobel: Ein "Weiter so" gibt es für Ichenhausen nicht

Zum Glück gibt es ja auch noch das zweite Steuerhilfspaket, das zum 1. Juli in Kraft getreten ist. Die Kompensation der Gewerbesteuerausfälle teilen sich Bund und Land. Was konkret für die einzelnen Kommunen abfällt, weiß keiner. „Wir nehmen, was wir kriegen“, sagte Fritz.

Am Ende gab er den Räten mit auf den Weg, nicht in Depression zu versinken und radikal sämtliche Projekte sterben zu lassen. „Wichtig ist, ausgewogen zu handeln. Was kann man einsparen, was verschieben, da ist Luft drin – ohne die freiwilligen Aufgaben unter den Tisch fallen zu lassen.“

Kein Grund zum Schwarzmalen sah auch Bürgermeister Robert Strobel. Allerdings sollte allen bewusst sein: „Ein ’Weiter so’ wie in den vergangenen Jahren wird es nicht mehr geben.“ Die Tendenz gehe klar nach unten. Wirtschaftlich sei bisher noch nicht so viel passiert, fügte Artur Kehrle, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, hinzu. Er fürchtet allerdings, dass 2021 „viel dramatischer“ wird. „Wir müssen nächstes Jahr genauer hinschauen.“

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