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Vöhringen

07.05.2009

Brennpunkt Krematorium: Proteste gegen Neubau

In Vöhringen sind viele Bürger sauer. Sie fühlen sich von dem Bau eines Krematoriums überrumpelt. Von Luzia Riedhammer

Von Luzia Riedhammer

Vöhringen - Dr. Otto Mühlhäuser hatte einen Zirkus auf dem Nachbargrundstück seines Elternhauses erwartet, als er vorgestern aus Hamburg in seine Geburtsstadt Vöhringen gekommen ist. Doch Zelte haben die Männer nicht aufgebaut, die dort rumwerkelten. Sie haben eine Fläche abgesteckt. "Das ist für ein Krematorium", sagten sie zögerlich.

Mühlhäuser und viele andere Anwohner waren erst überrumpelt - und sind jetzt sauer. Vor allem auf die Stadt Vöhringen.

Gerüchte geisterten seit Tagen durch die Stadt. Jetzt ist es offiziell: Die Krematorium Vöhringen GmbH & Ko. KG will die Anlage im Januar 2010 eröffnen. Und die Anwohner, rund 20 Vöhringer, hatten bis Mittwochabend keine Ahnung. Denn ein öffentliches Prozedere hat das Vorhaben nicht durchlaufen.

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Durch ein so genanntes Genehmigungsfreistellungsverfahren war es dem Betreiber möglich, das Okay zu bekommen, ohne dass die Pläne den Stadtrat passieren mussten.

Das Landratsamt kennt die Pläne und hat auch keine Bedenken, was die Emissionen angeht. Rechtlich, sagt Peter Schmid, Leiter des Vöhringer Bauamts, sei das Vorgehen vollkommen in Ordnung. Die Stadt hätte gar keine andere Möglichkeit gehabt: Schließlich erfülle der Bau alle Vorschriften des Bebauungsplans - in diesem Fall müsse die Stadt das Verfahren sogar anwenden. Ein Krematorium verstoße laut Schmid auch nicht gegen die Nutzungsvorschriften im Gewerbegebiet am Schleifweg. Es seien dort "Anlagen für kirchliche/kulturelle/soziale Zwecke" erlaubt. Zudem sei es ein "nicht unattraktives" Gebäude, das eingegrünt werde.

Ähnlich sieht es das Landratsamt. Mit einem gravierenden Unterschied: Laut Thomas Lutter, Sachbearbeiter in der Bauabteilung, muss eine Kommune Bauvorhaben nicht von der Genehmigung freistellen - sie "kann". Die Anwohner jedenfalls fühlen sich hintergangen. Nicht einmal eine Unterschrift hat Andrea Mühlhäuser geleistet. Der Hamburgerin gehört das Haus ihres Vaters, sie ist damit direkte Anliegerin. Ihre Sorge: "Mein Grundstück ist jetzt nichts mehr wert." Dazu komme die psychische Belastung: die Anfahrt der Leichen, der Qualm. Stefan Heiß hat sich im Internet informiert - und fürchtet um seine Gesundheit, Angela Ihles Hotelgäste werden womöglich bald auf das Krematorium blicken. Die Anwohner überlegen, eine Bürgerinitiative zu gründen. Bürgermeister Janson war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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