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Illertissen

20.05.2019

Das Kolleg der Schulbrüder hat doppelt Grund zu feiern

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Den Gottesdienst gestalteten Pfarrer Michael Kammerlander, Pfarrer Paul Igbo aus Nigeria, Pfarrer Thomas Kleinle aus Altenstadt und Pater Christian Hamberger vom Kloster Roggenburg, der als Schulseelsorger am Kolleg tätig ist.

Mit einem Gottesdienst gedenken Schüler und Lehrer des Illertisser Gymnasiums des 300. Todestags des Ordensgründers. Die Schulbrüder sind außerdem seit 100 Jahren im Illertal tätig

Wenn ein Festgottesdienst nahezu zwei Stunden dauert und hunderte von Mitfeiernden dabei noch Beifall klatschen, dann muss etwas Besonderes passiert sein: So war es am Sonntagabend, als in der Kirche des Kollegs der Schulbrüder das Stifterfest zum Gedenken an Johannes von La Salle, den Ordensstifter der Schulbrüder, feierlich begangen wurde.

Johannes von La Salle reformierte das Unterrichtswesen radikal

Selten wird man eine Gemeinde erleben, die so begeistert beim Gottesdienst mitgeht, wie dies hier der Fall war. Und das nicht, weil viel geboten war, sondern weil Zelebranten, Prediger und alle Mitwirkenden die Versammelten von Anfang bis Ende in Feststimmung versetzten. Ein Doppeljubiläum prägte die Feier: Vor 300 Jahren starb Johannes von La Salle, nachdem er nicht nur den Orden „Brüder der Christlichen Schulen“ gegründet, sondern damit auch das Unterrichtswesen radikal reformiert hatte. Weg vom Einzelunterricht für junge Adelige, hin zum Klassenunterricht für alle Volksschichten, und das in der Muttersprache der Schulkinder – heute eine Selbstverständlichkeit, damals eine Revolution. Dass der Todestag gleichzeitig den „Geburtstag für den Himmel“ bedeutet, erklärte Schulseelsorger Pater Christian Hamberger einleitend. Dazu kam das Gedenken an 100 Jahre Schulbrüder im Illertal, weil anno 1919 die ersten Brüder in Dietenheim ihre segensreiche Tätigkeit begonnen hatten.

Ein Prediger reiste extra aus Nigeria an

Als Hauptzelebrant war Pfarrer Paul Igbo aus Nigeria gekommen. Ihm assistierten neben Pater Christian Hamberger auch Pfarrer Thomas Kleinle als Vertreter der Heimatgemeinden der Schulfamilie sowie Pfarrer Michael Kammerlander, der ebenso wie Pfarrer im Ruhestand Reinhard Deininger die ehemaligen Schüler vertrat, die nach dem Abitur am Kolleg den geistlichen Beruf erwählt hatten.

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In seiner Predigt erzählte Pfarrer Paul Igbo, wie er in seiner afrikanischen Heimat in einer Schule des von Johannes von La Salle gestifteten Ordens seinen Abschluss gemacht hatte. Die Schulbrüder verzichteten dort, wie auch überall sonst, auf körperliche Strafen und arbeiten stattdessen mit Belohnungen, seien es Süßigkeiten oder auch Spiele und Filme. Dazu versicherte Pfarrer Igbo, dass bei ihm zuhause „ohne die Schulbrüder niemand zur Schule hätte gehen können“, weil sich arme Leute keine andere Schulen leisten konnte. Er aber, so der Prediger, habe unter ärmsten Umständen das „La Salle College“ absolvieren dürfen, obwohl er aus einer kinderreichen Familie stammte. Das Prinzip „wer aus Liebe handelt, macht nichts falsch“ sei von den Schulbrüdern stets betont worden, sodass schließlich der La-Salle-Wahlspruch „Herr, es ist Dein Werk“ zur Geltung gekommen sei.

Das alte Stifterlied wurde wieder gesungen

Genau dieses Zitat stand auch eingestickt auf einem Fahnenband, das vor Ende des Gottesdienstes gesegnet und an die vor wenigen Jahren geweihte Kollegsfahne geheftet wurde. Oberstudiendirektor Manfred Schöpplein fand bei dieser feierlichen Handlung Unterstützung durch die beiden Schulbrüder Paul Kaiser aus Wien und Gerard Rummery aus Australien, die zu dem besonderen Anlass nach Illertissen gekommen waren.

Manfred Schöpplein mit seinen Gästen aus dem Ausland.

Manch ehemaliger Schüler freute sich besonders über das nach vielen Jahren wieder aufgefundene „Stifterlied“ mit dem Text „O blicke herab auf uns Pilger der Erde“, das während des Fahnen-Festaktes erstmals wieder solistisch vorgetragen wurde, nachdem es frühere Schülergenerationen stets an diesem besonderen Tag des Stifterfestes gesungen hatten. Mit der von Musiklehrer Klemens Lüpke geleiteten Aufführung der „Missa Africana“, vorgetragen vom Schulchor mit Unterstützung einer Reihe von Männerstimmen aus den Reihen der Väter sowie festlicher Orgelmusik von Felix Wiederer, der den Volksgesang begleitete, fand der Gottesdienst eine festliche Gestaltung.

So hatte Schulleiter Manfred Schöpplein allen Grund zu danken, als er sowohl den Mitwirkenden als auch den Stiftern des Fahnenbandes und des in den Kirchenfarben Weiß-Gold gehaltenen Blumenschmucks seine Anerkennung aussprach. Mit einem Empfang in der Pausenhalle wurde der Festtag beschlossen, und nun leben rund dreihundert Schüler, Eltern und Lehrer in der Vorfreude auf die Schulwallfahrt, die Ende dieses Monats in die Geburtsstadt des Heiligen Johannes von La Salle nach Reims führen wird.

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