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Unterroth

30.11.2017

Der letzte Auftritt im Lindensaal

Auf der Bühne des Lindensaals braut sich etwas zusammen, das zeigen die Proben mit Franz Konrad, Ulrike Poppele, Johannes Ritter, Andrea Jutz (von links) deutlich.
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Auf der Bühne des Lindensaals braut sich etwas zusammen, das zeigen die Proben mit Franz Konrad, Ulrike Poppele, Johannes Ritter, Andrea Jutz (von links) deutlich.

Noch spielt die Unterrother Theatergruppe auf ihrer Stammbühne. Dann ist wohl Schluss – ein Abbruch steht bevor. Die Suche nach einem neuen Ort gestaltet sich schwierig.

Die Unterrother Theatergruppe feiert am Samstag, 16. Dezember, mit der Komödie „Der Diplombauernhof“ Premiere – für Kenner des Ensembles ein ungewohnter Termin. Denn üblicherweise spielt es im Frühjahr. Dieses mal ist einiges anders: Wer die Vorstellungen der Truppe im Lindensaal des Gasthofs Blum schätzt, hat jetzt die letzte Gelegenheit für einen Besuch. Dann wird das alte Haus abgerissen – das Nachfolgegebäude steht schon daneben. Keinen „Nachfolger“ bekommt allerdings der Saal. Daher haben die Unterrother Mimen ihre Saison vorverlegt: Nach geschätzt 35 Spieljahren stehen sie letztmals auf ihrer Stammbühne. Und müssen sich nun nach einem Ersatz umsehen.

Im neuen Landgasthof ist kein Raum vorgesehen, der sich für eine Bühne eignen würde. Die Inhaber wollten sich dazu gestern auf Anfrage nicht äußern. Regisseur Adolf Buchmiller hat jedoch Verständnis für den Bauherrn, der nicht den Theaterspielern zuliebe einen geeigneten Saal bauen könne. Für die Auftritte der Theatergruppe Unterroth habe die Guckkastenbühne ideale Entfaltungsmöglichkeiten gebeten: Gerade groß genug, dass das rund zehn Mitglieder umfassende Ensemble auch hinter den Kulissen agieren kann. Zwei Türen und ein Fenster bieten Gelegenheit für das Auf- und Abtreten.

Keine vergleichbaren Spielmöglichkeiten

Vergleichbare Spielmöglichkeiten habe Unterroth weniger zur Auswahl. Die neue Sporthalle gebe einem großen Publikum Platz, habe aber keine Bühne, bedauert Regisseur Buchmiller. Die Kulissen müssten zudem längere Zeit stehen bleiben, für die Proben und Aufführungen könne nicht jedes Mal auf- und abgebaut werden. Zudem sei ein Vorhang nötig. Ans Auswandern in Nachbarorte denkt Buchmiller nicht: „Wir sind die Theatergruppe Unterroth, umliegende Orte haben ihre eigenen Ensembles. Immerhin ist jetzt ein Jahr Zeit zum Suchen.

Jetzt aber erst noch einmal: „Bühne frei“

Zunächst heißt es aber nochmals „Bühne frei“ im Lindensaal. Der Dreiakter lebt von Wortwitz und gegenseitigen Missverständnissen, sodass Regisseur Adolf Buchmiller bereits nach den ersten Sätzen beim Studieren des Textbuches lachen musste. Er sagt: „Damit war die Auswahl getroffen, zumal die Geschichte nicht ganz aus der Luft gegriffen ist.“ So übt sich die eingespielte Truppe aus langerfahrenen Charakterdarstellern und drei jüngeren Mitspielern im Aneinandervorbeireden, wobei das Unterrother Schwäbisch wieder eine wichtige Rolle spielt. So ahnt das Publikum –natürlich weitaus früher als die auf der Bühne inszenierte Bauernfamilie – dass der Bauer (Adolf Buchmiller) mit seinem heimlichen Plan, eine Biogasanlage zu bauen, nur das Beste im Sinn hat. Als er mit der jungen Architektin (Juliana Hüber) die Lage bespricht, wird er von der Nachbarin (Claudia Sturm) beobachtet. Dass diese daraus ganz andere Schlussfolgerungen zieht, lässt sich denken, es ist vorprogrammiert. Und dabei bleibt es natürlich nicht: Die daraus resultierenden Vermutungen treiben die seltsamsten Blüten: Einen schrulligen Part spielt dabei der Großvater (Franz Konrad), der befürchtet, von der Familie ins Altersheim abgeschoben zu werden, als er entsprechende Prospekte auf dem Tisch entdeckt. Oder die verunsicherte Bäuerin (Ulrike Poppele), weil sie ihren Mann auf Abwegen vermutet. Und dann ist da noch ihr Sohn (Johannes Ritter), der in dem ganzen Wirrwarr unterzugehen scheint und sich nicht einmal traut, seine Freundin (Andrea Jutz) vorzustellen. Der Student fühlt sich von der Familie als der Intellektuelle abgeschrieben, entsprechend der herumliegenden Fachschriften im Elternhaus scheint er für den Hof nicht geeignet. Zu allem Überfluss meldet sich noch der Gemeinderat (Daniel Buchmiller) zu Wort. So viele Missverständnisse am laufenden Band erfordern dichtes Zusammenspiel und die Gabe zu spontanem Ausdruck und schnellem Reagieren. Davon lebt das ganze, an sich handlungsarme Stück.

Doch es wäre nicht das erste Schauspiel dieser Art, welches die Theatergruppe im Lindensaal hautnah und nachvollziehbar zum Besten gibt. Der Zuschauer darf sich auf ein amüsantes Nebeneinander der Protagonisten freuen – es geht zu wie im wirklichen Leben.

Nach der Premiere wird der Dreiakter von Ralf Kaspari noch aufgeführt am Sonntag, 17. Dezember, um 18 Uhr, am Freitag, 22. Dezember, um 19.30 Uhr, am Dienstag, 26. Dezember, um 18 Uhr sowie Donnerstag, 28., und Samstag, 30. Dezember jeweils um 19.30 Uhr.

Kontakt Platzreservierungen im Lindensaal sind möglich unter der Telefonnummer 07343/6761 von Montag bis Freitag jeweils von 12 bis 14 Uhr sowie von 16 bis 19 Uhr.

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