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Buch

08.11.2019

Der steinige Weg zum neuen Kindergarten in Buch

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3 Bilder
Die mehr als 100 Kinder, die bald im „Purzelbaum“ einziehen, können sich auf zwei Spielplätzen austoben. Nicht nur die Räume, auch die Außenanlagen sind großzügig gestaltet.

Plus Der „Purzelbaum“ ist offiziell in Betrieb genommen. Der Bürgermeister ist stolz auf den sechs Millionen Euro teuren Bau, gegen den es an heftigen Widerstand gab.

Der neue Kindergarten „Purzelbaum“ ist ein teures Projekt für Buch, gibt Bürgermeister Roland Biesenberger unumwunden zu. Rund sechs Millionen – statt der vier Millionen, von denen anfänglich die Rede war – hat der Bau inklusive Außen- und Verkehrsanlagen gekostet. Dass die Marktgemeinde sich das überhaupt leisten kann, ist laut Bürgermeister nur dank der guten wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre möglich.

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Ist der neue Kindergarten überdimensioniert?

Dass der Bau neben der Bucher Schule sehr groß geraten ist, ist offensichtlich. „Der „Purzelbaum“ ist in der Tat überdimensioniert“, sagte Biesenberger gegenüber unserer Redaktion, „wenn man ihn mit dem Raumprogramm der Regierung von Schwaben vergleicht.“ Statt normaler Flure gibt es zum Beispiel Spielflure. Das heißt, die Gänge sind so breit, dass die Kinder viel Platz zum Toben und Spielen haben – auch im Winter, wenn sie die beiden großzügig angelegten Spielplätze im Hinterhof nicht nutzen können. Nicht überdimensioniert ist der neue Kindergarten laut Biesenberger allerdings was die Betreuungsplätze angeht. Noch bevor der Kindergarten am Freitag im Rahmen einer Feierstunde offiziell eröffnet wurde, sind alle Plätze belegt. Zwei Krippengruppen, drei Regelgruppen für Kinder ab drei Jahren und eine Integrativgruppe für Kinder mit besonderem Förderbedarf ziehen ab dem 15. November in den Neubau ein. Den Anfang macht die Gruppe, die bislang in Obenhausen untergebracht ist.

Leiterin Martina Unger ist begeistert von den neuen Kindergarten.

Die Leitung des „Purzelbaum“ übernimmt Martina Unger, die bisher die Einrichtung in Obenhausen leitet. Die Erzieherin ist sichtlich begeistert von ihrem neuen Arbeitsplatz: Eigene Therapieräume für die Integrativgruppe, ein kuschliges Entspannungszimmer, ein Atelier und ein abtrennbarer Bewegungsraum. Es gibt viel Platz für alle möglichen Aktivitäten mit den Kindern.

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Warum der Neubau nötig war

So scheint der Purzelbaum doch noch ein Erfolg zu werden. Lange sah es nicht danach aus. Einige Bucher hatten Bedenken bei dem geplanten Neubau und schlossen sich zu einer Bürgerinitiative zusammen. Und auch kurz vor Eröffnung wurde wieder Kritik laut: Die Fassade sei mit giftiger Farbe gestrichen worden.

Bereits 2010 zeichnete sich ab, dass die Bucher Eltern Bedarf für eine Kinderkrippe sehen. In der Absicht dort eine entsprechende Einrichtung zu bauen, kaufte die Gemeinde 2011 das Grundstück, auf dem nun der „Purzelbaum“ steht. Dieser Plan wurde dann wieder verworfen und in den Räumen des bisherigen Kindergartens St. Valentin wurde eine Gruppe für Kleinkinder eingerichtet. Biesenberger sagte dazu: „Die Ideallösung war das aber auch nicht. Das hat sich schnell herausgestellt.“

Gleichzeitig wurden Schwierigkeiten beim Kindergarten in Obenhausen festgestellt: Das dortige, laut Marktgemeinde 1848 erbaute Gebäude darf eigentlich nicht mehr als Kindergarten genutzt werden. Das alte Haus erfüllt die modernen Brandschutzanforderungen nicht. Eine entsprechende Sanierung sei laut Fachplaner nicht möglich. Biesenberger erklärte gegenüber unserer Redaktion, ein Neubau, den Bucher und Obenhauser Kinder gemeinsam nutzen könnten, sei für die Mehrheit des Marktrats dann die logische und wirtschaftlich sinnvollere Lösung gewesen.

Heftige Vorwürfe: Fensterlose Räume und giftige Farbe

Daraufhin formierte sich die Bürgerinitiative, in der auch die Markträte der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) aktiv waren: Manche Bucher befürchteten unter anderem ein zu hohes Verkehrsaufkommen rund um den neuen Kindergarten, der neben der Schule errichtet werden sollte und letztlich auch wurde. Gerade zu den Hol- und Bringzeiten könnte es für die Kinder gefährlich werden, argumentierte die Bürgerinitiative, die sich auch dafür einsetzte, die Kindergärten in den Bucher Ortsteilen zu erhalten, damit die Dörfer weiterhin lebendige Orte bleiben. Auch mit Falschbehauptungen wie die, dass es in einigen Räumen des Kindergartens kein Tageslicht geben soll, sammelte die Initiative Unterschriften. 781 gültige Signaturen waren es am Ende. Ein Jurist stellte fest, dass das Bürgerbegehren unter anderem wegen Widersprüchen und Fehlern bei Fragestellung und Begründung rechtlich gar nicht zulässig sei. Der Marktrat lehnte das Begehren ab, dagegen reichte die Bürgerinitiative eine Klage ein, die sie wieder zurück zog, als deutlich wurde, dass sie kaum Aussicht auf Erfolg hatte.

Die neuen Möbel wurden bereits ersten Tests unterzogen.

Durch das gescheiterte Bürgerbegehren musste das Bauvorhaben ein Jahr lang auf Eis gelegt werden. Das hatte eine Kostensteigerung von rund 15 Prozent zur Folge, sagt Bürgermeister Roland Biesenberger. Das erklärt zumindest einen Teil der Kostenerhöhung um rund zwei Millionen Euro. Teurer wurde der Bau auch deshalb, weil man sich im Planungsprozess noch für manche Verbesserungen, wie beispielsweise die breiteren Flure entschied. Von der Regierung von Schwaben und aus Bundesmitteln fließen rund zwei Millionen Euro als Zuschüsse an die Marktgemeinde.

Kurz vor der Eröffnung, brachte die UWG den Kindergarten erneut in die Kritik. Die Fraktion behauptet, dass das Gebäude mit giftiger, angeblich krebserregender Farbe gestrichen wurde. Verwendet wurde eine Fassadenfarbe, die das Algizid Isoproturon enthält, um zu verhindern, dass die Wand veralgt. Allerdings ist der verwendeten Farbe, die sogar EU-weit zugelassen ist, nur wenig von dem bemängelten Stoff beigemischt, nämlich rund ein Zehntel des gesetzlichen Grenzwertes. Lesen Sie mehr zu den Vorwürfen unter folgendem Link: Giftige Farbe im Kindergarten: Was ein Prüfer dazu sagt

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