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Kommentar

04.04.2021

Die guten Seiten des Verzichts: Das Fazit am Ende einer erlebnisreichen Fastenzeit

Wegen Corona müssen die Menschen derzeit ohnehin schon auf vieles verzichten. Das hat fünf Mitglieder unserer Redaktion nicht davon abgehalten, 40 Tage lang zu fasten.
Foto: Uwe Zucchi, dpa (Symbolbild)

Plus Es ist ein riesiger Unterschied, ob man auf etwas verzichten will oder verzichten muss. Redakteurin Sabrina Karrer sieht dennoch Parallelen. Habt ihr heuer gefastet?

Als meine Kollegen und ich im Februar in einer Telefonschalte überlegt haben, was am Aschermittwoch in der Zeitung stehen soll, da kamen wir zwangsläufig auf die Fastenzeit zu sprechen. Muss Fasten heuer überhaupt sein, wo man wegen Corona ohnehin schon auf so vieles verzichten muss? Sich dann auch noch das Stück Schokolade verbieten, das zumindest ein flüchtiges Glück ist? Ja, haben wir gesagt. Nicht, weil wir uns gerne quälen. Wir wollten uns bei all den Einschränkungen, die zurzeit aufs Gemüt schlagen, auch einmal die guten Seiten des Verzichts ins Gedächtnis rufen. Und hat das geklappt? Hier ein Fazit zu diesem Experiment.

In der Fastenzeit kann man auf ganz verschiedene Dinge verzichten. Unsere Redakteure versuchten es mit Fleisch, Naschereien, Plastik und Social-Media.
Foto: Picture Alliance

Eines ist klar: Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man verzichten will oder verzichten muss. Aber Parallelen gibt es doch. Der Verzicht lehrt, bewusster zu leben. Wer Süßigkeiten 40 Tage lang verschmäht hat, beißt am Ostersonntag umso genüsslicher in den Schokohasen. Mit den Corona-Einschränkungen verhält es sich ähnlich. All die Alltäglichkeiten - sie sind durch die Pandemie besonders geworden. Wer hätte gedacht, dass es einmal geradezu zelebriert wird, einen Sack Blumenerde aus dem Baumarkt zu schleppen? Dass Friseurtermine im Internet für Hunderte Euro ersteigert werden? Oder dass der Biergarten ums Eck zum Sehnsuchtsort wird? Diese neue Wertschätzung von Dingen, die sonst als selbstverständlich galten, ist eine gute Sache, die Bestand haben sollte.

Auch die Corona-Pandemie hat Routinen aufgebrochen

Verzicht hat außerdem den Zweck, Gewohnheiten und Routinen zu hinterfragen. Kommt man zu dem Schluss, dass sie sinnvoll sind, ist das eine schöne Bestätigung. Werden sie aber für schlecht befunden – warum daran festhalten? Ich habe in der Fastenzeit meinen Plastikverbrauch eingeschränkt und will nach Ostermontag gewiss nicht wieder in alte Muster verfallen. Auch die Pandemie hat Routinen aufgebrochen. Vieles wird schmerzlich vermisst, zum Beispiel der Mittwochsstammtisch, das Fußballtraining oder, an diesem langen Wochenende, der traditionelle Osterbrunch mit der ganzen Familie.

Auch hier das Stichwort: Wertschätzung. Es gibt aber auch positive Veränderungen, die erst durch den Verzicht auf das Gewohnte zustande gekommen sind. In vielen Firmen war es zum Beispiel vor Corona nicht möglich, von zu Hause aus zu arbeiten. Nun hat sich gezeigt, dass das Homeoffice Vorteile hat, etwa für Pendler, die sich Zeit in Auto oder Bahn sparen.

40 Tage Fastenzeit sind am Sonntag vorüber – 40 Tage, in denen meine Kollegen und ich uns täglich Herausforderungen gestellt haben. Wir sind stolz, durchgehalten zu haben. Wird sich so ein Gefühl auch einstellen, wenn wir irgendwann einmal auf die Pandemie zurückblicken?

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