1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Die vielen Facetten einer Harfe

Illertissen

28.03.2017

Die vielen Facetten einer Harfe

Harfenist Park Stickney spielte in der Illertisser Schranne.
Bild: Regina Langhans

Park Stickney begeistert weltweit als Jazz-Harfenist. Bei seinem Gastspiel in Illertissen verzaubert er das Publikum, darunter viele junge Fans, mit ungewohnten Tönen.

Harfenspiel kann verzaubern – Park Stickney war dies in der überfüllten Schranne in Illertissen wunderbar gelungen, wobei er auf seinem Instrument ungewohnte Töne neuerer Stilrichtungen anschlug. Ohne Notentext und ohne Programmheft – aber mit pulsierenden, groovenden Klängen zog er das Publikum, darunter viele Harfenschüler, fast drei Stunden lang in seinen Bann. Und spielte am Ende so gefällige wie technisch gereifte Zugaben.

Park Stickney, abwechselnd in New York oder Genf zu Hause, wird nachgesagt, derzeit der weltbeste Harfenist zu sein. Spannung lag somit in der Luft, als der hochgewachsene Künstler sich an die noch größere Konzertharfe setzte und mit dem Jazz-Klassiker „Take five“ von Paul Desmond begann. Zugleich führte er die klangliche Wandlungsfähigkeit des für besinnliche Musik bekannten Instruments vor. Seine Finger turnten dabei akrobatisch über die Saiten. Für tiefe Töne schien der Künstler sein Instrument umarmen zu wollen, um alle Saiten zu erreichen, für die hohen zog er es zu sich heran – allein das Zuschauen war ein Erlebnis. Stickneys Harfe (Salvi Rainbow Electro-Acoustic) hat 47 Saiten, wobei jede für sich mit Mikrofon ausgestattet ist, sowie sieben Pedale entsprechend der Tonarten.

Der Künstler moderierte den Abend in Englisch, warf deutsche Begriffe ein und ging unterhaltsam auf sein Publikum ein. Nach dem anspruchsvollen Jazz-Intro fiel es Stickney nicht schwer, kreativ aus dem Vollen zu schöpfen: er spielte eigene Stücke, Improvisationen oder Anlehnungen an bekannte Nummern wie „Bohemian Rhapsody“ (Freddy Mercury). Ein „nettes Stück“, so die Ansage, nach Henry Purcell ließ Stickney mit typischen Harfenklängen enden. Der Titel „Ear Inn“ nach der verblichenen Lokal-Bezeichnung „Bar – Inn“ (Erik Della Penna), ahmte im Folk irisches Geigenspiel nach.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Dass es auch klassisch geht, zeigte Stickney, indem er in den Tonarten von Beethovens neun Sinfonien das Stück „Beethoven“ schrieb und Originalpassagen einfließen ließ. Eine witzige, selbstgestellte Aufgabe war, den Ziffern von Postleitzahl und Alter einer Zuhörerin entsprechend eine Tonfolge festzulegen und sie mit Elementen einer Scarlatti-Sonate aus der Barockzeit zu verknüpfen. Park Stickney, von dem es heißt, er könne chromatisch frei improvisieren, wiederholte zwei, drei Mal laut die Notenreihe, um sogleich eine fertige Komposition vorzutragen.

Der unkonventionelle Musiker und seine groovende Harfe hatten die Herzen des Publikums erreicht, das mit Applaus nicht sparte – ebenso wenig wie der Künstler mit Zugaben. Als nach „Pink Panther“ (Henry Mancini), „All Blues“ (Miles Davis) und seinem „The Dirty Laundry Rag“ weiter geklatscht wurde, fragte Stickney ungläubig: „Noch eins?“, um dann festzustellen: „The hype is around.“ Zum „Runterkommen“ spielte der Jazz-Harfenist einen Bossa Nova „How insensitive“ (Antonio Carlos Jobim). Anschließend stand er den jungen Fans noch lange Rede und Antwort.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_2126.tif
Illertissen

Am Illertisser Ortseingang steht eine neue Ampel

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket