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Konzert

20.03.2012

Ein beglückender Hörgenuss

Der Liederabend mit Pianist Helmut Deutsch und Bariton Michael Volle bot vollendeten Hörgenuss im Illertisser Kolleg der Schulbrüder.
Bild: ch

Michael Volle und Helmut Deutsch brillieren im vollbesetzten Kolleg

Illertissen Reine Liederabende gehören heute zu den eher selten gewordenen Konzertveranstaltungen. Mit dem Bariton Michael Volle und seinem Partner am Flügel, Helmut Deutsch, gelang dem Freundeskreis Kultur im Schloss die Verpflichtung eines Weltklasse-Duos, das durch markante Interpretationen herausragende Werke der Gattung ins rechte Licht rückte.

Franz Schubert hat keinen Dichter so oft vertont wie Johann Wolfgang von Goethe. Zehn höchst unterschiedliche der insgesamt 57 Lieder nach dem Geheimrat vermittelte Volle mit raumbeherrschendem Organ, vollendeter Artikulation und einer Differenziertheit des Vortrags, die nicht genug gerühmt werden kann. Da gab es kein Einsingen, kein Einstimmen für den Hörer, der unmittelbar mit dem herrischen Fordern des Prometheus konfrontiert wurde.

Immer wieder klangliche Überraschungen

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Ganz anders die Geschichte des Knaben Ganymed, den Zeus’ Adler dem Olymp entgegenführt. Dann der wilde Galopp des Titanengottes Kronos und als Gegensatz dazu „Der Fischer“ mit der ruhigen Melodie einer Strophenballade. Mit immer wieder neuen klanglichen Überraschungen deutete Volle die Texte aus, ganz überzeugend natürlich im gewaltigen „Erlkönig“, hier gleichzeitig als Erzähler, Vater, Erlkönig und Kind. Auch Lieder aus dem Alterswerk des „West-östlichen Divan“ hat Schubert vertont, besonders einfühlsam „Geheimes“. Und Volle nahm die große Bühnenstimme zurück zu eindringlich zeichnendem Falsett.

Der zweite Teil des Abends war Balladen von Carl Loewe gewidmet. „Prinz Eugen der edle Ritter“ erklang dabei wie Ungewitter Nach Graf Eberstein und dem gefangenen Admiral stand auch „Die Uhr“ im Programm, die früher allzu viel gesungen, doch etwas Staub angesetzt hat. Umso frischer blühte die Lotosblume auf. Als Höhepunkt dreier Goethegesänge präsentierte Volle den Loeweschen „Erlkönig“ in großartiger Deutung des Kolorits gemeinsam mit dem Pianisten. In eine Geschichte von Eifersucht und Mord („Der Woywode“) stürzten sich die Interpreten, bis „Odins Meeresritt“ zu einem Höhepunkt des Balladengesangs wurde, mit greifbar bildhaften Schilderungen und hin zum atemberaubenden Flug über das Meer.

Die Wiedergabe der Texte war oft von bestürzender Eindringlichkeit, die Begleitung, wenn man angesichts der vollkommenen Synthese, die Helmut Deutsch erreichte, davon überhaupt sprechen mag, ein beglückender Hörgenuss! Wie natürlich war doch alles mitgeatmet, und wie selbstverständlich ein riesiges Klangspektrum von gemeißelten ff-Akkorden bis hin zu feinziselierten Sechzehntelbewegungen durchmessen. Der Wechsel zwischen gedeckten und offenen Farben in feinsten Schattierungen forderte immer wieder zum Staunen heraus. Und natürlich die entwaffnende Überlegenheit, mit der das alles geschah.

Das Publikum im vollbesetzten Saal war sich der außerordentlichen Bedeutung des Abends bewusst und dankte überschwenglich mit Beifall, der nicht enden wollte. Schon die Ankündigung der Zugabe „Tom der Reimer“ löste lautstarke Zustimmung aus. Die Künstler aber beließen es nicht dabei. Sehr zart folgte „Süßes Begräbnis“, und dann sorgten „Hinkende Jamben“ für Spaß.

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