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Kellmünz

18.05.2018

Eins, zwei oder drei Schuljahre?

An der Kellmünzer Grundschule wird künftig das Konzept „Flexible Grundschule“ umgesetzt. Das heißt, Buben und Mädchen können die erste und zwei Klasse in ein, zwei oder auch in drei Jahren absolvieren – je nach ihrem Fortschritt.
Bild: Armin Schmid

In Kellmünz wird es ab September ein neues Konzept geben. Die Idee dahinter: Kinder können sich mehr Zeit für den Unterrichtsstoff nehmen – oder weniger.

Die Zeiten, in denen ein Lehrer vor seinen Schülern den Unterrichtsstoff an der Tafel illustriert und vermittelt hat, sind natürlich nicht vorbei, aber die Lehrmethoden haben sich bis heute stark verändert. Das bestätigt auch Andrea Milde, die stellvertretende Schulleiterin an der Grundschule Kellmünz. Heutzutage gebe es Lerninseln oder Theken, an denen die Buben und Mädchen ihr Unterrichtsmaterial selbstständig vertiefen können. Um weiterhin am Ball des wandelnden Schullebens zu bleiben, geht die Grundschule Kellmünz ab September neue Wege – und Andrea Milde wird dann die Ansprechpartnerin für dieses Konzept sein.

Die Idee dahinter: Grundschüler haben mehr oder weniger Zeit, die ersten beiden Schuljahre zu absolvieren – je nach Fortschritt des Kindes. Das heißt, Buben und Mädchen können ab dem Schuljahr 2018/2019, die ersten beiden Jahre an der Grundschule auch in nur einem Jahr meistern, etwa wenn sie besonders begabt sind, in herkömmlichen zwei oder sie hängen noch ein Schuljahr an ihre erbrachten Unterrichtsstunden an. In Kellmünz habe sich dieses Konzept angeboten, sagt Milde auf Nachfrage, denn dort seien vor einiger Zeit bereits jeweils zwei Jahrgangsstufen in Kombiklassen zusammengelegt worden. Momentan gibt es eine Klasse, in der Erst- und Zweitklässer zusammen unterrichtet werden und zwei, in denen Dritt- und Viertklässlern der Unterrichtsstoff nähergebracht wird. Die „Flexible Grundschule“ sei nun der nächste Schritt, so die Lehrerin. „Man will ja auch vorwärtsgehen“, sagt Milde. Die Mitarbeiter der Einrichtung hätten die Chance genutzt, die Entwicklung des Hauses voranzutreiben. Milde findet die Idee hinter der „Flexiblen Grundschule“ super, wie sie sagt.

Dieses ist in Bayern vor einigen Jahren durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus und der Stiftung Bildungspakt Bayern ins Leben gerufen worden.

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Angefangen habe man im Freistaat damals mit etwa 20 „Flexiblen Grundschulen“, sagt die bayerische Staatssekretärin für Unterricht und Kultus, Carolina Trautner (CSU) im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Hauptgrund, warum dieses Projekt eingeführt wurde, sei die Möglichkeit, jedes Kind individuell fördern zu können. „So kann man noch stärker auf die Kinder eingehen“, sagt die Politikerin. Das Konzept habe deshalb auch nichts mit zurückgehenden Schülerzahlen zu tun, sondern sei eben auf die spezifische Unterstützung aus. Die bisherige Resonanz sei positiv, so Trautner.

Es geht im die individuelle Förderung der Kinder

Bürgermeister Michael Obst sagte vor Kurzem, dass derzeit bereits etwa 216 Grundschulen in Bayern nach diesem Konzept unterrichten. Im Landkreis Neu-Ulm gibt es Milde zufolge nur zwei weitere Schulen, die mit im Boot sind: in Tiefenbach (wir berichteten) und in Reutti. Die Lehrerin geht aber trotz dieses neuen Angebots davon aus, dass die meisten Kinder weiterhin zwei Jahre benötigen werden. Und: Wenn ein Kind drei Jahre für die Klassen 1 und 2 brauche, zähle das in der „Flexiblen Grundschule“ nicht als Sitzenbleiben. Für die Lehrer bedeutet das neue Konzept jedoch auch einen Mehraufwand an Arbeit. Sie müssen die Fortschritte der Buben und Mädchen aufzeichnen, ihre Leistungen vergleichen, Milde spricht von „engmaschiger Dokumentation“. Das habe viel mit Feingefühl zu tun, denn ein Pädagoge dürfe die Kinder weder über- noch unterfordern. Ob ein Schüler den Unterrichtsstoff in einem, zwei oder drei Jahren lernt, darüber entscheiden die Lehrkräfte dann zusammen mit den Eltern des Nachwuchses. Staatssekretärin Trautner nennt das „Bildungspartnerschaft“.

Der Kellmünzer Bürgermeister hat sich das Konzept vor einigen Tagen von der Politikerin in München erläutern lassen. Oft sei es für Eltern und Kinder schwierig zu beurteilen, ob die Einschulung ihres Nachwuchses Sinn mache, so Obst. Die Option für eine dreijährige Verweildauer in den ersten beiden Jahrgangsstufen könne diese Entscheidung in Kellmünz demnächst erleichtern. Denn der Gemeinderat stimmte dem Projekt zu. Zudem könne man auf diese Weise das Negativerlebnis des Sitzenbleibens von Kindern, die etwas mehr Zeit für den Schulstoff brauchen, abwenden.

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