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Babenhausen

28.11.2018

Elias Chacour ist auf Friedensmission durch die Region

Erzbischof Elias Chacour (Zweiter von links, vorne) beim Empfang im Fuggerschloss in Babenhausen. Noch bis Sonntag ist der Geistliche gemeinsam mit einer israelischen Delegation in der Region unterwegs.
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Erzbischof Elias Chacour (Zweiter von links, vorne) beim Empfang im Fuggerschloss in Babenhausen. Noch bis Sonntag ist der Geistliche gemeinsam mit einer israelischen Delegation in der Region unterwegs.

In Babenhausen appelliert der ehemalige Erzbischof von Galiläa an die Zuhörer, jeden Menschen als Freund zu sehen – und überrascht mit seinen Sprachkenntnissen.

Während seiner Studienzeit in Paris wollte Elias Chacour unbedingt die deutsche Sprache lernen. Da er damals kein Geld für den Besuch des Goethe-Instituts hatte, kaufte er sich das Buch „Deutsch ohne Mühe“. Von August bis September 1962 lernte er jeden Abend bis spät in die Nacht hinein Vokabeln und Grammatik. Die damals erworbenen Kenntnisse kamen dem emeritierten Erzbischof von Galiläa bei seinem Empfang im Ahnensaal des Fuggerschlosses jetzt zugute. Mit einem Lächeln im Gesicht und verständlichem Deutsch überraschte er nicht nur seine Gastgeber.

Auf Einladung des schwäbischen Bezirksjugendrings weilt Elias Chacour seit Montag gemeinsam mit einer Abordnung aus Schulleitern und Bürgermeistern aus Galiläa in der Jugendbildungsstätte Babenhausen. Als eine seiner ersten Stationen stand ein Empfang im Fuggerschloss auf dem Programm. Während Graf Markus Fugger einen kleinen Einblick in die Geschichte des Hauses Fugger gab, stellte Bürgermeister Otto Göppel dem hohen Geistlichen aus dem Nahen Osten den Markt Babenhausen vor. Manfred Gahler, Vorsitzender des schwäbischen Bezirksjugendrings, bezeichnete den Jugendaustausch mit den israelischen Partnerstädten I’bilin und Shefar’am als „eine gute Sache im Sinne von Freundschaft und Frieden“. Als Zeichen der Verbundenheit überreichte Gahler die Partnerschaftsurkunde zwischen den Städten und Schulen in Deutschland und Galiläa. „Unser Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen“, sagte der Leiter der Jugendbildungsstätte, Michael Sell.

Chacour fordert Offenheit und Toleranz

„Deutschland ist ein wunderbares Land“, schwärmte Elias Chacour. Als Student habe er bei einer Reise nach Lourdes eine Familie aus Leutkirch kennengelernt. Die Verbindung sei bis heute nicht abgerissen, zumal er die Kinder dieser Familie als Pate zur Taufe getragen habe. Später habe sein Neffe die Tochter der heute in Kirchberg an der Iller lebenden Familie geheiratet. Das Paar lebe jetzt in Isreal. „Alle Menschen kommen als Babys zur Welt, nicht als Christen, Muslime oder Juden“, sagte der Erzbischof von Galiläa, der bereits dreimal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde und Träger des Niwano Friedenspreises ist.

In der Veranstaltungshalle der Anton-Fugger-Realschule wurden Elias Chacour und die israelische Delegation mit pompösen Bläserklängen der Bandklassen und einem Morgengebet empfangen. In Gegenwart von Landrat Hans-Joachim Weirather sowie Bürgermeistern und Schulleitern aus Augsburg, Füssen, Vöhringen, Senden, Memmingen und Kellmünz appellierte der emeritierte galiläische Erzbischof an die mehr als 500 Realschüler, jeden Menschen – egal welcher Nation – als einen Nachbarn oder Freund zu sehen und sich für andere verantwortlich zu fühlen. „Ich habe keinen Traum, sondern die wichtige Vision, dass die Menschen auf der Welt in Frieden zusammenleben“, verdeutlichte Chacour. „Wir sind alle als Gottes Kinder geboren.“ Deshalb sei er voller Hoffnung und der festen Überzeugung, dass Liebe viel mächtiger ist, als Hass.

Für Landrat Hans-Joachim Weirather ist die Pflege der unter dem Leitgedanken „Crossing borders“ (Grenzen überschreiten) stehenden Schulpartnerschaft mehr als eines der wichtigsten Bildungsziele. Deshalb appellierte er an die Realschüler, stets für Freundschaft und Offenheit einzutreten und jedem Anflug von Ausgrenzung und Hass entschieden entgegenzutreten. Als Zeichen der Verbundenheit überreichten Schüler der Klasse 10b, die im April 2018 bei einem Schüleraustausch in Israel dabei war, allen Schulleitern und Bürgermeistern Partnerschaftsurkunden.

Als der Projektchor unter Leitung von Sandra Kalischek zum Abschluss der Feierstunde einlud, in die „Ode an die Freude“ einzustimmen, herrschte in der großen Halle eine besondere Stimmung von Freundschaft und Verbundenheit.

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