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Weißenghorn

12.02.2018

Entführungsdrama um den Eschagore

Die Eschagore und die Weißahoarer Giggalesbronzer haben Ministerin Beate Merk (Mitte) in der Bayerischen Staatskanzlei besucht.
Bild: Bruno Simmnacher

Unbekannte haben die Figur der Weißenhorner Narrenzunft gestohlen. Diese findet die Aktion alles andere als spaßig – und fürchtet um ihren guten Ruf.

Für Faschingskenner ist es mindestens eine mittlere Katastrophe: Der Weißenhorner Narrenzunft D’r Eschagore wurde ihre Figur vom Narrenbaum gestohlen. Als Lösegeld forderten die unbekannten Diebe eine Spende an das Illertisser Hospiz – und sahen die Aktion als närrischen Scherz an. Ähnlich eines Maibaums, so sagten sie, müsse der Narrenbaum laut eines Paragrafen bewacht werden. Das sei in Weißenhorn aber nicht der Fall gewesen. Da die Eschagore ihre Figur nicht im Auge gehabt haben, nutzten die Unbekannten ihre Chance und stahlen die urige Gestalt. Doch was als Scherz gedacht war, kam bei der Narrenzunft gar nicht spaßig an.

Florian Kull, der erste Zunftmeister der Eschagore, zeigt sich ziemlich genervt. „Ich habe mein Leben lang noch nichts von diesem Brauchtum gehört“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Und wird deutlicher: Auch in der Narrensatzung der Eschagore stehe nichts davon, dass der Baum bewacht werden müsse. „Und ich weiß ganz genau, was da drin steht, ich lese sie schließlich jedes Jahr öffentlich vor.“ Selbst wenn, wäre das nicht zu leisten, „sonst müssten wir fünf Wochen dort schlafen“, sagt er.

Kull bemängelt, dass die Diebe unbekannt bleiben wollen. „Wenn ich schon etwas anstelle, dann sollte ich auch dazu stehen“, schimpft er. So etwas heimlich zu machen, gehöre sich nicht. Auch, dass die Narrenzunft, aufgrund der Anonymität, keinen Kontakt für Verhandlungen zu den Dieben aufbauen konnte, stößt ihm sauer auf. „Man hat uns zu lange im Ahnungslosen gelassen.“

Dass die Figur in Weißenhorn verschwindet, passiert allerdings nicht zum ersten Mal. Vor einigen Jahren wurde der Eschagore schon einmal unfreiwillig von seinem Narrenbaum geholt. Danach wachte er ein paar Jahre lang vom Oberen Tor aus über die feiernde Faschingsgesellschaft – ein Diebstahl war damit so gut wie ausgeschlossen. Bis der urige Zeitgenosse nun wieder seinen Platz aufgeben musste.

Laut Zunftmeister Kull gibt es heuer aber einen wichtigen Unterschied zum vergangenen Klau: Damals habe die Zunft gleich gewusst, wer es war. Dann habe man verhandelt und der Eschagore sei einen Tag später wieder da gewesen – im Tausch gegen ein paar Kästen Bier.

Um das „Lösegeld“, eine Spende an das Hospiz, gehe es ihm in diesem Fall nicht. Das Hospiz sei eine wichtige Einrichtung, sagt Kull. Ihn störe vielmehr, dass die Diebe den guten Ruf der Eschagore ein Stück weit zerstört haben. Denn die Unbekannten schrieben in ihrem „Erpresserbrief“ auch, dass der Eschagore der Sage nach schon vor vielen Jahren mit den Fuggerstädtern sein Unwesen getrieben habe. Er soll meist betrunkene Bürger in den Wald gelockt und dort bis in die Morgenstunden hinein seinen Schabernack getrieben haben. Nun solle er auch mal etwas Gutes tun, verlangten die Diebe.

„Uns zu unterstellen, wir seien eine böse Figur, ist gelogen“, sagt Kull. Er weist auf das soziale Engagement hin: „Wir spenden jedes Jahr 150 Euro an die Palliativstation in Weißenhorn – und die arbeitet mit Illertissen zusammen.“ Deswegen gehe auch kein extra Lösegeld nach Illertissen – das Hospiz bekomme ja ohnehin eine Spende. Den Eschagore hat die Narrenzunft trotzdem wieder bekommen. Er thront wieder auf dem Narrenbaum.

Obwohl die Diebstahl-Aktion der Zunft in den vergangenen Tagen Sorgen bereitet hat, zog sie ihr Programm durch. Am Gumpigen Donnerstag stürmte sie etwa mit Narren aus ganz Bayern die Staatskanzlei in München. Empfangen wurden sie dort von Europaministerin Beate Merk.

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