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Bellenberg

07.10.2019

Er versteht das Zwitschern der Vögel

Ralph Müller versteht die Sprache der Vögel. Darüber berichtet er in Vorträgen und schreibt Bücher.
Bild: Regina Langhans

Plus Wildnisexperte Ralph Müller kennt die Sprache der Vögel. Bei einem Vortrag in Bellenberg erklärt er, wie ihm die verschiedenen Laute der Tiere den Weg weisen.

Wer das Zwitschern und Trällern der Vögel nur als fröhlichen Ausdruck der Natur begreift, der sah sich nach dem Vortrag des Wildnis-Experten Ralph Müller im Sportheim in Bellenberg eines Besseren belehrt. Er sagt: „Vögel teilen sich untereinander mit ähnlich wie wir Menschen.“ Etwa zwei Dutzend Interessierte waren zu der Veranstaltung des Landesbundes für Vogelschutz gekommen.

Der Referent berichtete aus eigenen Erfahrungen, wie er die Vogellaute sammelte und sie in Zusammenhang mit den Verhaltensweisen der Tiere brachte. Ihre Kommunikation umfasse das ganze Vogelleben – von der Paarung über die Nestfürsorge bis zu Warnrufen. Müller erklärte am Beispiel der Amsel: „Wenn sie singt, ist alles in Ordnung.“ Erklinge ein „Chuck-chuck“, das immer aufgeregter werde, drohe Gefahr. Das Näherrücken zeige die Amsel durch engangelegte Federn und gespannte Körperhaltung. Artgenossen werden alarmiert, um den Feind zu vertreiben.

Wildnisexperte: Tiere verwenden übergeordnete Signalsprache

Müller hat Parallelen beobachtet, was Intensität und Tonhöhe der Warnrufe bei Tiere angehe. Er schlussfolgert eine übergeordnete, allen Lebewesen verständliche Art von Signalsprache. So hat er beobachtet: „Betritt ein Feind den Wald, sendet der Vogel einen Warnruf aus, ein anderer Artgenosse erkennt das Signal und gibt es weiter, sodass in kurzer Zeit Rehe, Füchse, alle Tiere informiert sind.“ Der Wildnis-Experte nützt die Möglichkeit dieser Kommunikation für Erkundungszwecke. Ist er auf der Suche nach Raubvögeln, kann er sich von den Warnrufen anderer Vögel leiten lassen. Umgekehrt vermag er mit Lockrufen der Vögel diese anzulocken. Er glaubt, dass die Kommunikation der Tiere untereinander noch viel Forschungspotenzial besitzt.

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Vögel können bei der Orientierung helfen

„Für ihre Verständigung nützen sie teils sehr hohe oder tiefe Frequenzen, die unser Ohr nicht wahrnimmt“, so der Experte. Mithilfe der Vogelsprache im Sinne eines Frühwarnsystems hätten sich unsere Vorfahren rechtzeitig vor wilden Tieren retten können. Indigene Völker würden sie noch heute nutzen. Müller erzählt, wie Apachen-Indianer durch Warnrufe der Vögel rechtzeitig vor dem Eintreffen weißer Eroberer aufbrechen konnten.

Auch ihn hätten Vögel bei einer Exkursion in Schweden geholfen, im tiefsten Wald die Orientierung wiederzufinden: Weil er dem Eisvogel folgte, habe er den Weg zum Fluss gefunden, dort stieß er auf eine Feldlerche, deren Lebensraum Wiesen sind. Rauchschwalbe und Haussperling schließlich deutete auf die Nähe von Häusern hin.

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