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Nachgehakt

30.04.2015

Er will nicht zurück ins Hamsterrad

„Dem Illertisser Stadtrat fehlt Geschichtsbewusstsein.“Josef Kränzle

Warum Josef Kränzle sein Sabbatjahr ausdehnt und was er von der Stadtpolitik hält

Die Illertisser Stadtpolitik wird weiterhin auf Josef Kränzle verzichten müssen. Seinen abrupten Ausstieg nach den Kommunalwahlen vor einem Jahr hatte der Unternehmer stets mit dem Zusatz kommentiert, er wolle sich lediglich eine Auszeit von einem Jahr nehmen. Die Zeit ist schnell vergangen und das sogenannte Sabbatjahr auch schon wieder vorbei. Doch Josef Kränzle denkt heute anders. Er wolle nicht mehr zurück ins Hamsterrad, sagt er und begründet den Vergleich so: „Wenn man sich in der Kommunalpolitik und in anderen Bereichen engagiert, gleicht das dem Lauf in einem Hamsterrad. Es läuft und läuft und lässt sich kaum stoppen.“ Ist der Ausstieg aber geglückt, sei der Aufsprung auf ein sich rasend schnell drehendes Hamsterrad auch nicht mehr möglich. Josef Kränzle will es nicht mehr versuchen. Er setzt heute andere Prioritäten, bleibt seiner Heimatstadt aber immer noch innigst verbunden.

Die Enttäuschung saß gewaltig tief vor einem Jahr. Seine Kandidatin, Amtsinhaberin Marita Kaiser, musste den Bürgermeistersessel an Jürgen Eisen abgeben und die Mehrheiten im Stadtrat hatte sich aus Kränzles Sicht zu seinen Ungunsten entwickelt. Der vormalige Zweite Bürgermeister und mächtigste Mann im Stadtrat verzichtete auf sein Mandat und stieg als erneuter Stimmenkönig der Illertisser Kommunalwahl aus. „Ich weiß, fast 8000 Wählerstimmen sind eigentlich verpflichtend. Ich habe aber keine Chance mehr gesehen, die Dinge in meinem Sinn bewegen zu können“, sagt er rückblickend.

Kränzle hat in Illertissen ein weltweit operierendes Unternehmen für Hochdruckreinigungsgeräte aufgebaut, ist Mitglied der Freien Wähler, gilt als konservativ und ausgesprochen heimatverbunden. Davon hat er sich in seiner Stadtratsarbeit stets leiten lassen. Das war dem ein oder anderen Stadtratskollegen mitunter sauer aufgestoßen. Aber Kritik an ihm und seiner Arbeit wurde im Jahr nach seinem Ausstieg nicht laut. Er selbst sah keinen Grund, sich von außen in die Arbeit des neuen Stadtrates einzumischen. „Einen Rücktritt vom Ausstieg“ hat er nicht mehr erwogen, obwohl er schon einen Kritikpunkt findet. „Dem neuen Gremium fehlt das Geschichtsbewusstsein“, sagt er. Leute wie Altbürgermeister Hermann Kolb, Malermeister Albert Vogt oder der jüngst gestorbene Egon Eberle, die ihre Entscheidungen mit hervorragender Kenntnis der Illertisser Geschichte getroffen hätten, gebe es nicht mehr im neuen Stadtrat. Aber genau das sei wichtig bei der kommunalpolitischen Arbeit.

Die Feiern zum 1000-jährigen Bestehen Illertissens 1954 hatten beim damals zehnjährigen Josef Kränzle das Interesse an der Ortsgeschichte geweckt. „Damals wurde auch im Schulunterricht viel darüber gesprochen.“ Heute wüssten die wenigsten noch, was es mit dem Frieden von Tussa auf sich habe. Kränzle hat mit dem Friedensbrunnen am Martinsplatz eine sichtbare Erinnerung daran geschaffen. Er hatte die Idee, wirkte an der Gestaltung mit und hat den Brunnen größtenteils finanziert. „Der Friedensbrunnen war meine größte Leistung als Stadtrat“, blickt er heute zurück.

Dieses Geschichtsbewusstsein bewegt ihn immer noch. Zum Beispiel hätte sich Kränzle nach seinen Worten mit dem Messer zwischen den Zähnen gegen diese jetzt beschlossen „Dachrinne zum Saufen“ auf der Hirschkreuzung gewehrt. Dort habe es früher schon einen Brunnen gegeben und er versteht nicht, wieso der Stadtrat jüngst den Beschluss, dort für 80000 Euro einen neuen aufzustellen, gekippt hat. „Illertissen hätte dann zwei sich kreuzende Brunnen-Achsen.“ Gemeint sind die Brunnen vor Rathaus (Merkzeichen) und Hirschkreuzung sowie Markt- und Friedensbrunnen.

Kränzle würde das Feuerwehrhaus an seinem jetzigen Platz ertüchtigen und erst, wenn es hauptamtliche Feuerwehrleute gibt („die zwangsläufig kommen müssen“), einen neuen Standort suchen. Er sähe die geschichtsträchtige Aussegnungshalle auf dem Friedhof lieber erweitert und renoviert als an anderer Stelle neugebaut. Die Jahnhalle würde er in jedem Fall erhalten. Bei einer weiteren Kulturhalle müsse man auf die laufenden Kosten achten und gegebenenfalls doch lieber nach Vöhringen ins Kulturzentrum fahren. Das Heimatmuseum ist ihm wichtig und die Einstellung eines Museums-Pädagogen hält er für unverzichtbar. Günstiger für die Besucher wäre, wenn sich das Heimatmuseum wie früher in der Stadt und nicht oben im Schloss befände.

Dem Fußballverein wird er als Mäzen erhalten bleiben. Mehr aber nicht. „Den Namen Kränzle wird es in der Führungsspitze des FVI nicht mehr geben“, versichert dessen ehemaliger Torwart vor der heute Abend stattfindenden Jahresversammlung, in der erstmals ein Aufsichtsrat installiert werden soll.

Kränzle wohnt inzwischen mit Lebensgefährtin Andrea Stölzle in Lindau. Er pendelt jeden Tag zwischen Bodensee und seinem Unternehmen in Illertissen und ist damit zufrieden. Die Stunde Autofahrt mache herrlich den Kopf frei, sagt er. Sollte er sich doch nochmals in seiner Heimatstadt Illertissen öffentlich engagieren, so würde er das vielleicht gerne als Stadtführer tun. „Keine Stadtführungen, die nach einer Stunde vorbei sind, sondern eine mit mehreren Etappen an verschiedenen Orten.“ Es gäbe viel zu erzählen, zum Beispiel, was es mit dem ehemaligen Eitergraben auf sich hatte.

Eine Eberle-Sammlung für die Öffentlichkeit

Gerne würde er auch eine Eberle-Sammlung der Öffentlichkeit anbieten. Darin enthalten sind alle geschichtlichen Dokumente, die der ehemalige Stadtarchivar Egon Eberle zusammengetragen hat.

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