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Natur

15.06.2018

Forsten für die Zukunft

Ein Wald ist immer auch ein Ort der Ruhe und Erholung. Damit das so bleibt, muss eine Kommune ihre Wälder auf Grundlage eines Gutachtens nachhaltig bewirtschaften.

Ein Gutachten legt fest, wie die Stadt Illertissen ihre Wälder in den kommenden 20 Jahren bewirtschaften soll. Förster und Bauhof stellen sich dabei auf den Klimawandel ein

Ob spazieren gehen, joggen oder wandern: Der Wald ist für viele Menschen ein Erholungsraum. Darüber hinaus ist das grüne Dickicht ein Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und produziert Sauerstoff. Rund ein Drittel der Fläche Deutschlands ist von Wald bedeckt. Damit das so bleibt, müssen Städte ihre Wälder nachhaltig bewirtschaften, und zwar auf Grundlage eines Forstbetriebsgutachtens. Das schreibt das Bayerische Waldgesetz vor. Alle zwanzig Jahre prüft ein unabhängiger Gutachter die Waldflächen einer Stadt. Er misst unter anderem, wie viel Holz vorhanden ist und verzeichnet, welche Baumarten in welchem Ausmaß vorhanden sind. Darüber hinaus gibt das Gutachten vor, wie der Wald in den kommenden Jahren zu bewirtschaften ist.

In Illertissen überreichte Förster Bernd Karrer nun Bürgermeister Jürgen Eisen das neue Forstbetriebsgutachten. Mehr als ein Jahr hat die Bestandsaufnahme gedauert. Dafür war der freiberufliche Forstsachverständiger Klaus Peter Jung aus Babenhausen zuständig, der bereits das Vorgängergutachten erstellt hatte. Jungs Ergebnis: Die Stadt hat in den vergangenen zwanzig Jahren vorbildliche Arbeit geleistet. Förster Karrer habe in Zusammenarbeit mit Illertissens Bauhofleiter Michael Kienast die Empfehlungen aus dem vergangenen Gutachten gut umgesetzt.

So seien beispielsweise einige Laubbäume gepflanzt und der Wald so auf den Klimawandel vorbereitet worden. Inzwischen bestünden fast 90 Prozent des Waldes etwa aus Linden, Eichen oder Buchen, sagt Karrer. Vor zwanzig Jahren waren es nur rund 75 Prozent. Nadelbäume vertragen Wärme in der Regel nicht so gut wie ihre laubtragenden Artgenossen. Die Förster müssten schon jetzt handeln, denn einen Wald umzugestalten, daure sehr lange. Bis etwa eine Roteiche ausgewachsen ist, vergehen ungefähr hundert Jahre. Bei Kiefern ist die Zeitspanne sogar noch größer – rund 130 Jahre dauert es, bis sie gefällt werden können.

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Aktuell teste Karrer, wie in der Region neue Bäume mit den durch den Klimawandel veränderten Bedingungen zurechtkommen. In diesem Frühjahr habe er dafür beispielsweise Esskastanien, Nordmannstannen und Mammutbäume angepflanzt. Je mehr verschiedene Arten beheimatet seien, desto resistenter sei der Wald gegen Schädlinge und Klimaveränderungen. Das hat auch Jung im Gutachten als positiv verzeichnet.

Der Stadtwald hat aber auch Sorgenkinder: Große Probleme bereitet etwa die Esche. Man findet sie im Auwald entlang der Iller. Beispielsweise durch Pilze werden die Bäume krank und sterben ab. Diese Eschen ersetzen Förster und Bauhof etwa durch Ulmen, Bergahorn und Linden. Seit 2012 seien 36640 junge Bäume als Ausgleich gepflanzt worden – jeder dritte Baum im Auwald ist somit neu.

Forstsachverständiger Jung hat nach der Prüfung des gesamten Stadtwaldes auch eine Empfehlung an die Stadt im Gutachten festgehalten, wie sie den Bestand bewirtschaften soll. An dieser werden sich die Planungen von Förster und Bauhof in den nächsten zwanzig Jahren ausrichten. Immer im Herbst werde überlegt, wie viele Bäume gefällt, welche Arten gepflanzt werden und welche Maßnahmen notwendig sind. Das alles wird in eine Tabelle im Forstbetriebsgutachten eingetragen. Im Jahr 2036 wird dann das nächste Gutachten erstellt. Dann kommt die Arbeit von Förster und Bauhof erneut auf den Prüfstand. Karrer sieht dem optimistisch entgegen: „Die Stadt unterstützt uns sehr, was die Arbeit im Wald angeht und ist aufgeschlossen für neue Herangehensweisen.“

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