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Oberroth

22.11.2017

Ganz schön viel Holz für die Hütte

Das Haus steht, die Dachziegel wurden gelegt und der Carport ist gerade am Entstehen. So sah die Baustelle der Dorners noch vor einigen Wochen aus. Mittlerweile ist auch der Carport so gut wie fertig.
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Das Haus steht, die Dachziegel wurden gelegt und der Carport ist gerade am Entstehen. So sah die Baustelle der Dorners noch vor einigen Wochen aus. Mittlerweile ist auch der Carport so gut wie fertig.
Bild: Sammlung Dorner

Marc und Pamela Dorner haben schon immer von einem eigenen Blockhaus geträumt. Beide machen einen Kettensägenkurs und bauen anschließend ihr Eigenheim auf – zu zweit.

Es ist zur Zeit wohl das Gesprächsthema in Oberroth: Das neue Holzhaus am Wannenbergweg. Das Besondere an dem Gebäude ist aber weniger das Konstrukt an sich, sondern vielmehr die Entstehungsgeschichte. Denn Marc und Pamela Dorner, 27 und 26 Jahre alt, bauen es ganz alleine.

Ein Holzhaus, sagt Marc Dorner, sei schon immer sein Traum gewesen. Und auch seine Ehefrau Pamela war sofort von der Idee angetan. Aber die beiden setzten noch einen drauf: Selbstgemacht sollte es sein, hauptsächlich von den beiden alleine. „Mein Vater arbeitet in der Baubranche“, sagt die Physiotherapeutin. Über ihn seien sie zu Ralph E. Pfersich und seinem Team aus freiberuflichen „Blockhausbauern“ im Schwarzwald gekommen. Diese bieten unter anderem einen Blockhausbau in einem Intensivkurs an. Bedenkzeit brauchte das junge Ehepaar dafür nicht, sofort sei ihnen klar gewesen: Das machen wir. „Wir waren dann eine Woche bei den Blockhausbauern“, sagt Pamela Dorner. Im Kurs wurde ein drei Mal drei Meter großes Gebäude mithilfe von Kettensägen und anderen Werkzeugen gebaut, das Material dafür und auch die Übernachtungen wurden gestellt. In einer Gruppe aus etwa zehn Teilnehmern sägten die Dorners los und nach einer Woche harten körperlichen Arbeitens waren die Grundlagen für das Eigenheim gelegt. Anschließend haben sie ihr eigenes Material für das Haus in Oberroth bearbeitet: Die Bäume wurden geschlagen und die Dorners entrindeten täglich zehn bis zwölf Stunden – insgesamt 108 Stämme, zwei Wochen lang im Schwarzwald. „Du brauchst dafür schon Kraft.“ Aber beim Sägen und mit seinen Aufgaben wachse man quasi mit seinem Haus, so beschreibt die 26-Jährige die weitere Bauzeit. Denn nach dem Entrinden ging es im Rothtal erst richtig los.

„Du musst so bauen, dass es einen Spielraum nach oben gibt“, erklärt Pamela Dorner und fügt hinzu: „Du bist nie fertig mit so einem Haus“. Denn das Holz arbeitet, auch wenn es bereits verbaut wurde. Das heißt, an Fenstern muss beispielsweise ein gewisser Spielraum vorhanden sein. „Das Holz wird nass verbaut und trocknet dann noch sechs Jahre nach und schrumpft dadurch“, sagt Marc Dorner. „Wir wollten aber auch ein Haus, das lebt. So wie wir“, ergänzt seine Frau. Das Gebäude umfasst 135 Quadratmeter, verfügt über eineinhalb Stockwerke, keinen Keller, dafür aber einen überdachten Auto-Unterstellplatz.

Die beiden haben jeden Stamm selbst entrindet, vermessen, zurecht gesägt und eingebaut. „Alleine das Vermessen dauert eineinhalb Stunden“, erzählt Pamela Dorner und sagt stolz: „Wir haben keinen einzigen Stamm verschnitten“. Das Werkzeug für den Bau haben sie selbst gekauft. Auch die Isolierung hat das Ehepaar selbst gemacht, mit Schafswolle, denn die dichte am besten ab, behaupten sie. Das Dach und die Heizung – ein Grundofen mit zwei Zugsystemen – wurden von Fachmännern gefertigt, die Dorners haben aber beispielsweise beim Dachdecken mitangepackt. Seit April arbeiten die beiden an ihrem Traumhaus, im Frühjahr 2018 soll es komplett fertig sein. Während der Bauzeit sind Marc und Pamela Dorner zu richtigen Holzspezialisten geworden. Die 26-Jährige erklärt zum Beispiel mühelos, warum die Weißtanne für sie am besten geeignet ist, wie das Holz aufeinander gebaut wurde und dass Leinöl wichtig für das Material ist, weil es die Poren schließt. „Auf jeder Wandseite unseres Hauses liegen zehn Tonnen Weißtanne“, sagt sie.

Das Ehepaar sei schon immer naturverbunden gewesen. Für die Arbeiten haben die beiden extra ihren Urlaub angespart und komplett genommen. „Wir wollten das einfach selber machen, um danach sagen zu können, das haben wir gemacht“, sagt der 27-jährige Arbeitsvermittler. Beruflich haben sowohl er als auch seine Frau wenig mit Holz zu tun. Trotzdem sei ihnen das Handwerk nicht schwergefallen. Im Gegenteil, mittlerweile sind die beiden sogar so gut darin, dass sie damit weitermachen möchten. Sie könnten sich eine Gartenhütte, Sauna oder auch Lampen oder Figuren vorstellen, die sie selbst zusägen. „Wir machen unsere Möbel selber“, sagt Pamela Dorner und zählt beispielsweise Stühle und Tische auf. „Es kommen schon viele Leute auf uns zu, die wollen wissen, wie das geht.“

In Oberroth scheint das Haus anzukommen: Viele Einwohner sprechen darüber. Bislang gebe es nur positive Meinungen. Ursprünglich stammt Marc Dorner aus Au und seine Frau aus Bellenberg, doch mittlerweile fühlen sie sich in Oberroth sehr wohl. Besonders dankbar sind sie ihren Nachbarn, die sich während der lauten Sägearbeiten nie beschwert hätten. „Man kann sagen, es ist unser Lebenstraum, den wir uns jetzt schon erfüllen“, sagt Pamela Dorner. Im März will das Paar eingezogen sein. „Unter einem Jahr Bauzeit wollen wir liegen.“

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