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Konzert

30.11.2016

Hörerlebnisse für verwöhnte Ohren

Das Münchner Kammerorchester mit Konzertmeister Daniel Giglberger und Albrecht Mayer an der Oboe begeisterten in der Festhalle des Kollegs in Illertissen mit überaus feinsinnigem Spiel.
Bild: Regina Langhans

Standing Ovation für Oboist Albrecht Mayer und das Münchner Kammerorchester

Zum dritten Mal begeisterte Albrecht Mayer mit seiner Oboe beim Freundeskreis für Kultur im Schloss in Illertissen – diesmal mit dem Münchner Kammerorchester zum Jahresabschluss der fast 15 Jahre bestehenden Veranstaltungsreihe. In der Festhalle im Kolleg waren die Plätze ausverkauft und das hatte sich gelohnt: Zauberhaftes Oboenspiel in Verbindung mit feinsinniger Kammermusik vermochte zu fesseln, dass es selbst für verwöhnte Ohren ein Erlebnis war.

Die Musiker erreichten vom ersten Ton an ihre Zuhörer, allein durch ihr Auftreten mit Konzertmeister Daniel Giglberger, der am Pult der ersten Violine saß und den Dirigenten ersetzte. Mit dem Geigenbogen gab er die Einsätze, welche er in weitausholender Bewegung ankündigte, die weitere Führung ergab sich durch sein dynamisches Violinspiel. Die Geige schien ihm angewachsen und sein physisches Mitgehen übertrug sich auf das ganze Ensemble. Für seine mitreißende Eröffnung hatte es die Ouvertüre zur Oper „La Finta Giardiniera (W. A. Mozart, 1756-1791) gewählt.

Daraufhin betrat Albrecht Mayer die Bühne, um mit dem Ensemble das Konzert für Englischhorn und Orchester in C-Dur (Joseph Fiala, 1748-1816) zu spielen. Nach stillem Einzählen im Blickkontakt mit Konzertmeister Giglberger klinkte sich Mayer mit der Oboe wie selbstverständlich in das Spiel des Ensembles ein. Mit seinem Instrument hatte er sich im Klang dem Orchester untergeordnet, um alsbald als Solo-Oboe in Trillern und hellen Tonfarben zu jubilieren.

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Die Mozart-Sinfonie Nr. 33 in B-Dur wurde in feinster Ausführung und Farbigkeit vorgetragen. Der Hörgenuss beim Publikum mag ebenso groß gewesen sein wie die gezeigte Spielfreude des Orchesters. Finger und Bogen zauberten die für Mozart typischen Tonumspielungen und verschnörkelten Passagen in höchster technischer Präzision. Sodann folgte ein Adagio für Englischhorn von Mozart, das er aber nicht mehr selbst vollendet hat. Mayer – der sich dem Aufspüren verschollener Oboenliteratur verschrieben und eine Edition „Lost And Found“ herausgegeben hat – datierte die Uraufführung des Stücks ins 20. Jahrhundert. Der Solist präsentierte das Adagio in weich gespielten Passagen, denen es bei aller Sanftheit nicht an Ausdruck mangelte. Das Orchester erfüllte souverän den Part des Begleiters.

Bei Mozarts Cassation Nr. 2 in B-Dur beanspruchte das Münchner Ensemble die Bühne nochmals für sich allein, um verteilt auf neun Sätze in Stilrichtungen und Rhythmen zu brillieren. Die Anordnung der Werke weckte Erwartungen auf das Konzertende, das mit einer Introduktion, opus 102 (Johann Nepomuk Hummel, 1778-1837), kaum romantischer hätte sein können. Zu hören waren Variationen zu einem Thema für Oboe und Orchester, Letzteres mit Unterstützung der Bläser für zusätzliche Klangfarben. So schienen es die Querflöten mit der Oboe aufnehmen zu wollen, während sich das Orchester begleitend zurückzog. Dann wiederum entdeckten die Streicher das Thema für sich.

Das Publikum erhob sich zum Applaus, die Künstler dankten mit „A Chloris“ (Reynaldo Hahn) und „Sinfonia“ (J. S. Bach). Albrecht Mayer hat es verstanden, die Musik eines fantastischen Kammerorchesters mit filigranem Oboenspiel zu überziehen wie mit einem Netz aus vielen virtuosen Höhepunkten.

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