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Babenhausen/St. Petersburg

16.09.2019

Hunderte Kilometer für eine Botschaft: Babenhauser radelt durch Russland

Martin Krick (links) radelt gerade durch Russland.
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Martin Krick (links) radelt gerade durch Russland.
Bild: Sammlung Krick

Martin Krick aus Babenhausen radelt gerade von St. Petersburg nach Moskau. Die Route soll den grenzüberschreitenden Europaradweg R1 erweitern. Doch auch ein tieferer Sinn steckt dahinter.

Er wollte es noch einmal wissen: Martin Krick ist erneut aufgebrochen, losgeradelt, einige Tage schon tritt der Babenhauser kräftig in die Pedale. Seine Route führt durch Russland, von St. Petersburg nach Moskau. Ein leichtes Unterfangen ist das nicht, denn der 68-Jährige und sein Begleiter befahren einen Radweg, den es so noch gar nicht gibt. Künftig soll die Strecke eine Etappe des Europaradwegs R 1 sein. Kricks Tour hat nicht nur den Zweck, Radfahrern künftig eine neue, ausgewiesene Strecke zu zeigen. Sie hat einen tieferen Sinn.

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Krick ist passionierter Fahrradfahrer, der Extreme nicht scheut. Zu seinem 60. Geburtstag im Jahr 2011 beschenkte er sich selbst mit einem Abenteuer: Er begab sich auf dem Fahrrad auf eine „Friedenstour“, die vom Ural bis in die Normandie führte. „Ich durfte 60 Jahre in Frieden leben“, erklärt Krick rückblickend seine Motivation.

Vor seinem Flug nach St. Petersburg hat Martin Krick unserer Redaktion von seinem Vorhaben erzählt. Der Babenhauser wird eine neue Etappe des Europaradwegs R1 testen, die durch Russland führt.
Bild: Sabrina Schatz

Während dieser Tour lernte der Babenhauser auch Ildus Yanyshev kennen, der ihn derzeit begleitet. Der Unterallgäuer und der Russe hielten stets Kontakt. Bei einer späteren Fahrradreise – Krick wollte in Russland unterwegs sein, Yanyshev die Welt erkunden – trafen sich die Männer in Danzig. „Das hat die Freundschaft auf Distanz untermauert“, erzählt Krick. Während der letzten Etappe von Yanyshevs Weltumrundung auf zwei Rädern sahen sie sich abermals: Krick begleitete ihn. „Beim Rückflug ist mir dann eine Idee gekommen“, sagt der 68-Jährige. „Die Idee, an einem durchgängig beschriebenen Radweg durch ganz Europa mitzuarbeiten, von London bis zum Ural.“

Hunderte Kilometer für eine Botschaft: Babenhauser radelt durch Russland

Dazu muss man wissen: Krick kennt den Berliner Detlef Kaden, der Radwege beschreibt und Verleger von Tourenbüchern ist. Er hat in fünf Büchern den grenzüberschreitenden Europaradweg R 1 ausgewiesen, der von London bis nach St. Petersburg reicht. Doch in der Metropole endet der offizielle R 1 in Russland bislang. Nun soll die Route bis Moskau erweitert werden – um rund 1000 Kilometer. Krick und Yanyshev testen eben diese Strecke. Im November soll das neue Buch erscheinen.

Die Vision dahinter: Der R 1 soll ein Gegenstück zum Europaradweg Eiserner Vorhang sein, der für einst Trennendes steht. „Wir wollen einen verbindenden Weg“, so Krick. „Unsere Väter haben noch aufeinander eingedroschen. Ildus und ich sind jetzt radfahrende Freunde.“

Der Weg soll die Menschen verbinden und vereinen

So machte sich der Babenhauser Anfang September auf die Reise nach Russland, im Gepäck sein Fahrrad mit Navigationsgerät und kiloweise Ausrüstung verteilt auf mehrere Radtaschen. Mittlerweile weiß Krick, was er für solche Abenteuer braucht. „Zwiebeltechnik ist bei der Bekleidung ein wichtiges Thema“, sagt er.

Inzwischen hat der Babenhauser bereits Hunderte Kilometer zurückgelegt. Über die sozialen Netzwerke informiert er Freunde und Bekannte über seine Erlebnisse, schickt Fotos von erdigen Straßen, Denkmälern, von einem Werkstattbesuch. In den Reiseberichten wird deutlich: Die Begegnungen sind es, die ihm besonders am Herzen liegen. So traf er etwa auf die Oberin eines Klosters, die den Gästen mit Fahrradhelmen prompt Piroschki (Teigtaschen) schenkte. Oder auf einen orangebekleideten Bautrupp, der gerade an einer Schnellstraße arbeitete und den Radlern verwundert zuwinkte. „Auf dem Rad ist man viel mehr zur Kommunikation gezwungen, als wenn man in einer Blechkiste sitzt“, findet der Unterallgäuer.

So sieht das Logo der Tour, die durch Europa führen soll, aus. Jedes Land, durch das die Radler kommen, ist mit einem Fähnchen und einer Figur vertreten.
Bild: Sabrina Schatz

Gänzlich unbekannt ist Krick und Yanyshev die Strecke nicht, auf der sie sich derzeit fortbewegen. Detlef Kaden habe mit Unterstützern vorab einen Entwurf des Tourenbuchs angefertigt, sagt Krick. Der Berliner sei die Strecke mit dem Auto abgefahren, habe Diktiergerät und Fahrrad dabei gehabt, GPS-Daten und Infos über Steigungen, Wegqualität und Sehenswertes gesammelt. Auch Menschen, die Servicepunkte für Fernradler anbieten wollen, galt – und gilt – es zu finden. Diese helfen etwa bei Radpannen oder bieten eine Waschmaschine an.

Noch sitzt Krick ein paar Tage lang im Sattel. Am 22. September will er nach Deutschland zurückfliegen. Zuvor werden sein Freund und er noch an einem Radkongress in Moskau teilnehmen. Auch ein Termin mit der Heinrich-Böll-Stiftung ist geplant. Denn auch andere sollen von der Idee des Europaradwegs, der zur Völkerverständigung beitragen soll, begeistert werden.

Lesen Sie außerdem einen Bericht über Martin Krick aus unserem Archiv: Auf dem Rad erfährt dieser Babenhauser Europa anders

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