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23.02.2018

Im Walzertakt geht alles leichter

André Rieu (rechts) in der Neu-Ulmer Ratiopharm-Arena.
Bild: A. Brücken

André Rieu in der Arena in Neu-Ulm

Es gibt Dinge, die scheinen außerhalb der Zeit zu liegen, weil sie sich nicht verändern. Ein Konzert des niederländischen Geigers André Rieu gehört zu diesen Konstanten. Das Publikum weiß genau, was es erwartet, und es liebt eben diese Qualität der Beständigkeit: Die künstlichen Blumen um den Bühnenrand sind so arrangiert wie immer; die geschwungenen Notenständer glänzen, die Musiker und die Musikerinnen in bonbonfarbenen, dem 19. Jahrhundert nachempfundenen Märchenprinzessinnen-Gewändern lassen die Bühne zu einem Farbenmeer werden. Und Rieu mit seiner Stradivari macht kein Hehl aus seiner Bewunderung für den Walzerkönig Johann Strauss: Mit Frack und Halsbinde samt Brosche versetzt er sein Publikum ins 19. Jahrhundert.

Es ist Feststimmung in der Ratiopharm-Arena: 4000 sind gekommen, um den zehnten Auftritt Rieus und seines Johann-Strauss-Orchesters in Neu-Ulm zu feiern. Und auch das gehört zum Ablauf: Viele Zuschauer unterschätzen Anfahrt und Parkplatzsuche an einem solchen Abend, kommen zu spät und müssen sich vom Künstler, der kritisch die rechte Augenbraue hochzieht, persönlich ansprechen und ein bisschen verspotten lassen. „Sie sind zu spät!“ Denn Disziplin ist dem Weltstar wichtig, und die erwartet Rieu von seinem Publikum genauso wie von seinen Künstlern. 100 Konzerte pro Jahr sind sonst nicht möglich.

Rieu hat über 500 Platin-Auszeichnungen erhalten und mehr als 40 Millionen CDs und DVDs verkauft. Für die Tournee 2018 versprach er, die schönsten Melodien der Musikliteratur auf die Konzertbühnen zu bringen, und seine Fans in der Arena begrüßen jede Ankündigung mit einem begeisterten „Oh!“. Romantik und viel Pathos prägen die erste Hälfte des Konzerts, während der die Platin Tenors – Gary Bennett aus Tasmanien, der Ungar Bela Mavrák und der Franzose Eric Reddet – Agustín Laras unvergessliches „Granada“ und Puccinis „Nessun dorma“ mit viel Energie interpretieren.

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Rieu bietet ein ganzes Dudelsack-Orchester auf, die „Barbarossa Pipes & Drums“ aus Sangershausen, mit denen Klarinettistin Manoe Konings ihre Fähigkeiten am Dudelsack unter Beweis stellt. Das schönste Kleid des Abends – und wahrscheinlich auch die emotionalste Interpretation – bringt Donij van Doorn mit „È strano“ aus der Verdi-Oper „La Traviata“ auf die Bühne.

Ohne Strauss und seine Walzer wäre kein Rieu-Konzert komplett, und dass die Fans zu „An der schönen blauen Donau“ tanzen, ist ein fester Programmpunkt. Auch Carl Orffs „O Fortuna“ aus den „Carmina burana“ gehört zu den berühmtesten Melodien der Musikliteratur, und alle Solisten interpretieren es gemeinsam mit ungeheurer Energie. Doch klingen die Worte des 68-jährigen Rieu authentisch, als er sagt, die Musik seinen Fans für schwierige Momente mitgeben zu wollen.

Um 22 Uhr schon das Ende? Die Fans, von denen etliche schon nach der Pause nicht mit Rieus Pünktlichkeit zurechtkamen und „Wart halt aweng!“ Richtung Bühne riefen, scheinen enttäuscht. Und der Geiger weiß, was er ihnen bieten muss: Gut eine halbe Stunde lang währt das Zugaben-Medley.

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