Klavierrezital

24.04.2012

Künstlerisch gereift

Vieles ist schon meisterlich, was Valentina Babor im Barocksaal einer begeisterten Zuhörerschar, darunter auch einigen Kindern, zum Besten gab.
Bild: Otto Mittelbach

Valentina Babor im Illertisser Barocksaal

Illertissen In der U-16-Sendung im vierten Programm des Bayerischen Rundfunks war sie am vergangenen Mittwoch zu einem Interview eingeladen und sagte dabei mehrmals, wie sehr sie sich auf das Konzert in Illertissen freue. Hier war Valentina Gabor schon mehrfach zu hören. Zuerst als aufsehenerregendes Talent und nun als gereifte künstlerische Persönlichkeit, die drauf und dran ist, sich eigenständig zu entwickeln.

Dabei fühlt sie sich in erster Linie dem virtuosen Repertoire zugetan, was im Großteil des Programms zum Ausdruck kam. Denn auch Altmeister Domenico Scarlatti, von dem sie, mit koketter Leichtigkeit bis zu festem Zupacken, fünf selten zu hörende Sonaten aus seinem riesigen Gesamtwerk vorstellte, hat neben seinem melodischen und stilistischen Einfallsreichtum der Klaviertechnik viele Neuerungen hinzufügt, die ganz schön haarig sein können. Die spanische Königin Anna Barbara, seine Schülerin, für die er das alles schrieb, muss eine tüchtige Pianistin gewesen sein.

Valentina Babor meisterte auch die heiklen Übergriffe mit Eleganz und spürte dem Charme dieser, italienische Leichtigkeit mit spanischem Lokalkolorit verbindenden Schöpfungen hingebungsvoll nach. Ihr Beethoven-Bild – in den c–Moll-Akkord der „Pathetique“ stürzte sie sich geradezu hinein um die späteren Gegensätze gelegentlich zu übertreiben – ist sehr persönlich geprägt und unterscheidet sich deutlich von der klassischen Tradition, weil mehr auf die Hervorhebung wichtiger Einzelheiten fixiert. Die von indonesischer Gamelanmusik beeinflussten „Pagodes“ Claude Debussys aus den „Estampes“ führten in ganz eigene Klangsphären, deren Schönheit die Pianistin genüsslich auskostete. In spanischen Gitarren- und Kastagnettenwirbeln verpflichteten „La Soirée dans Grenade“, dagegen triumphierte der leidenschaftliche Schwung über die detaillierte Feinzeichnung. Weil sie Schuberts Wanderer-Fantasie hier schon einmal gespielt hatte, setzte sie das Programm nach der Pause mit Franz Liszts „Variationen über Weinen und Klagen“ fort. Sie zeigte damit, was ihren Neigungen wohl am Besten entspricht: Technische Schwierigkeiten zu meistern, heftigem Oktaven-Tasten-Donnern wunderschön herausgearbeitete lyrische Passagen entgegenzusetzen, mächtige Steigerungen aufzubauen, das ist ihre Welt. In hymnischer Größe erwuchs der Schlusschoral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“. Als Höhepunkt folgte die zweite ungarische Rhapsodie, in der sich, rasant, mit frischer, mitreißender Begeisterung gespielt, voluminöse Cymbalklänge und Glöckchen ähnelnde Tonrepetitionen im Diskant mischten, bis der entfesselte musikantische Schwung zu einem nicht mehr steigerungsfähigen Furioso führte. Orkanartiger Beifall!

Als Zugabe folgte der nicht minder bravouröse dritte Satz aus den „Danzas Argentinas“ von Alberto E. Ginastera und zum Schluss Chopins inniges cis-Moll-Nocturne opus posthumus.

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