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Illertissen

23.10.2016

Mal ruppiger Tonfall, mal Dahinschwelgen

Hisako Kawamura und Maximilian Hornung bringen mit ihrem Spiel den Saal zum Vibrieren, das Publikum war entzückt von soviel Klangschönheit.

 Der Cellist Maximilian Hornung   und Hisako Kawamura am Klavier faszinieren mit ihrem facettenreichen Spiel die Besucher in der Historischen Schranne

Das Violoncello gilt unter den Instrumenten als dasjenige mit der menschlichen Stimme. Maximilian Hornung, junger Star auf internationaler Bühne, hat beim fünften Konzert des Festivals für Nachwuchskünstler in Illertissen dem begeisterten Publikum virtuose Stimmenvielfalt vom ruppigen Ton bis zur Schwelgerei vorgeführt. Der Cellist wurde von Hisako Kawamura am Flügel ausgesprochen konzertant begleitet. Dabei wusste die Pianistin, im passenden Moment kurzzeitig die Führung zu übernehmen, um sich dann wieder spielerisch hinter das Cello zu stellen. Seit drei Jahren sind sie ein künstlerisches Team.

Die Schranne war ausverkauft und die Erwartungen an den aus der Region stammenden Cellisten hoch. Er entsprach ihnen mit einem spannungsgeladenen Programm. Es begann mit der G-moll-Sonate, opus 5 Nr. 2 von Ludwig van Beethoven für Violoncello und Klavier, und endete mit der Sonate in G-moll, opus 19, für Violoncello und Klavier des Komponisten Sergei Rachmaninow (1873-1943).

Den Konzertabend begannen die Künstler mit vehementem Auftaktspiel für das „Adgio sostenuto ed espresivo“, jedes Instrument mit eigenen Themen. In dessen Verlauf beeindruckte das Cello mit überaus weich gestrichenen, doch bestimmenden Melodien, im Kontrast zu rollenden Triolen am Klavier. Versonnene Phrasen wechseln mit entfesseltem Spiel – „Beethoven konnte sehr ruppig sein“, sagte Hornung im anschließenden Gespräch. Die Sonate endet mit einem Rondo, wofür der Solist mit seinem Cello zu tanzen schien, dessen Bogenstriche hüpften oder bremsten und den flinken Fingern das Tempo vorgaben.

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Mittelstück des Konzerts bildeten fünf Romanzen, die Wilhelm Killmayer (geboren 1927) im Jahr 1989 geschrieben hat. Ihm habe das Stück gefallen, so Hornung, weil „wie im täglichen Leben ernste und humorvolle Momente dicht aufeineinander folgen“. Die technisch anspruchsvollen Sätze mit unberechenbaren, sprunghaften Harmoniefolgen schienen dem Cellisten gelegen, um das Klangspektrum seines Instruments auszukosten. Er brachte die Bässe zum Vibrieren, Flageoletttöne zum Schweben oder mit Fingerkuppen das Celloholz zum Schwingen. Zwischendurch drehte Hornung seinen Kopf amüsiert zur Seite, als wollte er mit dem grummelnden oder singenden Korpus kokettieren.

Für Rachmaninows abschließende G-Moll- Sonate war Schwelgen in den höchsten Tönen und wildesten Klangfarben ein „Muss“, was Cello und Klavier zum Dahinschmelzen gelang – ohne in Kitsch abzudriften. Die Künstler versetzten ihre Zuhörer in oppulente Klangwelten, die mit einer Romanze von Alexander Skrjabin nach leidenschaftlichem Applaus ihren Abschluss fand. (lor)

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