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Vöhringen

03.05.2020

Mit Janson verlässt ein großer Mann das Vöhringer Rathaus

24 Jahre lang Karl Janson an der Spitze Vöhringens. „Es war eine erfüllte Zeit“, sagt der nun ehemalige Bürgermeister.
Bild: Ursula Katharina Balken

Plus Fast ein Vierteljahrhundert war Karl Janson Bürgermeister der Stadt Vöhringen. Mit diesen Projekten hat er den Ort geprägt.

Die Nacht ist längst hereingebrochen. Auf dem Schreibtisch liegen nur noch wenige Unterlagen, Karl Janson blättert sie durch, sortiert sie in einen Ordner. Gegen 22.30 steht er auf, nimmt Autoschlüssel und Handy und schließt die Tür zu seinem Amtszimmer, das 24 Jahre seine Arbeitsheimat war. Ein kurzer Blick zurück, dann ist die Tür zu. Gefühle nach außen zu zeigen, ist nicht die Art von Janson, der jetzt Bürgermeister a. D. – außer Dienst – ist. So steigt er in sein Auto, wie er es jeden Abend getan hat, wenn sein Arbeitstag zu Ende war. Ein Rückblick auf seine Amtszeit.

Einen Acht-Stunden-Tag gibt es für Bürgermeister nicht

Er hat nicht Buch darüber geführt, wie viele Stunden er als Bürgermeister im Dienst war, wie viele Sitzungen er geleitet und wie viele Gespräche er geführt hat. Ein Acht-Stunden-Tag? Davon konnte er nur träumen, mehr als eine Woche Urlaub und selbst dort stets mit dem Rathaus verbunden, waren Wunschvorstellungen, von denen er hofft, sie sich jetzt erfüllen zu können.

Was war ihm in den vielen Jahren besonders wichtig? „Das Gespräch mit dem Bürger, meine Tür war immer offen.“ Wenngleich er auch eingesteht, dass man nicht so einfach ins Amtszimmer platzen konnte. Eine terminliche Absprache, die über das Vorzimmer lief, wurde schon wegen der Vielfalt der Termine nötig.

Janson wollte ein "gläsernes Rathaus" schaffen

Ein Blick zurück. Wie war sein erster Arbeitstag? Da muss Janson nicht lange nachdenken. „Vor 24 Jahren gab es gewisse Reibungen mit der Nachbarstadt Senden über die Grenzziehung des Wasserschutzgebietes.“ Er konnte sie zur Zufriedenheit beider Kommunen beilegen. Viel Zeit zum Einarbeiten hatte er nicht. Für ihn war es ein Sprung ins kalte Wasser, das für ihn als Juristen nicht ganz so kalt gewesen sei. Da war Arbeiten mit System gefragt. „Die Schaffung eines gläsernen Rathauses war mir ein Anliegen“, sagt Janons. So wurde das Bürgerbüro geboren.

In seine Anfangszeit fällt auch der Bau des Autobahnzubringers, der dringend notwendig war, um die beiden Ortsteile Illerberg und Thal vom hohen Verkehrsaufkommen zu entlasteten. So sehr die Ortsumgehung und Zubringer auch gewünscht wurden, so schwierig war es, mit den Grundstücksbesitzern klarzukommen. Dass 99 Prozent aller Streitfälle durch persönliche Gespräche zu einem guten Ende gebracht wurden und dadurch gerichtliche Auseinandersetzungen den Beteiligten erspart blieben, erwähnt Janson nicht ohne Stolz.

Vieles ist in Jansons Amtszeit passiert, um der Stadt mehr Gewicht zu verleihen. So hatte Janson – und war sich da mit dem Stadtrat einig – die Entwicklung der Innenstadt im Visier. Die Stufen am Mühlbach bei der Pizzeria Taormina werden, vor allem zur Sommerzeit, gerne angenommen, um dort ein Eis zu essen und dabei die Sonne zu genießen. Dazu trägt auch die Neugestaltung des „Kirchplatzes“ bei, der bei Festen für die Bürger zu einem beliebten Treffpunkt geworden ist. Wohnungsbau möglich zu machen, Gewerbe anzusiedeln, vor allem eine gute Infrastruktur im Bereich Bildung und Betreuung zu schaffen, sind Pluspunkte in der Bilanz. Kultur hatte bei Janson einen hohen Stellenwert. Bei den Vöhringer Lesungen waren Autoren zu Gast, die man auch im Fernsehen oft als Gesprächspartner sieht.

Städtepartnerschaften waren Janson wichtig

Janson wollte, dass man in Vöhringen in einem geeinten Europa mit all seinen Schwierigkeiten doch über den Tellerrand hinaus blickt. Daher war und ist er ein Verfechter der Städtepartnerschaften mit Hettstedt, Vizille in Frankreich und Venaria Reale in Italien. Aber was wäre das alles ohne das rege Vereinsleben. „Vereine sind Kitt der Gesellschaft“, sagt Janson. Aber sie sind auch ein Faktor, der eine Stadt als Wohnort attraktiv macht.

In seinem persönlichen Resümee sagt Janson, „Ich war gerne Bürgermeister.“ Wehmut empfinde er keine, „denn der Wechsel gehört zur Demokratie.“ Die Themenvielfalt mache das Amt interessant, dazu die vielen Begegnungen. Und man trage schon eine große Verantwortung. Wenn kritisiert wurde, Janson brauche für Entscheidungen oft lange, dann kann er dem nur entgegenhalten: „Ich bin Jurist.“ Damit sei eigentlich alles gesagt. Denn rechtskundig wie er war und ist, musste bei Problemen das Für und Wider genau abgewogen und alle Seiten beleuchtet werden. Und manches brauchte da eben seine Zeit.

Janson betont, er sei dankbar, denn er habe auch viel Erfreuliches von den Bürgern zurückbekommen, „es war eine erfüllte Zeit.“

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