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Tiefenbach

20.05.2019

Nach IZ-Voting: Geschichten rund um den schönsten Maibaum in der Region

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Der Dank für die Mühe ist ein Maibaum, auf den alle sichtlich stolz sind.
Bild: Alexander Kaya

Seit etlichen Jahren wird in der Tiefenbacher Ortsmitte ein Maibaum der Vereine aufgestellt. Während dieser Zeit hat sich vieles gewandelt, wie einige Dorfbewohner wissen.

Das ist er also: der schönste Maibaum in der Region zwischen Iller, Roth und Günz. Der Tiefenbacher Maibaum. Etwa 25 Meter ist er hoch, mit Kränzen, Girlanden und einer imposanten Baumkrone geschmückt. Aber es liegt wohl nicht nur an der Höhe und den optischen Reizen, dass das Maibaum-Foto von Georg Kreppold im IZ-Wettbewerb, wie berichtet, buchstäblich die „Spitze“ vorne hatte (mehr als 1000 Leser stimmten für den Baum). Denn der Tiefenbacher Maibaum hat viel mehr zu bieten – vor allem eine lange Tradition.

Vereinsringvorsitzender Gerhard Leopold weiß das aus eigener Erfahrung. Er war beispielsweise schon in den 1960er-Jahren dabei, als der Maibaum noch mit Stangen in die Höhe gestemmt wurde. „Für uns Kinder war das natürlich ein Ereignis“, sagt der Tiefenbacher. „Die Feuerwehrler haben uns sogar weggejagt, weil wir im Weg standen und zugeguckt haben.“ Ein schwarz-weißes Foto aus dem Jahr 1961 zeigt dieses Brauchtum.

Auch damals haben schon etliche Ehrenamtliche, vor allem die Feuerwehrleute, mitgeholfen. Und neben den Kindern seien auch viele Bürger dazugekommen, um sich das Spektakel anzusehen, so Leopold. Margaretha Holl von der Tiefenbacher Singgemeinschaft erinnert sich ebenfalls noch gut an diese aufregenden Zeiten. „Es war ja sonst nichts los“, sagt sie und lacht. Dann sei das natürlich spannend gewesen.

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Früher wurde der Maibaum mithilfe von Stangen aufgestellt

Rund 800 Menschen lebten zu jener Zeit in dem Dorf, welches in den 1960er-Jahren noch nicht zur Stadt Illertissen gehörte. Nach und nach entwickelte sich die Tradition um das Stellen des imposanten Maibaums weiter und so wurden 1992 Schilder an den Stamm angebracht, die an die beteiligten Vereine im Ort erinnern. Alle wurden verewigt, mittlerweile zieren zehn dieser Wappen den Stamm des Baumes: das der Feuerwehr, der Schützen, der Singgemeinschaft, des Sportvereins, des Turn- und Sportvereins, der Musikvereinigung, des Obst- und Gartenbauvereins, des Soldaten- und Kameradschaftsvereins, der Pferdesportgemeinschaft und des Tennisklubs. „Das Ziel war, die Dorfgemeinschaft zusammenzuführen – von Jung bis Alt. Das war ein großes Anliegen. Alle Vereine waren dabei“, erzählt Leopold, der seit fast 20 Jahren das Amt des Vorsitzenden des Vereinsrings innehat.

Beim Fest zum Start in den Mai war einiges geboten: Die Mitglieder der Singgemeinschaft und Kindergartenkinder sorgten für Musik.
Bild: Sammlung Holl

Normalerweise seien Maibäume ein Zeichen für das Handwerk gewesen, erklärt er, und das des Gewerbes. Da es in Tiefenbach früher aber nur einen Schmied gab, kam die Idee auf, die Schilder für die Vereine anzuschaffen. „Die Vereine sind schließlich das Bindeglied des Ortes.“ Zuvor sei der Maibaum immer nackt, also ohne Wappen, aufgestellt worden.

Die Schilder, die heute noch den Baum schmücken, seien ganz besondere, weiß Leopold. Ernst Sander aus Au zeichnete die Entwürfe, Max Bürzle, seinerzeit Zweiter Vorsitzender des Vereinsrings und Maler, fertigte die Wappen in detailreicher Arbeit an. Bürzle war es auch, der den Spruch, der heute noch in der Mitte des Baumes prangt, niederschrieb – ein Maiengruß, der an die Gemeinschaft erinnert.

Ebenfalls unverändert ist der Standort des Baumes in der Ortsmitte gegenüber der Kirche St. Antonius direkt an der Straße. Letzteres war auch der Grund, weshalb das Fest zum Start in den Mai vor einigen Jahren auf das Gelände am Bürgermeister-Bürzle-Haus verlegt wurde. Ganz einfach aus Sicherheitsgründen, sagt Leopold. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können, wenn Kinder, ohne auf Autos zu achten, auf die viel befahrene Straße gerannt wären. Zum Glück sei nie etwas Schlimmes passiert und seit ein paar Jahren seien die Tiefenbacher über die Stadt Illertissen versichert, was den Maibaum angeht. Die Stadt hafte dann.

Der schönste Maibaum in der Region: In unserem IZ-Voting hat der Tiefenbacher Maibaum deutlich gewonnen.
Bild: Alexander Kaya

In Erinnerung geblieben ist Leopold eine Anekdote aus dem Jahr 2009. Damals ist der Tiefenbacher Maibaum von jungen Burschen, wie er sagt, gestohlen worden. An seiner Haustür fand er lediglich einen Zettel, auf dem stand, dass weitere Anweisungen beim Dorfladen folgen würden. Alles ging gut: Der Baumstamm wurde zurückgegeben – im Gegenzug bekamen die jungen Männer Bier und ein Spanferkel spendiert. Auch die IZ berichtete damals über den Maibaum-Klau. Seitdem sind zehn Jahre vergangen.

Dank für die Mühe ist ein Maibaum, auf den alle stolz sind

Die Wappen zieren immer noch den Stamm des Maibaums und die Menschen kommen in Tiefenbach immer noch gerne zusammen, um in den Mai zu feiern. Doch gelingen könne das nur, wenn ein Team aus vielen Mitgliedern der verschiedenen Vereine dahinterstehe, sagt Leopold, der betont, dass etliche Menschen daran beteiligt sind, vor allem Raimund Bürzle von der Feuerwehr. „Das alles geht nur mit Zusammenhalt und wenn man zusammen hilft.“

Erwähnenswert sind da auch die rund zehn engagierten Frauen, die in der Woche vor dem 1. Mai den Stamm mit Girlanden schmückten und die Kränze flochten. Ohne die Helferinnen sei der Maibaum in dieser Form gar nicht möglich gewesen. Doch auch die Tiefenbacher sind nicht vor den üblichen Vereinsproblemen sicher: Noch könne man das alles stemmen, sagt Leopold. Aber wie lange noch? Die Jungen würden oft wegziehen aufgrund des Studiums oder des Berufs, neue Ehrenamtliche finde man sehr schwer.

Nichtsdestotrotz haben die Freiwilligen in Tiefenbach gezeigt, was alles möglich ist: Feuerwehrleute haben unter anderem für die nötige Sicherheit beim Aufstellen gesorgt, hochgezogen wurde der Baum von einem Kran, den die Stadt Illertissen laut Leopold angefordert hatte. Um Musik während des Fests kümmerten sich die Singgemeinschaft und Kindergartenkinder. Die Bewirtung der Besucher übernahmen die Vereine – sie wechseln sich ab. Ein Modell, das funktioniert. Und der Dank für die Mühe ist ein Maibaum, auf den alle sichtlich stolz sind.

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