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Unterallgäu

04.12.2019

Pflegebedürftige sollen leichter Hilfe im Haushalt finden

Pflegebedürftige sollen Hilfe im Haushalt bekommen.
Bild: Axel Hechelmann (Archivbild)

Ein Dienstleistungszentrum für den gesamten Landkreis Unterallgäu soll entstehen. Was die Ziele sind.

Pflegekräfte sind das eine. Doch wenn jemand pflegebedürftig und zudem alleinstehend ist oder die Familie weit weg, er aber trotzdem in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben will, braucht er in der Regel auch Hilfe im Haushalt. Diese will künftig das Dienstleistungszentrum Unterallgäu mit Sitz in Erkheim vermitteln.

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Dort wurde 2015 über ein Projekt des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten das „Dienstleistungszentrum Erkheim“ aufgebaut, das den Bedarf Pflegebedürftiger an hauswirtschaftlichen Dienstleistungen im eigenen Zuhause decken sollte. Weil die Förderung nun ausläuft und auch der Markt Erkheim das Projekt nicht weiterfinanzieren will, gleichzeitig aber landkreisweit der Bedarf an hauswirtschaftlichen Dienstleistungen steigt, entstand die Idee, einen Träger zu suchen und das Erkheimer Dienstleistungszentrum in eines für das gesamte Unterallgäu umzuwandeln. Das entspricht auch dem Grundsatz des Landkreises „ambulant vor stationär“. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es für das Projekt eine Leader-Förderung aus EU-Mitteln gibt.

Ist das der Fall, will der Landkreis das Projekt von 2020 bis 2022 mit maximal 16448 Euro unterstützen. Das haben die Mitglieder des Kreisausschusses vor Kurzem beschlossen, nachdem Selin Overbeck und Hubert Plepla (Landratsamt) und Josef Schmelcher (Ambulante Krankenpflege Unterallgäu) das Vorhaben vorgestellt hatten. Zehn Prozent der in dieser Zeit anfallenden Gesamtkosten in Höhe von rund 132500 Euro übernimmt der Träger, die Ambulante Krankenpflege Unterallgäu, selbst. Sie rechnet mit einem Leader-Zuschuss von rund 28600 Euro und Einnahmen in Höhe von 74200 Euro. Nach den drei Jahren soll sich das Projekt selbst tragen. Die Räume stellt Erkheim mietfrei zur Verfügung.

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Vorgesehen ist, dass hauptamtliche Fachkräfte ehrenamtliche Helfer schulen, unterstützen und die Einsätze koordinieren. Es gelte der Grundsatz Ehrenamt vor Hauptamt, so Plepla. Neben den reinen haushaltswirtschaftlichen Leistungen sei vor allem die Alltagsbegleitung ein zentrales Angebot des Dienstleistungszentrums. „Die Ehrenamtlichen sollen kleinere Haushaltsaufgaben gemeinsam mit dem Betroffenen erledigen, wodurch dieser vor allem eine wertschätzende Kommunikation und eine verständnisvolle Fürsorge erleben darf“, so Plepla. Dadurch würden bestehende Initiativen wie die Nachbarschaftshilfen ergänzt. Pflegebedürftige ab Pflegegrad eins müssen für die Leistungen nicht selbst aufkommen, sondern können den Entlastungsbetrag der Pflegekassen in Höhe von 125 Euro monatlich in Anspruch nehmen.

Inhaltlich hat das Leader-Entscheidungsgremium dem Projekt zugestimmt. Sobald ausreichend Fördermittel zur Verfügung stehen, fällt ein endgültiger Beschluss.

Die Kreisräte begrüßten das Vorhaben, befürchteten teils aber auch, dass anderen Angeboten wie dem Familienpflegewerk, den Dorfhelferinnen oder der Nachbarschaftshilfe das Wasser abgegraben werden könnte. Diese Sorge ist laut Plepla unbegründet. So übernehme die Nachbarschaftshilfe in der Regel keine Reinigungsleistungen und das Familienpflegewerk sei für Familien zuständig und habe auch keine Kapazitäten, um sich um alleinstehende Pflegebedürftige zu kümmern. Er geht im Gegenteil davon aus, dass das Zentrum die bestehenden Angebote ergänzen kann. Diese Absicht ist ausdrücklich im Beschluss festgehalten, in dem es heißt, dass mit dem Aufbau des Dienstleistungszentrums bestehende Initiativen ergänzt, aber keine Konkurrenzsituation eröffnet werden soll.

Offen ist, ob sich genügend Ehrenamtliche finden, die den Pflegebedürftigen helfen wollen. „Aber wenn wir’s nicht versuchen, vertun wir eine große Chance“, so Plepla.

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