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Unterallgäu

19.05.2018

Prozess: Unterallgäuer bringt Bankkunden um Erspartes

Ein 31-Jähriger musste sich vor Gericht verantworten.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Ein junger Mann hat mit getürkten E-Mails Geheimnummern gesammelt. Die Tat wird ihn noch über Jahre hinweg verfolgen.

Die Geschichte beginnt im Darknet, der dunklen Seite des Internets. Mehrere junge Männer lernen sich dort kennen, laden erst nur Filme herunter, chatten miteinander. „Und dann ist man immer tiefer reingesunken“, versucht ein 31-jähriger Unterallgäuer vor dem Schöffengericht das zu erklären, was sich eigentlich keiner so recht erklären kann: Wie nur sind sie vor vier Jahren auf die Idee gekommen, sich im Darknet E-Mail-Adressen zu besorgen und den Besitzern täuschend echte Nachrichten ihrer jeweiligen Bank zu schicken? Wie auf die Geschichte von der Sicherheitsüberprüfung, mit der sie ihre Opfer auf eine ebenfalls fingierte Homepage der Bank lotsten? Dort mussten sie ihre Pin für das Telefon-Banking eingeben – andernfalls wurde mit einem Verwarnungsgeld von bis zu 14,99 Euro gedroht. Mit der Pin haben die jungen Männer dann Geld von den Konten ihrer Opfer abgehoben und es an Finanzagenten überwiesen, um Spuren zu verwischen.

Wie in der Verhandlung deutlich wird, waren diese Spuren ohnehin schwer zu verfolgen: Die jungen Männer benutzen Decknamen, einige halten sich im Ausland auf. Auch auf die Fährte des Unterallgäuers kamen die Ermittler nur aus Zufall: Als sie das Handy eines anderen Verdächtigen untersuchten, entdeckten sie auf Fotos das Auto des jungen Mannes.

Dieser war als gelernter Fachinformatiker für die Phising-Mails und die falschen Homepages zuständig. Ein anderer übernahm das Telefon-Banking, ein Vierter akquirierte die sogenannten Finanzagenten, die das Geld auf Konten entgegennahmen, abhoben und dem Quartett teils bar auszahlten oder es in Form der Kryptowährung Bitcoin weiterüberwiesen. Die Beute wurde hierarchisch aufgeteilt.

Aus Sicht des Unterallgäuers besonders bitter: Er erhielt zwar nur zehn Prozent der mehr als 61000 Euro, welche die Bande binnen Monate insgesamt erbeutet hatte, muss nun aber – da die anderen Täter nicht greifbar sind oder es bei ihnen nichts zu holen gibt – allein für den entstandenen Schaden aufkommen.

Er hat bereits einen Kredit über 40000 Euro aufgenommen und mehr als 12600 Euro an einige Opfer zurückbezahlt. Außerdem hat er ein umfassendes Geständnis abgelegt, dabei mehr zugegeben, als ihm nachzuweisen gewesen wäre, dem Gericht so eine schwierige Beweisaufnahme erspart.

Das werden später sowohl die Staatsanwältin als auch der vorsitzende Richter Nicolai Braun und die zwei Schöffen honorieren. Im Rahmen einer Verständigung haben sie dem Mann, der vorher nie straffällig geworden ist, bereits eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren in Aussicht gestellt. In der Verhandlung wiederholt Verteidiger deshalb das Geständnis seines Mandanten, mit dem er erheblich zur Aufklärung der insgesamt 19 Betrugsfälle beigetragen habe. Er fordert eine maximale Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. Schließlich habe sein Mandant „nach hinten aufgeräumt und die Zukunft schaut gut aus“.

Die Staatsanwältin sah das ähnlich, forderte aber wegen der vielen Taten, der Schadenssumme und vor allem der „extremen kriminellen Energie“ der jungen Männer eine um drei Monate längere Haftstrafe. Außerdem sollte der Mann neben dem Restschaden als Bewährungsauflage weitere 5000 Euro zahlen.

Nach Ansicht von Richter Nicolai Braun ist letzteres unnötig. Die Begleichung des Restschadens in Höhe von 46600 Euro werde den Vater zweier Kinder noch viele Jahre belasten und an die Tat erinnern. Auch er spricht von „erheblicher krimineller Energie“, hält dem Angeklagten aber zugute, dass er sich seither nichts mehr zuschulden kommen ließ. Er verurteilt ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. „Das war der schlimmste Fehler in meinem Leben“, hat der Angeklagte zuvor gesagt. „Ich habe mein Leben komplett verändert.“

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