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Vöhringen

13.10.2020

Schauspielerin Muriel Baumeister: Das Bekenntnis zur Sucht war ihre Rettung

Rote Teppiche ist die Schauspielerin gewöhnt. Unser Bild zeigt sie bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises Lola im vorletzten Jahr.

Plus Muriel Baumeister berichtet in ihrem Buch über ihre Alkoholsucht und wie sie sich davon befreite. In Vöhringen liest sie demnächst daraus. Ein Vorgeschmack.

Muriel Baumeister nennt sich selbst „ein Stehaufweiberl“, eine charmante Umschreibung für eine Frau, die physisch und psychisch am Boden lag und dennoch den mühsamen Weg zurück nach oben geschafft hat. In ihrer Biografie spricht sie offen über ihre Alkoholsucht, Freunde, die dann doch nicht zu ihr hielten und wie es ist, zum Opfer der Boulevard-Presse zu werden.

Die aus Österreich stammende und jetzt in Berlin lebende Schauspielerin mobilisierte Willen und Kraft nach ihrem Lebensmotto „was ich will, das schaffe ich auch.“ Und sie wollte es schaffen, fort vom „bösen Freund Alkohol“, der das Leben der Mutter von drei Kindern beinahe ruiniert hätte. Sie hat ein Buch geschrieben und nennt es „Hinfallen ist keine Schande, nur Liegenbleiben.“ Am Kampf gegen den verführerischen Inhalt der Flaschen ohne Verfallsdatum lässt die Schauspielerin die Besucher der „Vöhringer Lesung“ teilhaben, die am Samstag, 24. Oktober, 19 Uhr, im Wolfgang-Eychmüller-Haus stattfindet.

Als Schauspielerin hatte sie früh Erfolg

Muriel Baumeister, für ihr Talent und ihre Wandlungsfähigkeit mehrfach ausgezeichnet, will Mut machen. Über ihre Erfahrungen und Rückschläge sprechen und wie es sich anfühlt, wenn man unten in einem tiefen Loch angekommen ist und plötzlich wieder das Licht des Tages wahrnimmt und das glitzernde Funkeln der Sterne. Denn dafür war man als Alkoholikerin blind, alles was zählte, war der Schluck aus der Flasche. In diesem Gespräch, das sie zwischen zwei Leseterminen führt, beschönigt sie nichts, gibt sich offen und versucht erst gar nicht, die Sucht zu entschuldigen, nach Gründen zu suchen, wenngleich sie auch auf der Hand liegen.

Sie ist gut im Geschäft, erhielt bereits 1993 die „Goldene Kamera“ als beste Nachwuchsdarstellerin, war in beliebten Serien wie „Traumschiff“ oder „Ein Haus in der Toskana“ zu sehen und steht mit Jan Josef Liefers und Götz George vor der Kamera – Rollen, in denen sie wie immer alles gibt. Nebenbei versorgt sie als Alleinerziehende ihre Familie mit drei Kindern. Was anfangs wie Entspannung wirkt, ein Gläschen hier und dort, entwickelt sich zur Gewohnheit, die sich aber nicht so leicht ablegen lässt, wie den Haaren eine andere Farbe zu geben. Sie sucht Hilfe und findet nach längerem Suchen einen Arzt und Therapeuten, der sie auf ihrem beschwerlichen Weg begleitet. Dass sie für einige Menschen aus ihrem Umfeld abgeschrieben war, kann sie verkraften.

Die Erkenntnis kommt nach einem Verkehrsunfall

Aber was sie im Nachhinein noch kränkt, waren die Schlagzeilen der größten Boulevard-Zeitung im Land, die sie permanent über sich ergehen lassen muss. Die Erkenntnis, dass sich in ihrem Leben etwas ändern müsse, kommt an einem Tag im Oktober 2016, als sie mit 1,45 Promille gegen eine Leitplanke donnert.

Mut machen, ihre Erfahrungen, Rückschläge und das hoffnungsvolle Gefühl, es geht aufwärts, man ist wieder gefragt, packte sie in das Buch. In Supermärkten mit opulentem alkoholischem Angebot geht sie jetzt vorbei, ohne die Flaschen nur eines Blickes zu würdigen. Sie rührt Alkohol nicht mehr an. Wie sie es gemacht hat? Darüber schweigt sie sich aus und bekennt mit entwaffnender Offenheit „Das sollen die Menschen ja in meinem Buch lesen“ und lacht. Selbst durchs Telefon wird offenbar, dass Muriel Baumeister ein Mensch mit Humor ist.

Baumeister: "Die Bild hat mich totgeschrieben."

Die Zäsur für sie kam damals plötzlich und unerwartet. „Ja, ich hatte keinen Führerschein, habe ihn aber wieder. Aber das Schlimmste waren die Boulevard-Blätter, vor allem die mit dem kurzen Namen mit den übergroßen Buchstaben. Ein Jahr lang wurde geschrieben und geschrieben. Das Blatt hat mich sprichwörtlich tot geschrieben.“ Da bricht sich ein bisschen Bitterkeit Bahn. Offen spricht sie darüber, wie sie sich mit professioneller Hilfe aus dem Teufelskreis zu befreien suchte. Menschen, von denen sie dachte, es seien Freunde, wandten sich ab. Andere dagegen standen zu ihr und zeigten ihr, was Menschsein bedeutete.

Und dann geschah etwas Merkwürdiges. „Nicht ich ging auf einen Verlag zu, um mein Manuskript zu offerieren. Der Eden-Verlag bekundete seinerseits Interesse und kam zu mir.“ Denn dass sie eine Lebensbiografie schrieb, war bekannt. Auch denkt sie an die Zukunft, an neue Projekte, auf die sich ihre Fan-Gemeinde freuen darf. Sie macht Lesereisen, spielt Theater und hat auch fürs Fernsehen etwas in petto. Bis jetzt seien ihre Lesungen gut angenommen worden, sie merkt es an den Gesprächen, die sich an den Abenden entwickeln.

Karten für die Lesung am Samstag, 24. Oktober, 19 Uhr im Wolfgang-Eychmüller-Haus gibt es im Vorverkauf. Sie sind bei der VR-Bank Vöhringen, in Neu-Ulm bei Blende 22, in Ulm im Service-Center Neue Mitte, in Illertissen bei Buch & Musik, in Senden in der Bücherwelt und unter www.reservix.de zu haben.

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Muriel Baumeister: "Hinfallen ist keine Schande"

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