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30.11.2017

Wenn es im Advent plötzlich klopft

Morgens an die Türen klopfen – so wie Maria und Josef auf Herbergssuche in dieser Krippenszene: Das ist der Sinn eines viele Jahrhunderte alten Brauchs zur Adventszeit, der in manchen Orten heute noch gepflegt wird.
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Morgens an die Türen klopfen – so wie Maria und Josef auf Herbergssuche in dieser Krippenszene: Das ist der Sinn eines viele Jahrhunderte alten Brauchs zur Adventszeit, der in manchen Orten heute noch gepflegt wird.
Bild: IZ-Archiv

Brauchtum Eine Tradition aus dem 15. Jahrhundert gibt es in manchen Orten der Region noch heute. Ihr Ziel ist es, die Menschen zeitig wachzurütteln. Was es damit auf sich hat

Illertissen Die Region war früher eine Quelle vieler Traditionen: Zahlreiche Bräuche wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Viele hatten einen zutiefst christlichen Ursprung. Mehrere sind im Lauf der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, andere haben bis heute überlebt. Ein Brauch aus der Adventszeit ist das sogenannte Klopfen.

Aus der weitverbreiteten Not vergangener Zeiten hat sich im schwäbischen und bayerischen Raum bereits im 15. Jahrhundert die Sitte des Anklopfens geformt. Um die Bevölkerung in der Adventszeit zur adventlichen Roratemesse (sie werden in der Adventszeit meist vor dem Sonnenaufgang abgehalten) um 6 Uhr zu wecken, gingen Nachbarn von Haus zu Haus und klopften mit einem kleinen Hämmerchen an die geschlossenen Fensterläden. Als Dank hierfür erhielt der Klopfer Gaben in Form von Obst oder Gemüse, welches er sich ansonsten mitunter nur schwerlich leisten konnte. Denn nicht alle Dorfbewohner verfügten früher über einen eigenen Garten und waren daher auf Spenden angewiesen. Dazu kam, dass der Geber sich von dieser guten Tat begünstigende Einflüsse auf sein Seelenheil erhoffte.

Der Brauch veränderte sich über die Zeit: Statt Erwachsener bewegten sich zunehmend Kinder frühmorgens durch die Straßen. Das Anklopfen wurde ergänzt durch Segenswünsche – diese wurden durch einen „reinen Kindermund“ überbracht, als wertvoller angesehen als von einem Erwachsenen ausgesprochen. Auch hierfür wurden dann Gaben überreicht, die in den meisten Familien damals nicht alltäglich waren.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem danach ständig wachsenden Wohlstand geriet der Brauch des Anklopfens immer mehr in Vergessenheit. Die meisten Leute hatten es nicht nötig, um Obst und Gemüse zu betteln. Nichtsdestotrotz überlebte die historische Sitte in manchen Orten – oder wurde dort durch traditionsbewusste Bürger wieder neu etabliert. Dabei wandelten sich neben den überreichten Gaben auch die aufgesagten Sprüche.

So wurde aus frommen Segenswünschen durchaus mal eine eindeutige Aufforderung. So wie diese eine bekannte, die zur Adventszeit noch vor wenigen Jahren im Bucher Ortsteil Obenhausen stets zu hören war:

Klopfa, klopfa, Hämmerle

D’Baire gat ins Kämmerle

Holat Äpfl und Bira ra

Dass ma ka ’vergeltsgott’ sa

Heutzutage wird der sogenannte Klopferstag noch in Rennertshofen und in Unterwiesenbach begangen. Vielfach haben sich jedoch die Gaben gewandelt: Statt besagter Äpfel und Birnen finden sich in den Taschen der Klopfer in erster Linie Schokolade und andere Süßigkeiten. Es ist ein bisschen so wie die Bräuche des Einsammelns zur Fasnacht (wo mancherorts um „Küchle“ gebeten wird) oder zum amerikanischen Halloween-Fest, das auch hierzulande gefeiert wird.

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