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Illertissen

16.10.2017

Wie Bach mit Geige klingen muss

Als Sologeiger begeistert Albrecht Menzel mit mehrstimmigem Spiel in technischer Perfektion.

Albrecht Menzel bietet als Solist mehrstimmiges Spiel. Dabei kommt das Publikum in den Genuss, eine Stradivari zu hören.

Der junge Geigensolist Albrecht Menzel, Jahrgang 1992, war beim dritten Konzert des Festivals „Junge Künstler – Stars von morgen“ in Illertissen zu hören und hat im vollen Barocksaal begeistert. Die Art und Weise, wie er mehrstimmige Akkorde auf seinem viersaitigen Instrument zu spielen verstand, war großartig. Menzel spielte auf einer „Stradivari“ Baujahr 1709 – Leihgabe der Deutschen Stiftung Musikleben – Sonaten und Partiten von Johann Sebastian Bach (1685- 1750), wie es reife Musiker können.

So gab es anhaltenden Applaus nach dem letzten Vortrag, der Ciaccona der Partita II in d-Moll voll fulminant gespielter Arpeggien. Virtuos strich er über die Saiten, um die Mehrstimmigkeit zu erreichen. Das Publikum staunte, schien den Atem anzuhalten bis zum finalen Akkord.

Menzel war von Auftritten in Berlin und dem polnischen Kattowice direkt nach Illertissen gekommen, wie er zu Beginn erklärte. Die Resonanz im Barocksaal hatte ihn gefreut und er dankte mit Zugaben.

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Bach hat seine Sonaten und Partiten nicht geschrieben, damit sich Geigenvirtuosen darstellen können, sondern es war seine Art, so zu komponieren. Er ist dafür bekannt, das Verständnis von Kontrapunkt in der Barockzeit besonders kunstvoll und technisch herausfordernd umzusetzen – wie in den Fugen und ihren komplexen Variationen. So werden die Sonaten und Partiten für Violine solo – Partita bezeichnet den Teil einer Tanzfolge – wegen ihrer schweren Spielbarkeit und erforderlichen Erfahrung nur versierten Geigern zugetraut. Albrecht Menzel hat derartigen Vorstellungen souverän in technischer Perfektion und mit hoher Musikalität entsprochen.

Von dem sechsteiligen Opus gab es die Hälfte zu hören, wobei Menzel über den Komponisten mitteilte: „Mit den Sätzen verbindet sich ein 300-jähriger Mythos, Bach hat Botschaften im Sinne von Choraltexten mit eingebaut.“ Dem Zuhörer im Barocksaal bot sich aber auf jeden Fall eine faszinierend dichte Musik, ganze Passagen von Doppelgriffen und alle Geigensaiten erfassenden Arpeggien, wofür Menzel bei der Sonata I in g-Moll melodiös den Bogen ansetzte. Die Töne schienen zu fließen, ohne hörbare Bogen- oder Saitenwechsel und beim Presto setzten seine Finger zum Dauerspurt an. Dann folgte die Sonata II in C-Dur, auch kein leichteres Spiel. Virtuos wusste Menzel auf den leeren Saiten den strahlenden Klang der Stradivari herauszustreichen.

Nach abwechslungsreichen Tänzen der g-Moll-Partita strebte der Sologeiger bei der Ciaccona kunstvoll dem Höhepunkt des Abends zu. Er steigerte sich im Spiel der Arpeggien, ohne die Klarheit der Töne zu verlieren oder in romantisch-süßes Schwelgen abzudriften.

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