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Illertissen

21.02.2018

Wieso es rund um Illertissen immer weniger Stare gibt

Der Star ist der Vogel des Jahres 2018. Auf der Suche nach Nahrung und Nistplätzen kommt er, wie viele andere Vögel auch, auch in unserer Region vorbei. Doch auch hier wird er seltener. Hilfe findet der Vogel bisweilen nur wenig.
Bild: Max Trometer

Wie viele ihrer Artgenossen haben es die Vögel in der Region schwer: Sie finden immer weniger Futter und Höhlen zum Brüten. Dabei könnte den Tieren leicht geholfen werden.

Er hat dunkle Federn und ist dafür bekannt, dass er andere Vögel imitiert. Der Star ist der Vogel des Jahres 2018. Doch sein Lebensraum ist bedroht. Auch bei uns im Landkreis wird es für ihn schwerer.

Noch gebe es viele Stare in der Region. „Aber der Trend geht klar nach unten“, findet Wolfgang Gaus von der Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum. Stare werden seltener. Ein Grund dafür sei das Insektensterben: Denn die Vögel fressen am Liebsten kleine Insekten und Würmer. Wenn sie keine Nahrung mehr finden, müssen sie in andere Regionen ausweichen. Dieses Problem hätten aber nicht nur Stare, sondern auch viele andere Vogelarten, wie Schwalben und Spatzen. „Die Nahrungsgrundlage ist deutlich schlechter als früher“, sagt Biologe Gaus. Der Grund für das Nahrungsproblem sei klar: Pestizide und Spritzmittel, die in der Landwirtschaft verwendet werden, um Insekten und Wildkräuter zu vernichten. Diese nehmen den Vögeln damit auch die Lebensgrundlage.

Das sagt auch Ralf Schreiber vom Landesbund für Vogelschutz. Aber nicht nur die Landwirtschaft stehe in der Verantwortung. Im Gegenteil: „Es ist ja klar, dass Landwirte auch an betriebswirtschaftliche Aspekte denken müssen“, so Schreiber. Allerdings müsse sich die Politik und die Gesellschaft „auf die Hinterbeine stellen“ und endlich auf die Probleme aufmerksam werden. Den Landwirtschaftsbehörden wirft Schreiber mangelnde Aufklärungsbereitschaft vor: „Diskutiert wird viel, aber gemacht wird wenig“, sagt er. In seinen Augen müssten die Behörden mehr Aufklärung bei den Landwirten betreiben. So sei es wichtig, dass ausreichend Grün- und Brachflächen vorhanden seien, damit die Tiere auf Nahrungssuche gehen können.

Neben dem mangelnden Futterangebot ist vor allem der Lebensraum der Vögel bedroht. Denn Stare hätten es immer schwerer, Höhlen zum Brüten zu finden. „Vor allem abseits von Siedlungsräumen ist die Situation schwierig“, sagt der Experte. Denn es gebe nur noch wenige Streuobstwiesen, die als Lebensraum dienen könnten. „Das ist in Baden-Württemberg wesentlich besser“, findet er. Generell seien alte Bäume ein wichtiger Rückzugsort für Stare. „Man darf nicht jeden alten Baum entsorgen“, sagt Schreiber. Biotope wie um den Plessenteich bei Gerlenhofen oder das Obenhausener Ried gehören nicht zu den bevorzugten Lebensräumen des Stars. Hier fänden sich eher Wasservögel, wie Wolfgang Gaus sagt.

Aber was kann die Situation für die Stare verbessern? Im öffentlichen Raum stünden vor allem Kommunen in der Verantwortung. „Man sollte Grünbereiche wieder verwildern lassen“, sagt Gaus. Das würde den Insekten helfen. Im Landratsamt Neu-Ulm kennt man noch mehr Möglichkeiten: Rudolf Siehler, Fachberater für Pflanzen und Tiere, gibt einige Tipps: „Wichtig ist, dass man den Garten vielfältig gestaltet.“ Viele Bürger in der Region würden in ihrem Garten weder Bäume noch Sträucher anpflanzen. Das erschwert die Nahrungssuche für die meisten Vogelarten jedoch enorm. Denn eine artenreiche Bepflanzung sei wichtig, damit sich Insekten niederlassen, die dann als Nahrungsquelle dienen könnten. Deshalb solle man möglichst Bäume, Hecken und Blumen anpflanzen. „Ein Teich wertet den Garten für die Insekten noch zusätzlich auf“, sagt Siehler.

Wer zudem noch Brutkästen aufstelle, helfe den Vögeln besonders. „Viele haben bereits solche Kästen“, sagt Gaus. Wer selbst noch einen aufstellen will, müsse laut Siehler vor allem zwei Dinge beachten: „Das Einflugloch sollte fünf Zentimeter groß sein und die Grundfläche sollte 20 Quadratzentimeter betragen.“ Alles andere wäre den Staren zu klein. „Dann bringt der Kasten auch nicht viel.“

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