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Air Pods: Kopfhörer fürs Auge

Christof Paulus
Kommentar Von Christof Paulus
09.01.2020

Auch in Neuburg trägt sie inzwischen jeder: Air Pods. Doch die nächsten Trends warten schon. Eine Satire.

Die Älteren unter euch erinnern sich noch: Es ist schon ein wenig her, dass nicht nur Hipster unterwegs Musik mit ihren kleinen In-Ear-Kopfhörern gehört haben. Also die Geräte, die noch mit einem Kabel an Handys, MP3-Playern oder – für die richtig Alten – Walkmans angeschlossen waren.

Wer heute den Style und das Geld hat, trägt zwar wieder In-Ears – meistens in weiß – aber Kabel? Total 2018. Unglaublich! Hatten doch bis neulich fast zehn Jahre lang große, schwere Kopfhörer landauf, landab die Ohren umgeben. Plötzlich hielten sich sogar Antenne-Bayern-Hörer für musikalische Connaisseure, die mit den Miniatur-Ohrstöpseln nichts mehr anfangen konnten. Hach, der Klang sei es, schwärmten die coolen Kids von ihren „Beats by Dre“-Kopfhörern. Der sei viel besser, unvergleichbar, bloß noch Banausen würden In-Ears nutzen. Sieht aus wie ein Nachrichtensprecher beim Radio? Den Hipstern war das egal.

2020 ist das alles vergessen. Natürlich klingen In–Ears immer noch so, als müsste man ein Konzert im Schloss von einem Boot aus hören, das auf der Donau schippert. Also, einem Motorboot. Aber wen juckt’s? Wer sein Produkt in oder zumindest auf die Ohren bringen will, braucht nicht die Technik von Sennheiser, sondern das Marketing von Apple. Und eines ist eh sicher: Die nächsten Trends kommen. Darum jetzt die Air Pods aus den Ohren und zugehört!

Denn: Zylinder werden der neue Kopfschmuck. Aus der Krempe schallt es auf die Ohren der Träger. Erst nach Jahren werden sie merken, dass sie damit aussehen, wie der Azubi von Willi Wonka in der Schokoladenfabrik. Und dann? Werden Brillen zum neuen Ohrschmuck. Aus den Enden des Bügels klingt oder dröhnt es aufs Trommelfell, selbst dioptrienbefreite Adleraugen können nicht mehr ohne Nasenfahrrad. Das Wort Kontaktlinse verschwindet aus dem Duden.

Vorbei ist der Trend, als die Optiker völlig überlastet nur noch vier Monate im Voraus einen Termin vergeben können. Dafür trifft es nun die Hirnchirurgen: Im Stundenrhythmus transplantieren sie Chips in den Schädel, die die Synapsen direkt mit dem zehnten Studioalbum von Apache 207 beschallen. Es könnte die endgültige Lösung für das Musik-to-go-Problem sein. Wird es aber wahrscheinlich nicht.

Und es gibt ja auch noch die anderen: Sie tragen auch 2050 noch die Kopfhörer, die ihr Papa in den 80ern gekauft hat. Die klangen zwar noch nie schön und sind seit 30 Jahren kaputt und stumm. Aber wer hat je behauptet, dass es bei Kopfhörern um Musik gehen soll?

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