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Engetried

06.11.2019

Wie diese Unterallgäuerin zur Influencerin wurde

„booksandpeonies“ heißen Blog und Instagram-Seite von Franziska Kolb aus Engetried. Dort schreibt sie über die verschiedensten Themen – von Literatur über Reisen bis hin zu Lifestyle-Themen.
Bild: Pauline May

Zehntausende folgen Franziska Kolb aus Engetried auf Instagram. Wie die 20-Jährige so erfolgreich wurde und warum sie lieber inspiriert als zu ,influencen’.

28.000 Personen – so viele Menschen folgen Franziska Kolb aus Engetried mittlerweile auf Instagram. „Ich war in Kanada in einem Eishockeystadion, das mit 7000 Personen gefüllt war. Da konnte ich mir zum ersten Mal ansatzweise die Menge vorstellen. Dass diese Menschen tatsächlich verfolgen, was ich mache, ist für mich aber überhaupt nicht greifbar.“

2015 hat die 20-Jährige, die seit Kurzem in Augsburg lebt und dort Grundschullehramt studiert, ihren Blog und ihre Instagram-Seite gegründet. Damals, noch unter dem Namen „Enter my wonderland“, schrieb sie ausschließlich über Bücher. Nur die engsten Freundinnen und ihre Familie wussten von der Existenz der Seite. „Mein Gesicht hätte ich zu diesem Zeitpunkt niemals im Internet gezeigt. Manchmal musste ich mich deswegen sogar selbst aus Bildern rausschneiden“, erzählt sie.

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Seitdem hat sich einiges geändert: „Auch weil ich mich weiterentwickelt habe. Ich bin ja jetzt theoretisch erwachsen. Theoretisch“, sagt die 20-Jährige lachend. So ist aus „Enter my wonderland“ zunächst „Umgeben von Büchern“, dann „booksandpeonies“ geworden.

Influencerin Franziska Kolb aus Engetried schreibt über viele Themen

Auch ihr Themengebiet hat sich erweitert. Sie schreibt – übrigens auf Englisch – neben Buchrezensionen auch Beiträge über Reisen innerhalb und außerhalb Europas, ihre Lieblingsbuchhandlungen, Inneneinrichtung, ihre Zeit als Au-pair in Kanada, faire Mode oder die sozialen Medien, in denen sie die Realität zeigen will, die „definitiv nicht immer nur perfekt“ sei. „Das wäre ja sonst kein Leben.“

Diesem Grundsatz folgend schrieb sie auch während ihres Auslandsjahres über Momente, in denen sie von Heimweh überwältigt wurde. Das Schreiben dieser Texte sei „fast schon therapeutisch“ gewesen. „Manchmal muss ich mir Dinge einfach von der Seele schreiben.“ Persönliche Gedanken auf ihrem Blog der Öffentlichkeit preiszugeben, erfordere dennoch immer eine gewisse Überwindung. „Erstens, weil ich mich manchmal frage, wen das interessiert, was ich da teile. Zweitens, weil Personen, die die Texte lesen, ja doch relativ viel über mich erfahren.“

Auch wenn sie an ihre ehemaligen Klassenkameraden denkt, wird ihr das bewusst. „Während ich über einige fast gar nichts wusste, kannten diese gefühlt alle Details meines Lebens.“ Letztendlich geteilt hat sie die Beiträge dann doch, weil es ihr selbst oft geholfen hat, auch über die unschönen Seiten des Lebens zu lesen.

Influencerin Franziska Kolb schrieb schon mit sieben Jahren

Dass Franziska ihre Erfahrungen schriftlich festhält und teilt, ist nicht erst seit der Gründung ihres Blogs der Fall. Schon in der Grundschule schrieb sie Tagebuch. Wenn ihr ein Buch besonders gefiel, suchte sie per E-Mail oder Brief den Kontakt zu den jeweiligen Autoren, um mit diesen ein Gespräch zu beginnen. „Im Grunde genommen wurde der Grundstein für meine Karriere also im Alter von sieben Jahren gelegt“, sagt sie grinsend.

Beim Wort Karriere jedoch malt sie mit ihren Fingern Anführungszeichen in die Luft. „Auch wenn ich damit relativ erfolgreich bin, ist es nichts, wovon ich leben kann. Um ehrlich zu sein, würde ich es auch hauptberuflich nicht machen wollen. Ich studiere, um Lehrerin zu werden, nicht, um Influencerin zu meinem Beruf zu machen.“ Wobei sie mit dem Begriff „Influencer“ wenig anfangen kann. „Ich finde, das ist ein sehr schreckliches Wort.“ Sie möchte Leute nicht ,influencen’, sondern „eher inspirieren“.

Auch wenn das Bloggen nicht ihr Beruf ist, investiert sie sehr viel Zeit in ihre Posts, manchmal bis zu fünf Stunden – „zu viel Zeit“, sagt sie. Wenn Franziska in einen Beitrag sehr viel Mühe steckt und dieser weniger Aufmerksamkeit bekommt, als sie es sich wünschen würde, könne das frustrierend sein, sagt sie. Deswegen vermeidet sie inzwischen den Blick in die Statistik. „Ich möchte mich nicht zu sehr von Zahlen abhängig machen. Das machen wir in unserer Gesellschaft eh schon zu sehr“, sagt die 20-Jährige. „Wie viele Personen folgen mir, wie viel Geld habe ich? Darüber definieren sich viele, dabei sind diese Zahlen absolut nichts, was einen Menschen ausmacht.“

Influencerin Franziska Kolb aus Engetried sieht soziale Medien kritisch

Manchmal erreicht Franziska jedoch auch ohne den Blick in die Statistik einen Punkt, an dem sie sich fragt, wer sich überhaupt für die Gedanken interessiert, die sie online teilt. Ganz generell denkt sie oft darüber nach, wohin sich die sozialen Medien entwickeln. Vielleicht sei deren Existenz „nur ein kurzzeitiger Trend, einfach, weil sie so sehr von Oberflächlichkeit geprägt sind. Vielleicht wird es Instagram in einigen Jahren nicht mehr geben. Das würde einigen Menschen die Arbeit kosten.“

Eine Bewegung, die Franziska sehr unterstützt und die ihrer Meinung nach nachhaltig etwas zum Positiven verändern könnte, ist die „Body positivity“ Bewegung. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Körperformen in den sozialen Medien sichtbar zu machen, auch wenn diese nicht der aktuellen Schönheitsnorm entsprechen. „Es ist so unglaublich wichtig zu zeigen, dass nicht nur ein bestimmter Körperbau schön ist“, sagt Franziska. „Dieser Fokus auf das Äußere existiert nicht nur in den sozialen Medien, aber er wird durch sie definitiv verstärkt. Dem müssen wir etwas entgegensetzen.“

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