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Krumbach

01.04.2021

63-Jähriger bedroht Streife und wird durch Schüsse der Polizei verletzt

Polizeieinsatz am Donnerstagnachmittag in der Krumbacher Robert-Steiger-Straße.
Foto: Peter Bauer

Ein Mann ist in Krumbach mit einem spitzen Gegenstand auf Polizisten zugestürmt. Daraufhin wurde er von mehreren Schüssen eines Beamten verletzt.

Im nördlichen Bereich der Krumbacher Robert-Steiger-Straße kam es am Donnerstagnachmittag zu einem massiven Polizeieinsatz. Weil er ein fremdes Grundstück trotz Aufforderung nicht verlassen wollte, sollte ein 63-Jähriger kurz nach 13 Uhr von der Polizei kontrolliert werden, berichtet das Polizeipräsidium Kempten. Dann eskalierte die Situation.

Mit Blick auf den Bericht der Polizei und Schilderungen aus der Nachbarschaft (mehrere Versionen eines Videos sind inzwischen in sozialen Netzwerken vielfach geteilt worden) gab es offensichtlich zunächst einen mehrere Minuten andauernden heftigen Wortwechsel zwischen der Streife (eine Polizistin und ein Polizist) und dem aggressiven Mann.

Der Mann habe sich gegenüber den Beamten, so die Polizei in ihrem Bericht, von Anfang an unkooperativ gezeigt. Als er aufgefordert worden sei, das Grundstück zu verlassen, sei er zunehmend aggressiver geworden, habe die Streifenbesatzung bedroht und sei auf die Beamten mit einem spitzen Gegenstand in der Hand zugestürmt. Nach Informationen unserer Redaktion handelte es sich dabei offensichtlich um einen Schraubenzieher.

Die Polizisten hatten den Mann mehrfach aufgefordert, den Schraubenzieher wegzulegen und dem Mann schließlich mit dem Einsatz von Pfefferspray gedroht. Als dieser sich erhob und auf den Polizisten zurannte, setzte dieser Pfefferspray ein - das aber offenbar kaum Wirkung zeigte. Verfolgt von dem Mann, der nach den Polizisten offenbar mit einer großen Garten-Lkw-Spielzeugkippe warf, rannten diese aus dem Hof, der Polizist stolperte rückwärts über eine Hecke, der aggressive Mann schlug mit einem großen Garten-Spielzeug-Lkw nach dem Polizisten. In der Hand hatte der Mann dabei offenbar auch den Schraubenzieher. "Er bedrohte die Streifenbesatzung und stürmte auf die Beamten mit einem spitzen Gegenstand in der Hand zu", schreibt die Polizei.

Nachdem der Einsatz von Pfefferspray und ein Warnschuss keine Wirkung gezeigt hätte, gab der Beamte mehrere Schüsse in Richtung des 63-Jährigen ab, berichtet das Polizeipräsidium Kempten weiter. Erst danach habe der Mann überwältigt werden können.

Der 63-jährige wurde schwer verletzt

"Der 63-Jährige wurde durch die Schussabgabe getroffen und schwer, aber nicht lebensgefährlich, verletzt. Er wurde in ein Krankenhaus verbracht. Die beiden eingesetzten Polizeibeamten blieben unverletzt", berichtet die Polizei. Wie zu beobachten war, wurde der Mann offensichtlich durch einen Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen.

Die Ermittlungen vor Ort wurden durch die Memminger Kriminalpolizei übernommen. Nähere Hintergründe zur Tat, insbesondere das Verhalten des Mannes, sind derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Der polizeiliche Schusswaffengebrauch wird von der Staatsanwaltschaft Memmingen in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landeskriminalamt geprüft.

Wie die Gewerkschaft der Polizei die Situation einschätzt

Zum Polizeieinsatz am Donnerstag in Krumbach und mit Blick auf die zahlreichen Reaktionen in den sozialen Medien hat mittlerweile auch die Gewerkschaft der Polizei eine Stellungnahme abgegeben. "Bis zum Abschluss der Ermittlungen empfehlen wir von jedweden Spekulationen und unsachlichen Kommentaren Abstand zu nehmen. Es ist leicht von außen einen Sachverhalt zu kommentieren, wenn man sich selbst nicht in der entsprechenden Situation befindet", schreibt die Gewerkschaft der Polizei.

Fakt sei, dass sich der Mann aggressiv und unbelehrbar gegenüber den Polizisten verhalten habe. Über einen Zeitraum von mehr als vier Minuten habe er den mehrfachen Aufforderungen und verschiedenen Eskalationsstufen der Einsatzkräfte keine Folge geleistet und habe diese letztendlich mit einem spitzen Gegenstand angegriffen. "Jetzt einseitig den Einsatzkräften die Schuld für die Verletzungen des Täters zuzuschreiben, wie in den Kommentaren mehrfach zu lesen ist, verkehrt Ursache und Wirkung. Die Einsatzkräfte haben besonnen und richtig gehandelt und jetzt obliegt es den Ermittlungsbehörden den Sachverhalt abschließend rechtlich zu bewerten." Es sei „mehr als bedauerlich und alles andere als hilfreich, dass unüberlegte und ungefilterte Hetze in den sozialen Medien stattfindet“, so der GdP-Landesvorsitzende Peter Pytlik. (zg)

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03.04.2021

„Garten-Spielzeug-Lkw“, „Schraubendreher“ und in Augsburg am Kö ein „Schweizer Taschenmesser“, da sollte man ernsthaft überlegen das englische System einzuführen und der Polizei im ersten Schritt erst gar keine Waffen auszuhändigen, denn für den Dienst an der Waffe scheint großenteils das individuelle Augenmaß zu fehlen. Aber wie damals schon geschrieben, vielleicht legt der Grund auch in der mangelnden Ausbildung. Insgesamt stört mich auch die Haltung und die Aussagen der GDP und anderer Interessenvertreter, auch dort scheint passendes Augenmaß abhanden gekommen zu sein. Meiner Ansicht haben wir hier ein Problem beim Einsatz von Schusswaffen bei der Polizei, über welches dringend gesprochen werden sollte.

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03.04.2021

Es fehlt in der Tat an Augenmaß.

Selbstverständlich hätte der Polizist sich für den Angriff bedanken sollen.

Erst wenn 10 Polizisten tot am Boden liegen darf über Schusswaffengebrauch nachgedacht werden.
Bei 15 wird der Gebrauch angedroht und bei 30 toten Polizisten wird ein Warnschuss in die Luft abgegeben.

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04.04.2021

Wenn jemand gegen einen „Garten-Spielzeug-Lkw“ und „Schraubendreher“ sich nicht anders zur wehr zu setzen weiß als mit Schusswaffengebrauch sollte er sich wohl einen anderen Job suchen. Aber hört sich so an als wären sie selbst Polizist? Ihre Aussagen und die Fälle in jüngster Zeit zeigen ja recht gut das Problem auf.

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04.04.2021

Wer auf polizisten losgeht und angreift muss mit einer entsprechenden Reaktion rechnen.
Ein Schraubendreher wurde schon oft als mordwerkzeug verwendet.
Die Polizisten haben wie jeder bürger ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

Herr Peter M. Geben Sie endlich der Polizei ihre Handy immer. Die kann sie ja dann dazuholen um die Sache von ihnen lösen zu lassen.
Kein Polizist muss sich abstechen lassen. Sie können es ja gerne machen lassen.

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04.04.2021

Ich bin kein Polizist. Aber aus Erfahrung am eigenen Körper weiß ich wie z.B. ein harmloser Tafelzirkel als Waffe gebraucht werden kann.
Wer einen Polizisten angreift MUSS damit rechnen erschossen zu werden.

Ganz simple Sache.

Die Person hätte die Möglichkeit gehabt friedlich davon zu gehen.

Meine Meinung ist:
Diese Person muss die gesammten Behandlungskosten für die Schussverletzung sowie die gesammten Psychiaterkosten etc. des Polizisten übernehmen.

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09.04.2021

Tafelzirkel? Was kommt als nächstes, Wattebällchen, böse Blicke?

Die Polizei in England weiß sich auch zu helfen, somit sind das für mich fadenscheinige Schutzbehauptungen.

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