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Thannhausen

09.06.2020

Amazonas-Kreuzfahrt endet für Thannhauser Ehepaar im Shutdown

Unfreiwilliger „Extraurlaub“ wegen der Corona-Krise. Christine und Christian Schorer aus Thannhausen waren mit einer „verlängerten“ Kreuzfahrt unterwegs.
Bild: Sammlung Schorer

Plus Christine und Christian Schorer aus Thannhausen waren in Brasilien unterwegs. Welche Hindernisse bei ihrer Rückkehr nach Deutschland zu überwinden waren.

Unfreiwilliger „Extraurlaub“ dank Corona. Auch das ist in diesen Wochen ja immer wieder der Fall. Christine und Christian Schorer waren auf einer „verlängerten“ Kreuzfahrt, nachdem keine Flieger mehr von Südamerika nach Europa gingen. Sie waren in malerischen Regionen Brasiliens unterwegs. Doch es wurde eine Kreuzfahrt in den "Shutdown".

Statt dreieinhalb Wochen waren sie sechs Wochen unterwegs, doch stets bestens versorgt. Das Thannhauser Ehepaar, beide 47, er technischer Betriebswirt und sie Coach und Mentaltrainerin, hatte sich über eine spezielle Internetplattform für die Teilnahme bei „Verrückt nach Meer“, einer nachmittäglichen Dokusoap, beworben, wie Christine Schorer erzählt.

Das war im vergangnen Jahr, als sich noch niemand vorstellen konnte, dass eine Pandemie eine ganze Welt lahmlegen könnte. Im November hatten sie Bescheid bekommen: Sie waren ausgewählt worden, durften ab 24. Februar rund zwei Wochen kostenlos auf dem Luxusdampfer mitreisen, mussten dafür aber täglich für kleinere Filmaufnahmen zur Verfügung stehen, eine Aufgabe, die für Christine Schorer alles andere als eine Last war, wie sie berichtet.

Die unbeschwerte Reise auf der vom Alltag entrückten Welt des Kreuzfahrtschiffs nahm allerdings am Ursprung des Amazonas ein plötzliches Ende. Inzwischen war es Mitte März geworden, die Reise, der zweite Abschnitt der insgesamt 99 Tage dauernden Kreuzfahrt, sollte für die beiden Thannhauser zu Ende gehen. Der Rückflug war ab Manaus gebucht, Hauptstadt der Provinz Amazonas in Brasilien mit 1,7 Millionen Einwohnern, zwei Schiffstagesreisen vom Atlantik entfernt im Landesinneren.

Nicht von Bord gelassen

Doch die Pandemie hatte die Welt erfasst. Der Bundesstaat Amazonas ließ die Kreuzfahrer nicht von Bord. Eine Entscheidung, die bei Christine Schorer auf Unverständnis stößt, denn schließlich sei niemand an Bord erkrankt gewesen. Doch die Bestimmungen waren erlassen, Ausnahmen wurden nicht gemacht, auch wenn der Kapitän versucht hatte, über die Botschaften und Ärzte des Gesundheitsamtes eine Sondergenehmigung zu erhalten, die Passagiere mussten an Bord bleiben. Lediglich zwei Notfälle durften ins Krankenhaus gebracht werden. Rund fünf Tage dauerte es, bis die weiteren Schritte geplant und organisiert waren.

„Das war schon eine etwas beklemmende Zeit, man wusste nicht, wie es weitergeht. Immerhin haben wir vier Kinder, die uns erwarteten.“ Das Schiff drehte zurück in den Atlantik, wo es für die Überfahrt gerüstet wurde. „Es mussten Tankschiffe kommen, um unser Kreuzfahrtschiff wieder aufzutanken, und natürlich auch Lebensmittel geliefert werden, da uns nämlich jetzt die Rückfahrt auf dem Atlantik bevorstand.“

Neue Episoden wurden gedreht

Doch auch die wurde vom Filmteam genutzt, täglich seien neue Episoden gedreht worden, die inzwischen in der Mediathek abgerufen werden können. „Die Stimmung war toll, es gab jeden Tag ein neues, spannendes Angebot. Und ich habe selbst auch meinen Beitrag geleistet, mich mit einem Vortrag über die Kraft der Gedanken eingebracht.“ Über WLAN waren die Schorers täglich mit ihren Kindern verbunden. „Die Großen sind ja schon erwachsen und unsere Zwillinge waren bei den Großeltern gut aufgehoben. Sie sind jetzt 13 und ich habe den Verdacht, dass sie die Zeit ohne Eltern genossen haben“, meint Christine Schorer mit einem Augenzwinkern. Aber sturmfreie Bude gab es nicht, versichert sie, denn auch die Großen waren wegen Corona freigestellt und hatten ein Auge auf die kleinen Geschwister.

Noch einmal eine unbeschwerte Zeit

So konnten sich die Schorers noch einmal eine unbeschwerte Zeit machen. Auf dem Schwesterschiff des Traumschiffs herrschte bis zuletzt beste entspannte Stimmung. Nur die Crew, überwiegend Asiaten, hatte das Nachsehen. Die konnten nicht heimreisen. „Wir haben an Bord eine Benefizveranstaltung organisiert, bei der ein schöner Geldbetrag für die Mannschaft zusammengekommen ist, schließlich war sie die Leidtragende. Für uns war dann aber die Begrüßung in Bremerhaven ein Schock!“ Die Schorers kamen zum Shutdown an, entsprechend streng wurde der Gang an Land reglementiert. Zurück in die Heimat ging es mit 80-Sitzer Bussen, in denen jeweils nur 20 Personen mitfahren durften. „Obwohl wir doch an Bord alle zusammen waren,“ empört sich Christine Schorer über die in ihren Augen überzogenen Maßnahmen.

Doch trotz aller Wirrnis, sie würde gerne wieder eine derartige Kreuzfahrt machen, vielleicht dann auf dem Traumschiff, meint Christine Schorer zum Abschied.

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