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Museum Naichen

11.05.2015

Die Macht der Bilder im Ersten Weltkrieg

„Siegt, Schreibt, Spendet an die Front“. Am Freitag wurde die Sonderausstellung in Hammerschmiede und Stockerhof in Naichen eröffnet. Von links: Historikerin Dr. Elisabeth Plößl, Museologin Tina Burkhardt, Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert und Dr. Beate Spiegel, Leiterin des Schwäbischen Volkskundemuseums Oberschönenfeld.
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„Siegt, Schreibt, Spendet an die Front“. Am Freitag wurde die Sonderausstellung in Hammerschmiede und Stockerhof in Naichen eröffnet. Von links: Historikerin Dr. Elisabeth Plößl, Museologin Tina Burkhardt, Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert und Dr. Beate Spiegel, Leiterin des Schwäbischen Volkskundemuseums Oberschönenfeld.

Eine Sonderausstellung zeigt, wie emotionale und ausdrucksstarke Plakate erstmals für Propaganda genutzt wurden. Am Freitag wurde sie eröffnet

Nicht nur, dass der Erste Weltkrieg der erste industriell geführte Krieg war, er war vor allem auch der erste Medienkrieg. Mit der systematischen Nutzung der Macht der Bilder wurden zum ersten Mal Bildmedien gezielt und massenhaft als politisch-propagandistisches Instrument eingesetzt. „Siegt, spendet, schreibt an die Front!“, unter diesem Titel zeigt die Sonderausstellung des Bezirk Schwaben in Hammerschmiede und Stockerhof Naichen bis zum 8. November rund 70 Plakate aus dem Ersten Weltkrieg aus der Sammlung von Karl Wilhelm Beck (1881 bis 1967).

Der in Dornstadt bei Nördlingen geborene Lehrer und selbst Weltkriegsteilnehmer, hatte direkt nach der Mobilmachung begonnen, eine umfangreiche Plakatsammlung zusammenzutragen, die heute im Besitz des Schwäbischen Volkskundemuseums in Oberschönenfeld ist. Am Freitag wurde die Sonderausstellung bei strahlendem Sonnenschein von Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert eröffnet. „Sie zeigt, welches Denken die Menschen von Gesellschaft und Politik hatten, in Form und Darstellung“, kündigte Reichert an.

Plakate, als eine der wichtigsten Bildmedien dieser Zeit, sollten mit ihrer emotionalen Wirkung bei der Bevölkerung den Glauben an den Sieg, vor allem die Loyalität mit der Front und nicht zuletzt die Opferbereitschaft fördern und stärken. „Helft uns siegen“ oder „Zeichne die Kriegsanleihe – Heer und Flotte erwarten es von Dir“: Möglichst viele Deutsche sollten Kriegsanleihen kaufen, nicht nur, um den Krieg zu finanzieren, sondern auch um Kriegsbegeisterung und finanzielle Wehrpflicht zu demonstrieren. Mit dem Einsatz von Frontsoldaten als Werbefiguren, oft heldenhaft dargestellt, sollten Plakate, eng verknüpft mit der Kriegspropaganda, für deutsche Waren und somit für Patriotismus werben.

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Zahllose Plakate riefen zum Sparen von Rohstoffen auf und sollten an das Verwenden von Ersatzstoffen an die ohnehin schon durch die katastrophale Versorgung gebeutelte Zivilbevölkerung appellieren. „Pflanzt Öl“ und „Sammelt Obstkerne“ – die vollständige Umstellung auf die Kriegswirtschaft hatte begonnen. Plakate, auf den groß „Gebt!“ oder „Spendet“ zu lesen ist, gehörten zum Alltag und sollten zu Spenden für Frontsoldaten und Kriegsversehrte aufrufen. Nicht zuletzt wurde der Krieg durch gezielte Propaganda als Erlebnis dargestellt. Schließlich wurde die emotionale Wirkung der Plakate auch in der Parteienwerbung erkannt. Berühmte, aber auch unbekannte Werbegrafiker hatten somit zum „Krieg der Bilder“ beigetragen.

Grundlagen und Konzept der Ausstellung wurden von Historikerin Dr. Elisabeth Plößl und Museologin Tina Burkhardt vom Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld geschaffen. Von ihnen wurden die Plakate auch dokumentiert und inhaltlich erschlossen.

Bei der Eröffnung informierten sie nicht nur über die einzelnen Kapitel der Ausstellung, sondern auch über den Sammler Karl Wilhelm Beck selbst. Der Erste Weltkrieg sei der erste Krieg, der diese Macht nicht nur erkannt, sondern auch für diese Zwecke entsprechend genutzt habe. Medienkrieg sei aktueller denn je.

Litfaßsäule und Soldatenlied – musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung von dem Augsburger Duo „Dani und Serge“ mit Liedern aus der Kriegszeit von damals. (wpet)

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