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Krumbach

18.03.2015

Die Problemzonen sind weniger geworden

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7 Bilder
An Ampeln kann es für Menschen mit Behinderung immer wieder brenzlige Situationen geben. Unser Bild entstand im Bereich der Reisch-Kreuzung.
Bild: Peter Bauer

Mit dem Rollstuhl durch die Krumbacher Innenstadt. Was sich für Menschen mit Behinderung verbessert hat - und wo es noch „Luft nach oben“ gibt

„Ich war früher so kitzlig an den Füßen“, sagt sie mit einem Lächeln. 2001 begannen ihre Füße und Beine pelzig zu werden, „zunächst bis hinauf zu den Knien“, erinnert sich Jutta Schuster. Bald stand fest: Es ist Multiple Sklerose (MS). Die Krankenpflegehelferin, die unter anderem in der Fachklinik Ichenhausen beschäftigt war, musste ihre Arbeit aufgeben, die 49-Jährige ist seit 2007 auf den Rollstuhl angewiesen, wenn sie ihre Wohnung in der Krumbacher Jochnerstraße verlässt. Ihre Wahrnehmung, ihre Wege – beides hat sich seit 2007 fundamental verändert. Sie sucht abgeflachte Bordsteine, weicht großen Schlaglöchern aus, braucht Rampen als Zugang zu Gebäuden. Wie gut kann sich eine Frau im Rollstuhl in der Krumbacher Innenstadt zurechtfinden? Wir waren mit Jutta Schuster unterwegs und haben die Innenstadt „getestet“. Klar wird schnell: Es ist viel Positives geschehen in den vergangenen Jahren. Aber kritische Punkte gibt es noch immer einige.

Rollstuhl mit Elektroantrieb: Jutta Schuster kann sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu neun Stundenkilometern fortbewegen. Wir passieren den Bahnübergang zwischen Gymnasium und Stadtsaal. Durch die ausreichend breit aufgestellten Umlaufgitter kommt sie insgesamt problemlos durch. Aber es gibt Schlaglöcher. Da ist bei feuchtem Wetter Vorsicht geboten, sagt sie.

Weiter zu den Wertstoffcontainern am Busbahnhof. Flaschen und ähnliches entsorgt normalerweise ihr Vater. Als sie probeweise in Richtung Containeröffnungen greift, wird schnell klar, dass diese für sie weit oben liegen. Wer hier mit Rollstuhl und womöglich einer Tasche mit vielen Flaschen unterwegs ist, tut sich nicht gerade leicht.

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Das Rathaus gegenüber ist rasch erreicht. Eine große Hilfe ist für sie die Rampe, über die sie zur Eingangstür gelangt. Die Tür lässt sich aber durchaus schwer aufziehen. Hier erhofft sich Jutta Schuster bei einer Neugestaltung Verbesserungen. Auf der schmalen Straße, die hinab in den Bereich des inzwischen abgerissenen Ärztehauses führt, liegt auf der Seite Kies. Jutta Schuster kommt ganz gut durch. Aber sie sagt auch, wenn es bergab geht und viel Kies auf einer Straße liegt, kann es heikel werden.

Lob gibt es für die Übergänge am alten Rathaus. Die seien gut gemacht, im Vergleich zu dem holprigen Kopfsteinpflaster sei die Fahrt hier deutlich leichter. Als sie am Straßenrand zur Überfahrt bereitsteht, hält erst das sechste Auto an. Die Reaktion der Menschen? Manche lächeln Jutta Schuster freundlich an, manche grüßen. Andere schauen auf den Boden, zur Seite oder fragend hinterher, wenn sie sich nicht mehr beobachtet fühlen. In der Nassauer Straße wird deutlich, dass die Neugestaltung für Menschen mit Behinderung ein großer Gewinn ist. Auf dem Gehweg auf der Westseite hat Jutta Schuster mit ihrem Rollstuhl ausreichend Platz.

Deutlich enger ist es in der Mindelheimer Straße. Bekanntlich haben hier auch Menschen, die mit Rollator oder mit Krücken unterwegs sind, immer wieder Probleme. Jutta Schuster „zielt“ mit ihrem Rollstuhl genau, kommt durch, Zentimetermaßarbeit sozusagen. Mit ihrem Rollstuhl weiß Jutta Schuster bemerkenswert gut umzugehen. „Vielleicht liegt das ja auch daran, dass ich früher mit dem Motorrad unterwegs war“, sagt sie.

Wiederholt Schwierigkeiten bereiten ihr am Straßenrand abgestellte Mülltonnen. Die versperren, so berichtet sie, immer wieder auf eine unangenehme Weise die Sicht. Zudem können sie mitunter so ungünstig stehen, dass ein Vorbeikommen schwierig bis unmöglich sei. Unser Weg führt zurück Richtung Jochnerstraße, Station an der Reischkreuzung, Übergang vom Bereich Brillenallee Richtung Busbahnhof. „Hier kann es gefährlich werden“, erklärt sie, wenn rechtsabbiegende Auto plötzlich um die Kurve kommen. Vielleicht könne es durch eine Warnbeleuchtung Verbesserungen geben.

Wir sind an einem angenehm warmen Frühlingstag unterwegs. Jutta Schuster spricht vom Freibad. Sie findet das neu gestaltete Nichtschwimmerbecken sehr schön, aber es könnte behindertengerechter sein. Beim alten Becken habe der Überlauf gute Möglichkeiten geboten. Erschwert sei der Zugang zu den Ruhebänken ums Becken. Insgesamt gibt sie der Stadt in Sachen Behindertenfreundlichkeit eine gute Note. Die Problemzonen sind in den vergangenen Jahren insgesamt deutlich weniger geworden.

MN-Lesertelefon:

Vieles wurde in den vergangenen Jahren behindertengerechter gestaltet – aber wo gibt es noch Probleme und Defizite in Krumbach, Thannhausen und in der Region Mittelschwaben? Was muss noch verbessert werden? Am kommenden Dienstag, 24. März, von 11 bis 12 Uhr haben die MN wieder ihr Lesertelefon gestaltet. Unsere Mitarbeiterin Monika Leopold-Miller freut sich unter 08282/907-38 auf Ihre Anrufe.

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