Newsticker

Zahl der Corona-Todesfälle binnen 24 Stunden fast auf Rekordhoch
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Die Vereinsfahne hält die Erinnerung wach

Krumbach

28.10.2017

Die Vereinsfahne hält die Erinnerung wach

Wird künftig im Museum ausgestellt und erinnert an die Kameradschaft ehemaliger Soldaten: Die fast 150 Jahre alte Fahne des Krumbacher Veteranenvereins, die sich vorerst noch in der Obhut des Vorsitzenden Gerhard Tichy befindet.
2 Bilder
Wird künftig im Museum ausgestellt und erinnert an die Kameradschaft ehemaliger Soldaten: Die fast 150 Jahre alte Fahne des Krumbacher Veteranenvereins, die sich vorerst noch in der Obhut des Vorsitzenden Gerhard Tichy befindet.
Bild: Hans Bosch

Kameradschaft ehemaliger Soldaten aus Krumbach beteiligt sich nicht mehr an der Gedenkfeier zum Volkstrauertag. Sie hat sich aufgelöst.

„Senkt die Fahnen!“ Diesen Befehl wird Gerhard Tichy in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Kameradschaft ehemaliger Soldaten bei der Gedenkfeier am Volkstrauertag vor dem Kriegerehrenmal auf dem Westfriedhof erstmals nach 24 Jahren nicht mehr geben. Der Grund: Der Verein, der eigentlich keiner ist, hat sich nach seinem Rücktritt aufgelöst, das bescheidene Vermögen wurde auf die 13 noch lebenden Mitglieder verteilt und die aus dem Jahre 1872 stammende Vereinsfahne wird künftig im Mittelschwäbischen Heimatmuseum zu sehen sein.

Die Krumbacher Soldatenkameradschaft besitzt eine bewegte Vergangenheit, wenngleich mit vielen Fragezeichen. Als Gründungsjahr gilt 1871, wie Walter Gleich in seinen „ Krumbach in Stichworten“ schreibt. Danach fand am 3. September die Gründungsfeier eines Veteranenvereins statt, dessen Vorsitzender der Hürbener Schreinermeister Anton Nagenrauft wurde. Die in die Fahne eingestickte Jahreszahl 1872 besagt, dass sie ein Jahr später geweiht wurde. Sie ist damit nicht nur ein wichtiges Beweisstück, vielmehr dank ihrer künstlerischen Gestaltung und großes Können voraussetzenden Stickerei ein wertvolles kunsthistorisches Exponat, das zu Recht einen Ehrenplatz im Museum findet. Es ist das einzige noch erhaltene Detail, das an die Gründung des Vereins erinnert, der beide damals noch selbstständigen Gemeinden Krumbach und Hürben umfasste, was zu dieser Zeit ein nicht selbstverständliches Zeichen guter Zusammenarbeit darstellte.

Keinerlei Erkenntnisse gibt es für die folgenden Jahrzehnte, in deren Mittelpunkt die beiden Weltkriege 1914 bis 1918 und 1938 bis 1945 standen. Die ältesten schriftlichen Unterlagen über die Kameradschaft ehemaliger Soldaten, die von Gerhard Tichy gesammelt und sortiert in Ordnern aufbewahrt werden, stammen aus dem Jahre 1970. Nur eines steht fest: Nach den Kriegsjahren beließ man es bei einer Kameradschaft, die nie ein amtlich eingetragener Verein war. Erster Vorsitzender war der Baumeister Leonhard Johanni. Die Vereinstätigkeit bestand all die Jahre aus der Teilnahme bei der Gedenkfeier am Volkstrauertag, der Beerdigung von Mitgliedern und Ausflügen; aber auch bei öffentlichen Anlässen wurde die Fahne gezeigt.

Als Johanni im Jahre 1993 seinen Rücktritt erklärte, übernahm Gerhard Tichy das Amt des Vorsitzenden. Dieser war dafür als junger Zeitsoldat prädestiniert und vertiefte die Zusammenarbeit mit dem inzwischen gegründeten Krumbacher Reservistenverband, den er von 1965 bis 1993 selbst geleitet hat und dafür beim Abschied für seinen erfolgreichen Einsatz zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde.

Die Reservisten und die Veteranen verbindet bis in die Gegenwart ein freundschaftlicher Kontakt, wenngleich Erstere, so Tichy, nur wenig Interesse an einer Mitgliedschaft bei der Kameradschaft bekundeten. „Wir waren damit eine aussterbende Gemeinschaft mit zuletzt 13 Mitgliedern ohne Hoffnung auf Nachwuchs. Bei meiner Übernahme an 1993 waren es noch 54 Mitglieder.“ Ein wenig stolz ist der bisherige Vorsitzende trotzdem: „Wir versammelten uns jedes Jahr mit Fahne bei der städtischen Gedenkfeier am Volkstrauertag, veranstalteten eine gut besuchte Jahresschlussfeier und machten viele Ausflüge, wenn auch zuletzt gemeinsam mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft.“ Diese Verbindung ist Franz Buchberger zu verdanken, der seit vielen Jahren neben dem Kreis- und Ortsvorsitz bei den Vertriebenen auch in der Soldatenkameradschaft als Vorstandsstellvertreter, Schriftführer und Kassenwart aktiv war.

Die Ära Tichy/Buchberger ist jetzt zu Ende. Anfang des Monats Oktober traf sich die Kameradschaft ehemaliger Soldaten zu einer außerordentlichen Hauptversammlung. Auf der Tagesordnung stand lediglich der Punkt Vereinsauflösung, die ohne lange Diskussion und einstimmig erfolgte. Im Mittelpunkt stand vielmehr der Dank an die Vorstandschaft für ihre uneigennützige Tätigkeit, den 2. Bürgermeister Gerhard Weiß namens der Stadt und Altmitglied Professor Karl Kling zum Ausdruck brachten. Von ihm stammte auch der Vorschlag, die kostbare Vereinsfahne dem Heimatmuseum zu übergeben, wo sie auch künftige Generationen daran erinnere, dass es einmal eine „Kameradschaft ehemaliger Soldaten Krumbach“ gegeben habe.

Dem Gedenken an die toten Mitglieder der Gemeinschaft sowie aller gefallenen und vermissten Kameraden der beiden Weltkriege folgten Worte des Dankes. Besonders geehrt wurden neben Franz Buchberger und Gerhard Tichy mehrere Mitglieder und Freunde, die bis zuletzt in vielfältiger Form ehrenamtlich die Kameradschaft am Leben erhielten. Dafür gab es Blumen für Barbara Sieb, Gertraud Ölke, Irmingard Tichy, Christa Lang und Christl Kling.

Zu Ende ist damit auch das vertraute Bild bei der Gedenkfeier für die Toten der beiden Weltkriege am Volkstrauertag auf dem Westfriedhof. Gerhard Tichy sprach seit 24 Jahren das Kommando: „Achtung Fahnenabordnungen! Zum ehrenden Gedenken an die Gefallenen und Vermissten des Ersten und Zweiten Weltkriegs aber auch der Bundeswehrsoldaten, die für die Freiheit ihr Leben ließen, senkt die Fahnen.“ Es war dies die Überleitung zur Weise vom guten Kameraden, gespielt vom Musikverein, in die sich drei Böllerschüsse mischten. Tichy tat dies mit Herzblut und ergänzt mit Wehmut: „Ich weiß nicht, wer das Kommando künftig gibt.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren