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Ebershausen

14.03.2019

Ein Bewohner aus Ebershausen war noch mit im Krieg dabei

Herbert Sauter, der letzte Kriegsteilnehmer im Ebershauser Veteranenverein und der Vereinsvorsitzende, Bürgermeister Herbert Kubicek, wollen für den Frieden mahnen, denn die lange Liste der Toten auf dem Erinnerugnsband der Vereinsfahne erinnert an die Schrecknisse des Krieges.
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Herbert Sauter, der letzte Kriegsteilnehmer im Ebershauser Veteranenverein und der Vereinsvorsitzende, Bürgermeister Herbert Kubicek, wollen für den Frieden mahnen, denn die lange Liste der Toten auf dem Erinnerugnsband der Vereinsfahne erinnert an die Schrecknisse des Krieges.
Bild: Gertrud Adlassnig

Die Kameradschaft ehemaliger Soldaten und Veteranen in Ebershausen besteht seit 120 Jahren.

Am kommenden Samstag steht den Ebershausern – zu denen auch die Seifertshofer gehören - ein großes Fest ins Haus. Einer ihrer Vereine kann dann auf eine 120-jährige Geschichte zurückblicken. Es ist die „Kameradschaft ehemaliger Soldaten Ebershausen–Seifertshofen, die das Jubiläum begeht.

Immerhin 104 Mitglieder (bei 640 Einwohnern) zählt der gemeinhin nach seinem alten Namen Veteranen- und Kriegerverein genannte Zusammenschluss, und das 74 Jahre nach dem Ende des letzten Krieges. Bürgermeister Herbert Kubicek, der auch den Vorsitz des Vereins innehat, schätzt den Verein als Mitgestalter des dörflichen Lebens, denn die „Veteranen“ sind fester Bestandteil bei allen kulturellen und gesellschaftlichen Ereignissen im Dorf. Und am Volkstrauertag kommt ihnen eine besondere Aufgabe zu. Es ist ihr wesentlicher Vereinszweck, der an diesem Tag öffentlich gemacht wird: Gedenken, erinnern, mahnen.

Umso weiter der Krieg zeitlich entfernt ist, umso weniger Bewohner im Dorf die Schrecknisse des Krieges mit all ihren Nebenwirkungen aus eigenem Erleben bezeugen können, umso größer wird die Gefahr, Kriegsgeschehen zu banalisieren, das Leid zu verdrängen, das Soldaten wie Zivilisten zutiefst getroffen hat.

Ein Bewohner aus Ebershausen war noch mit im Krieg dabei

1944 musste er den Frankreichfeldzug mitmachen

In Ebershausen gibt es noch eine Person, die den Zweiten Weltkrieg als Soldat miterlebt hat. Mit 16 Jahren kam Heinrich Sauter zum Arbeitsdienst und schon ein halbes Jahr später zu den Gebirgsjägern, mit denen er 1944 den Frankreichfeldzug mitmachen musste. Trotz seiner über 90 Jahre erinnert er sich noch gut an die Jahre im Krieg, an die blutigen Scharmützel im so genannten Partisaneneinsatz an der französisch-italienischen Grenze. „Wir waren ja so jung, wir sind ganz schön dumm dagestanden. Wir mussten einfach machen, was man uns befohlen hat.“ Besonders grausam waren die Erschießungskommandos, erinnert er sich. Denn wenn ein Soldat versucht hat, sich selbst zu verletzen, um als Invalide aus dem Kriegsgeschehen herauszukommen, wurde er standrechtlich erschossen. Dazu, erzählt Sauter, dessen Kamerad bei einem solchen Einsatz mitmachen musste, wurden zehn Soldaten ausgewählt, fünf erhielten scharf geladene Gewehre, fünf solche mit Platzpatronen. Erst nach dem Schuss wusste man, ob man verschont worden war oder einen Kameraden erschossen hatte.

Geschichten, die die Bestialität des Krieges zeigen, sie werden mit dem Verschwinden der Zeitzeugen immer seltener zu hören sein. Doch sie erhalten die Erinnerung an den Krieg aufrecht, geben denen, die ihn nicht überlebt haben, ein würdiges Gedenken und erinnern die Nachgeborenen daran, was Krieg bedeutet.

Als Mahner zum Frieden verstehen sich die Veteranen in Ebershausen heute und haben damit längst ihr martialisches Ansinnen aufgegeben, das die Patrioten vor 120 Jahren prägte. In einer Zeit der Euphorie nach dem Sieg gegen Frankreich und der nachfolgenden Wirtschaftsblüte prägte Stolz und vaterländische Gesinnung die Veteranen. 1899, so verrät die Chronik des Ebershausener Vereins, hatte es in Krumbach ein großes Treffen gegeben. Die Teilnehmer erhielten Medaillen ihrer königlichen Hoheit, des Prinzregenten Luitpold. Man hatte ja schließlich mit wenigen Verlusten den deutsch-französichen Krieg von 1870/71gewonnen. Doch die Ebershauser gingen leer aus, weil sie nicht organisiert waren. Das wollten die stolzen Männer nicht dulden und gründeten flugs unter der Leitung des Lehrers Kopp einen Zusammenschluss der Veteranen und Soldaten. Wie militärisch geprägt die Zeit, wie hoch das Ansehen der Soldaten war, lässt sich ermessen an der Begeisterung in der Bevölkerung. Rund 50 Gründungsmitglieder und eine enorme Spendenfreudigkeit in der Bevölkerung machten es möglich, dass der Verein bereits zwei Monate nach seiner Gründung im Rahmen eines großen Festes eine wertvolle Fahne weihen konnte.

Erinnerungen an unvorstellbare Leiden

Doch die Jubelzeit dauerte nicht an. Nach dem ersten Hurrapartriotismus von 1914 zog schnell die Realität ein: unvorstellbare Leiden in nassen Schützengräben, Verstümmelungen, Invaliden, Tote, allein 24 aus Ebershausen und Seifertshofen. Sie erhielten acht Jahre nach Kriegsende ein schlichtes, aber würdiges Kriegerdenkmal, finanziert von der gesamten Gemeinde über eine Haussammlung.

In Ebershausen steht heute ein größeres Denkmal, auf dem Friedhof, in den 1980er Jahren errichtet. Dort muss nun weit mehr Toter gedacht werden aus dem unvorstellbaren Flächenkrieg, für den das NS-Regime beinahe jeden männlichen Bürger heranzog, vom fast noch Kind bis zum Greis. 37 Gefallene und 24 Vermisste, die später für tot erklärt werden mussten, insgesamt 61 Tote muss allein das kleine Dorf mit etwas über 600 Einwohnern betrauern. Die Überlebenden und die Nachfahren haben ihnen das neue Denkmal gesetzt.

Als sich der Verein 1955 wiederbegründete, hatte sich sein Ziel grundlegend geändert. Aus dem einst stolzen Veteranen- und Kriegerzusammenschluss wurde ein nachdenklicher Verein, der nicht mehr das Soldatentum glorifiziert, sondern sich dem Erhalt des Friedens verpflichtet fühlt.

So setzt der Verein allen sichtbar an den Beginn seiner Auftritte und des Jubiläumsfestes selbstverständlich das Totengedenken, die Erinnerung und die Mahnung zum Frieden.

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