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Konzert

31.03.2015

Hiebe und Seitenhiebe in Ursberg

GlasBlasSing Quintett vereint musikalisches, kabarettistisches und akrobatisches Können

Dass sich die moderne Kunst des Abfalls bedient, ist ein alter Hut. Aber mit welchem Einfallsreichtum, mit welcher Ausdauer, Musikalität und hoher technischer Perfektion die fünf Mitglieder des GlasBlasSing Quintetts aus Flaschen und ihrem Zubehör höchst vergnügliche Konzertabende zaubern, das ist einzigartig. Zum dritten Mal gastierte das Quintett im Klosterbräuhaus Ursberg. Das mittlerweile durch eine Fülle von Kunstpreisen, Tourneen durch ganz Mitteleuropa und diverse Fernsehauftritte erfolgsverwöhnte Ensemble hat an Lockerheit und Selbstsicherheit nochmals zugelegt. Es sucht mehr und intensiver als vormals den Kontakt zum Publikum, das sich dann auch einiges gefallen lassen muss: Das Publikum sei „Dämmfleisch“, je mehr davon anwesend, desto leichter sei die Arbeit des Tontechnikers. Unter der Fleischmasse finde man einige Filetstücke, durchaus aber auch Gammelfleisch.

Hiebe und Seitenhiebe teilen die Akteure aus, müssen indes das meiste davon selbst einstecken. Ihre Körper und Köpfe dienen bisweilen als Schlagflächen, besonders als es um die Darstellung der Gefühle und Aggressionen in einem Stau bei 39 Grad Hitze im Schatten geht. Und als sich der Song dehnt und dehnt, frischt ein selbstironisches „Dieses Lied ist wie ein Stau“ die Gemüter allseits wieder auf. Die Percussions-Anteile haben an Fülle und Raffinesse zugelegt, hin und wieder wird die Grenze zum Slapstick und zum Akrobatischen gesucht. Dass sich durch das Schütteln von halben Getränkekästen ein furioser Rhythmus erzeugen lässt, macht allein schon Eindruck.

Dann aber fangen die Akteure an, die Kästen zu tauschen, und zwar mit der Geschwindigkeit und Präzision eines Jongleurs. Doch nicht genug: Nun wird auch noch so getauscht, dass sich immer einer ducken oder abdrehen muss, damit der Kasten da ankommt, wohin er soll. Überhaupt scheint es so, dass das GlasBlasSing Quintett auf das, was es ursprünglich auszeichnete, immer noch einen drauflegt. Erst war es die Musik aus Flaschen, kombiniert mit witzig-gesellschaftkritischen Texten.

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Dann steigerte das Ensemble das Instrumentarium. Und jetzt gilt das Prinzip des absoluten Multi-Taskings, das musikalische, rhythmische, komödiantische und akrobatische Aufgaben umfasst.

Das Klassik-Medley, bei dem GlasBlasSing äußert raffiniert die Titel zu einer skurrilen Geschichte aufmischt, das reicht offenbar schon nicht mehr. Vielleicht ist das der Zwang unserer Unterhaltungsgesellschaft. Gute Musik, angereichert durch geistreiche Texte, das machen schließlich viele. Es muss mehr sein, um sich zu profilieren und um einzigartig zu sein. Wenn es ein Zwang ist, dann kann GlasBlasSing gut damit umgehen. Denn das Ensemble weckt den Anschein, dass es großen Spaß an dieser Herausforderung hat und damit längst nicht am Ende ist. Das überträgt sich wohltuend auf das Publikum. (hli)

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