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Thannhausen

16.08.2016

„KIP“ bringt neues Leben in alte Gemäuer

Unter den Rathausarkaden lässt es sich nett Schaufensterbummeln.
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Unter den Rathausarkaden lässt es sich nett Schaufensterbummeln.
Bild: Gertrud Adlassnig

Umbau Das historische Rathaus von Thannhausen kann mit Zuschüssen barrierefrei gestaltet werden. Warum die künftige Nutzung des Gebäudes dann nur ohne Kommerz gestaltet werden darf.

KIP, das Kommunale Investitionsprogramm des Freistaates, ermöglicht es der Stadt Thannhausen, eines ihrer repräsentativsten Gebäude, das historische Rathaus, wiederzubeleben. Ein Ziel, das dem altehrwürdigen Haus gut ansteht.

Immerhin konzentriert sich an der Innenstadtkreuzung, wo das Gebäude steht, Thannhauser Stadtgeschichte: Alten Dokumenten aus dem Stadtarchiv entnahm Stadtbaumeister Stephan Martens-Weh, dass der damalige Markt Thannhausen bereits 1616 einen Neubau seines Rathauses beschloss. Das heute als das „gotische“ Rathaus bezeichnete Gebäude hatte bereits Strukturen, die dem heutigen Bau ähneln: Marktrat und Bürgermeister hatten den Auftrag gegeben, das Rathaus mit Wachstube und einem großen, als Schrannenlokal genutzten Raum im Erdgeschoss auszustatten. Darüber wurden das Ratszimmer und die Wohnung des Ratsdieners gebaut. Schon damals im 2. Stock: der Rathaussaal.

Dass auch in früheren Jahrhunderten die Finanzierung für den Markt Thannhausen keine Kleinigkeit darstellte, beweisen weitere Dokumente: Man musste sich Geld leihen. Und weil es keinerlei übergeordnete Finanzstruktur gab, konnte man sich weder an kaiserliche noch an ständische Institutionen wenden, die das Vorhaben mit Zuschüssen unterstützen könnten. Es blieb nur der Weg zum privaten Geldverleiher. Den fand der Markt in Jacob von der Krett, einem ausgefuchsten Thannhauser Kaufmann und Geldverleiher. Zu welchen Konditionen er die Baufinanzierung übernahm, ist nicht bekannt. Die Thannhauser bekamen ihr repräsentatives Rathaus.

„KIP“ bringt neues Leben in alte Gemäuer

Schon einige Jahrzehnte später, so hatte es den Anschein, wurde eine Veränderung ins Auge gefasst. Ob die Idee dann aber bereits Ende des 17. Jahrhunderts oder erst im Laufe des 18. Jahrhunderts umgesetzt wurde, könnte die derzeitige Quellenlage nicht eindeutig klären. Sicher ist aber, dass auch dieses Bauwerk bereits Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr genügte. Vielleicht war der alte Bau nicht mehr stabil genug, vielleicht einfach nicht mehr zeitgemäß. Immerhin zählte man das Jahr 1874, die goldenen Jahre der Gründerzeit, in der die Bürger und mit ihnen die Städte und Märkte reich wurden und ihren neuen Reichtum in prachtvollen Bauten zur Schau stellen wollten.

So entschied sich auch der Markt Thannhausen im Oktober 1874, ein neues Rathaus bauen zu lassen. Beauftragt wurde der bekannte Augsburger Architekt Max Treu, der auch zahlreiche Kirchenbauten in der Region plante, unter anderem die neue Kirchturmpyramide in Thannhausen.

Treus Pläne wurden ab 1876 an der Stelle des Vorgängerbaus umgesetzt. Die Steine aus dem Abbruch fanden im Feuerwehrhaus, das wahrscheinlich am Mortainplatz gebaut wurde, eine neue Verwendung. Baumeister Jakob Zepf erhielt den Auftrag für den Rathausbau, bei dem am 3. Juni 1876 eine Bulle mit Zeitdokumenten in die Ostecke des Gebäudes eingemauert wurde. Fast auf den Tag genau ein Jahr später konnte das neue, prachtvolle Rathaus mit seiner typischen Gründerzeitfassade eingeweiht werden.

Der Haupteingang des Rathauses befand sich auf der Südseite, an der Ostfassade öffneten sich zwei Tore zur Schrannenhalle. Bürgermeister und Kämmerer hatten ihren Sitz im ersten Stock, wo sich auch eine Gemeindewohnung befand. Später, so zeigen alte Bilder, wurde der Schrannenraum im Erdgeschoss umgebaut, das Treppenhaus um die Achse nach Norden verschoben und ein Zugang von Osten geschaffen.

Die heutige Ausformung mit den Arkaden auf der Ostseite erhielt das historische Rathaus erst durch den Stadtbaumeister Ulrich Mayer, der die Sanierungspläne Anfang der 1980er-Jahre entwarf. Das Erdgeschoss wurde um ein Gewölbe verkleinert, sodass die Arkaden entstanden, von denen aus das Haus nun betreten wurde. Das Treppenhaus versetzte Mayer an seinen ursprünglichen Platz nach Süden. Den Raum der Schranne, die nicht mehr gebraucht wurde, nahm die Sparkasse ein.

Ein Aufzug soll eingebaut werden

Ein Umbau, der dem jetzigen Vorhaben zugutekommt. Denn die neuerliche Sanierung, ermöglicht durch „KIP“, soll dem Haus mit seiner nur mühsam zu besteigenden Treppe Barrierefreiheit und damit Zugang für alle Bürger bringen.

Stephan Martens-Weh geht davon aus, dass der notwendige Aufzug an die Stelle des ehemaligen Treppenhauses kommen wird, denn dort müsse kein Gewölbe aufgeschnitten werden. Durch den Aufzug verkleinert sich zwar die Nutzfläche der Etagen, aber die Nutzungsmöglichkeiten werden deutlich verbessert. Der alte Sitzungssaal im 2. Stock bleibt in seiner Schönheit erhalten und kann weiterhin als kleiner Festsaal für Empfänge und vielleicht auch für romantische Trauungen genutzt werden.

Die knapp 500 000 Euro, die „KIP“ für das Projekt Barrierefreiheit im historischen Rathaus beisteuert, bei dem auch alle Böden und Zugänge von Schwellen befreit werden müssen, sind an eine nicht kommerzielle Nutzung des gesamten Gebäudes gebunden. „Wir hatten schon allerhand Anfragen für das Ladenlokal im Erdgeschoss, aber eine Vermietung würde unseren Zuschuss zunichtemachen“, erklärt Bürgermeister Georg Schwarz den Leerstand. Allerdings hat die Stadt schon einen guten Verwendungszweck für Erdgeschoss und 1. Stock gefunden. „Die Thannhauser Bücherei erfreut sich einer enormen Beliebtheit mit über 30 000 Ausleihen im Jahr. Da ist eine Erweiterung der Räume dringend nötig.“ Georg Schwarz kann sich vorstellen, dass die Bücherei, heute beengt und nur über die problematische Treppe zugänglich, ihrem Status gemäß als Anziehungspunkt in der Stadt in das leicht zugängliche Erdgeschoss zieht, wo sie sicher noch mehr Bürger erreichen könnte. Im 1. Stock wäre dann Platz für einen Medienraum oder Lesesaal der Bücherei.

Was darüber hinaus noch zu tun bleibt, wären die energetische Sanierung und die Modernisierung des Brandschutzes. Doch dafür erhielt Thannhausen kein Geld aus dem freistaatlichen Investitionsprogramm. (adl)

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