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16.07.2010

Kapuzinerhalle als Wartezimmer

Zum Ensemble gehören (von links): Wolfram Ertle, Anna Dannemann, Jüli Kont, Nicki Bader, Julian Häuser, Felix Schmieder, Susi Fasold, Regine Lorenzen und Alexander Noworzyn. Foto: Gah
Bild: Gah

Burgau Das Stück beginnt schon vor dem Stück. Vom Band eine Endlosschleife mit Gedanken zum Glück vom Philosophen Erich Fromm, die Darsteller betreten nacheinander die Bühne. Einige spielen mit Schweinen aus Plüsch, aus Knete, aus Ton. Ein Manager füllt sein Sparschwein mit Schwarzgeld. Andere Darsteller setzen sich unbeteiligt daneben. Vor etwa hundert Zuschauern feierte das neue Jugendstück des Kramerhoftheaters "Das Glück kommt selten vom Schwein" in der Burgauer Kapuzinerhalle Premiere.

Am Anfang des Projekts stand eine vage Vorgabe: Das Glück sollte Thema des Stückes sein. Neun Schüler aus dem Raum Günzburg beteiligten sich an der Produktion. Dazu gingen die Akteure im Alter von 15 bis 19 Jahren ab Januar 2010 erst mal ergebnisoffen in Schauspiel-Workshops. Diese wurden geleitet von der Theaterpädagogin Vera Hupfauer und den Schauspielerinnen Yasemin Kont und Dörte Trauzeddel.

Das Zentrum des Stückes wurde eine Wartezimmer-Szene. Die Aufgabe an die Workshop-Teilnehmer: "Ihr seid eingeladen von der Glückszentrale, weil es etwas zu gewinnen gibt. Entwirf eine Figur, die sich gegenteilig zu deiner Persönlichkeit verhält!"

Castingshow

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Aus der Glückszentrale wurde im fertigen Stück eine Castingshow: "Das glücklichste Lächeln Deutschlands". Dies zeigen die neun Bewerber aber nur, wenn sie sich allein der Kamera präsentieren. Jeanette (Nicki Bader) und Büsra (Jüli Kont) ziehen sich beim Wettbewerb um den schönsten Tanz an den Haaren, der Guru Björn (Alexander Noworzyn) springt dem Manager Jochen (Julian Häuser) an die Gurgel, weil er ihn nicht von seiner immateriellen Vorstellung von Glück überzeugen kann. Von allen distanziert sich die Wissenschaftlerin Konstanze (Regine Lorenzen), die dem Streben nach Glück skeptisch gegenübersteht. Die Herleitung von "Glück" aus dem althochdeutschen "gelukke" kann sie ganz genau erklären. Aber an einen glücklichen Moment im eigenen Leben kann sie sich nicht erinnern.

Neben der Castingshow sind zwei weitere Ebenen in das Stück verwoben: das Märchen vom Hans im Glück, das von den Akteuren abwechselnd erzählt wird und zwei Lieder. Mit Bert Brechts Lied von der Unzulänglichkeit kommentieren die Bewerber am Anfang ihre Konkurrenzsituation: "Der Mensch ist gar nicht gut, drum hau ihm auf den Hut!" Gitarre, große Brille, grauer Pullunder, schüchterne Blicke: Als wandelndes Kirchentagsklischee betritt Wolfram Ertle in der Rolle des Gottfried zu seiner Glücksperformance die Bühne. Dann bekommt er Szenenapplaus für seinen mitreißenden Vortrag des Liedes vom armen Bäuerlein von Gerd Schöne.

Nach der etwa einstündigen Aufführung standen das Regieteam und die jungen Darsteller dem begeisterten Publikum zur Diskussion zur Verfügung.

Weitere Aufführung: 25. Juli um 16 Uhr.

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