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Krumbach

09.12.2017

Krumbachs große Nachkriegskirche

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3 Bilder
Fast gleichzeitig mit dem Kirchenbau wurde der freistehende Turm in Angriff genommen, der mit dem Kreuz eine Höhe von 42 Metern besitzt.
Bild: Archiv Maria Hilf

Der Grundstein für die Krumbacher Kirche Maria Hilf wurde vor 50 Jahren eingemauert. Welche Diskussionen es um die moderne Form der Kirche und die Pfarreigrenzen gab. Festgottesdienst am Sonntag.

Die Stadtpfarrei Maria Hilf feiert ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsjahr. Im Mittelpunkt stehen ein festlicher Gottesdienst am morgigen Sonntag, 10 Uhr, mit Domkapitular Michael Kreuzer, die Primiz von André Harder am 1. Juli und das Gedenken an die Kirchenweihe am Sonntag, 23. September 2018. Für Stadtpfarrer Kazimierz Piotrowski stellen sich an diesem „Geburtstag“ mehrere Fragen, wie sie im aktuellen Pfarrbrief zu lesen sind: Wie wird unsere Pfarrgemeinde in 50 Jahren ihr Hundertjähriges feiern? Wird sie es noch feiern können? Was werden die nächsten Jahre bringen? Wird der Glaube auch den kommenden Generationen wichtig bleiben oder wird er versickern? Bange Fragen und schließlich seine Erkenntnis: „Ich habe den Eindruck, dass viele unserer Mitchristen dabei sind, den Glauben beiseite zu tun, ihn schlicht vergessen.“

Die sonntägliche Feier der Grundsteinlegung ist Anlass zu einem Rückblick auf den 10. Dezember 1967. Damals war es Domkapitular Heinrich Riegel, der die von Diözesanbischof Dr. Josef Stimpfle unterzeichnete Urkunde im südöstlichen Altarraum einmauerte. Verbunden mit diesem denkwürdigen Akt war die Installation von Stadtpfarrer Gregor Sing, die Dekan Max Hirschle, Pfarrer in Waltenhausen, vornahm. Die Stadtpfarrei „St. Maria, Hilfe der Christen“ hatte damit einen amtlichen Namen und war auch offiziell eingerichtet.

Sing bezog zum 30. Januar 1968 in einem Nachbarhaus eine Wohnung und begleitete den Fortschritt des Kirchenbaus praktisch von Anfang an. Die Gottesdienste fanden bis Ende Juli in St. Ulrich statt, doch konnten danach zumindest die Sonntagsmessen bereits im neuen Kirchenbau gefeiert werden.

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Bereits dreieinhalb Monate vor der Kirchenweihe wurden die fünf mit dem Geläut von St. Michael abgestimmten Glocken in Kempten gegossen, acht Tage später geweiht und kurz danach auf den Turm gehoben. Für Pfarrer Sing ein Tag großer Freude: „Eher, als es zu hoffen war, bekommt unsere Kirche Glocken. Zu verdanken ist dies vor allem den großherzigen Spendern, die alle fünf Glocken gestiftet haben.“

Nicht nur Sonnenschein erlebte der neue Stadtpfarrer in diesem Jahr der Teilung der Stadt in zwei Pfarreien. Deutlich wurde dies beim ersten Pfarrfamilienabend, der wenige Tage vor der Kirchenweihe stattfand. Wie einem Bericht der Mittelschwäbischen Nachrichten vom 4. Dezember 1967 unter dem Titel „Diese Aufklärung wäre vor einem Jahr wünschenswert gewesen“ zu entnehmen ist. Als Problem bezeichnete Stadtpfarrer Sing im voll besetzten Mundingsaal die Pfarreigrenzen, deren Verlauf erst „im Groben“ festlagen. Sicher war, dass die Robert-Steiger-Straße bis zur Lichtensteinstraße und weiter nach Norden die Häuser östlich der Kammel zu Maria Hilf gehören. Unklar blieb vorerst die Grenze im Bereich Hürbener Straße bis zur Kammel, wo es noch heute Ungereimtheiten gibt. Auch der Name gab Anlass zu Kritik, doch verwies Sing darauf, dass die Kurzform Maria Hilf zwar an einen „Wallfahrtscharakter“ erinnere, aber auch für moderne Kirchenbauten seine Berechtigung besitze.

Insgesamt kam der Stadtpfarrer zu dem Fazit: Die neue Pfarrei sollte froh sein, dass der Kirchenbau schon so weit fortgeschritten ist, da nach den heute zur Verfügung stehenden Mitteln in den nächsten Jahren höchstens noch eine Notkirche möglich wäre. Was die Kosten anbelangt, wusste Sing lediglich zu berichten, dass der Bau bei 650 Sitz- und 400 Stehplätzen auf 1,6 Millionen Mark veranschlagt sei und die Pfarrei 400 000 Mark zu übernehmen habe. Am gleichen Abend wurde außerdem ein Kirchenbauverein gegründet. Die 53 Gründungsmitglieder wählten Gregor Sing zum Vorsitzenden, dem Stadtrat Andreas Altstetter als Stellvertreter zur Seite stand.

Aber auch in Krumbachs Stadtrat gab es bereits im Frühjahr 1965 unter Bürgermeister Karl Kling bei der Beratung der Baupläne lebhafte Diskussionen. Für den Rathauschef war eine Erweiterung der Michaelskirche nicht möglich. Er sprach sich für den von Kirchengemeinde und Diözese befürworteten Neubau in der Burgauer Straße aus, wo das Areal des ehemaligen RAD-Lagers ausreichend Platz für ein solches Objekt bot.

Im Sitzungsprotokoll ist zu lesen, wie Kling sowie die beiden Ulmer Architekten Manfred Wacker und Erich Niederbacher die Planung bewerteten. Das Stadtoberhaupt sprach von einem „Kirchenbau, der in seiner außerordentlich modernen Gestaltung etwas besonderes darstellt“. Die Architekten: „Nahe an die Hauptstraße gerückt und diese weithin beherrschend steht die Kirche im westlichen Teil des Grundstücks, gleichsam als Mahnung und Aufforderung.“

Der Auszug aus der Sitzungsniederschrift macht die unterschiedlichen Meinungen deutlich: Ernst Munding: „Man kann geteilter Meinung sein über Notwendigkeit und Form der Kirche, die schon als Gebetssilo bezeichnet wird.“

Erwin Bosch: „Da die Jugend moderner denkt als wir, soll sie auch eine moderne Kirche haben.“ Alois Kroner: „Was hat eigentlich die Stadt dazu noch zu sagen?“ Anton Schwarzmann: „Ich halte den Kirchenbau für gut, aber der Platz ist nicht geeignet.“ Georg Hofmeister: „Ich bedaure, dass die Stadt nichts mehr zu sagen hat.“ Georg Ringler: „Der Planprüfungsausschuss ist scheinbar der Meinung, der Stadtrat ist zu einer Beurteilung nicht befähigt und befugt.“ Letztlich aber war das Gremium doch bereit und befürwortete die Bauvorlage einstimmig.

Kehren wir zurück zu den Eingangsfragen von Kazimierz Piotrowsky. Sie sind sicher berechtigt, was die derzeitige Besucherzahl betrifft. Als Haus Gottes wird Maria Hilf in dieser Größe momentan nicht gebraucht.

Das gilt jedoch für alle Kirchen in unseren Gemeinden und Städten, die vor Jahrhunderten für Jahrhunderte gebaut wurden. Das Krumbacher Gotteshaus ist erst 50 Jahre alt und doch ein markanter Sammlungspunkt für viele Katholiken. Ihnen gibt der Stadtpfarrer den Rat: „Lasst uns mit Zuversicht in die kommenden Jahre gehen. Aber auch mit Bereitschaft, wach zu sein für die Aufgaben, die diese schwierige Zeit uns stellt.“

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